Hintergründe zum Projekt

Theoretischer Hintergrund

Die mit dem demografischen Wandel verbundenen Herausforderungen für moderne Gesell­schaf­ten sind häufig mit kritischer Konnotation diskutiert worden („Die alternde Gesellschaft“), ob­wohl zentrale Aspekte dieses Wandels positive Bewertungen durchaus nahelegen. Insbe­son­dere die seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts feststellbare erhebliche Verlängerung der durch­schnittlich und individuell erwartbaren Lebenszeit eröffnet vielfältige Entwicklungs­per­spek­tiven sowohl für die Gesellschaft insgesamt als auch für jede_n Einzelne_n. Zugleich ist damit allerdings auch die individuelle Herausforderung verbunden, einen zunehmend längeren Lebensabschnitt nach dem Ende der Berufstätigkeit aktiv und sinnerfüllt zu gestalten. Da es hier­für kaum institutionelle oder traditionelle Vorgaben gibt, wird dies insbesondere die Suche nach persönlichen Entwicklungs- und Lebenszielen erfordern, die für Lebensqualität und Sinn­erleben eine zentrale Rolle spielen. Zentrales Anliegen des geplanten Forschungsprojektes ist die Untersuchung der Regulationsprozesse, die die Neuorientierung oder Anpassung persön­licher Präferenzen und Ziele an eine veränderte Lebenssituation begünstigen.

Das Projekt soll die protektive Wirkung solcher Regulationsprozesse im Zusammenhang mit dem Übergang in den Ruhestand untersuchen.

Dabei ist die Annahme untersuchungsleitend, dass die Verfügbarkeit derartiger Prozesse den Umgang mit den Umbrüchen und Veränderungen erleichtert, die mit dem Übergang in den Ruhestand verbunden sind, indem sie die Stabilität (oder Wiedergewinnung) der Lebensqualität und des Wohlbefindens absichern und insbesondere die Orientierung an neuen, sinnstiftenden Zielen unterstützen. Es wird erwartet, dass die Bedeutung der im Berufs- und Erwerbsleben verfolgten Ziele vor allem dann besondere Anforderungen an solche Regulationsprozesse stellen, wenn sie in besonderem Maße mit der persönlichen Identität verbunden sind (z.B. mit dem persönlichen Glauben).

Vor allem aber soll das Projekt die Bedingungen untersuchen, die derartige Neuorientierungen sowohl im aktuellen Entstehen als auch im Entwicklungsverlauf begünstigen. Mit anderen Worten sollen insbesondere die hilfreichen oder notwendigen Bedingungen für die Entwicklung und Verbesserung der individuellen Fähigkeit und Bereitschaft (Flexibilität) zur Zielanpassung identifiziert werden. Forschungsleitend ist hier die Hypothese, dass sowohl Aspekte der Person (z.B. Selbstwirksamkeit) als auch Kontextbedingungen (z.B. soziale Eingebundenheit) hierfür bedeutsam sein sollten. Langfristiges Ziel ist es, Ansatzpunkt für die präventive Vorbereitung von Personen bereits im mittleren Erwachsenenalter zu identifizieren und damit den Übergang in den neuen Lebensabschnitt zu erleichtern.

Projektverlauf

Dieses Projekt ist als Langzeitstudie angelegt. Innerhalb eines Zeitrahmens von zehn Jahren werden einmal jährlich Befragungen stattfinden.

Dabei kombinieren wir Längs- und Querschnitt: Wir befragen dieselben Personen jedes Jahr wieder, sodass wir mögliche Veränderungen über mehrere Jahre hinweg, also längsschnittlich erfassen können. Gleichzeitig befragen wir Personen aus unterschiedlichen Altersgruppen, sodass wir Informationen über Einstellungen oder ähnliches zum selben Zeitpunkt, aber in verschiedenen Altersgruppen, also querschnittlich erhalten können.

 

Aktuell sind wir in Jahr Eins des Studienverlaufs.

Die erste Erhebung ist eine besondere Phase innerhalb eines Langzeitprojekts. Das Konzept und die entwickelten Studienteile werden zum ersten Mal erprobt. Da beides noch weitere Jahre eingesetzt werden soll, wird im Anschluss an die erste Erhebung eine Evaluation durchgeführt. Dabei werden besonders auch Rückmeldungen von Teilnehmenden berücksichtigt, um die langfristige Teilnahme an der Studie möglichst einfach und angenehm zu gestalten.