Altägyptische Weisheitslehren

Zitiert nach: Die Weisheitsbücher der Ägypter, Hrsg. u. Übers. H. Brunner, Düsseldorf und Zürich, 1997.

Hofschreiber

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Über die Habgier (aus: Lehre des Ptahhotep, ca. 2350 v. Chr., a.a.O., S. 119f.)

Wenn du willst, daß deine Lebensführung gut sei, dann mach dich frei von allem Bösen. Hüte dich vor der Verführung zur Habgier, denn sie ist eine schlimme, unheilbare Krankheit. Bei ihr hat man keinen Vertrauten mehr. Sie verbittert einen Freund, sie entfremdet einen Vertrauten von (seinem) Herrn, sie pflegt Väter und Mütter zu entzweien, sie vertreibt die Ehefrau eines Mannes; ein Sack ist sie, voll von allem Hassenswerten, ein Bündel von allem Übel. Fort dauert ein Mann, dessen Lebenswege gerade sind. Wer seine Schritte richtig setzt, der kann über sein Vermögen verfügen, doch für den Habgierigen gibt es nicht einmal ein Grab.


Über die Die Vergeltung (aus: Die Lehre für König Merikare, ca. 2150 v. Chr., a.a.O., S. 152)

Ein Schlag wird mit einem ebensolchen vergolten, das ist die Verschränkung (wörtlich: Verfugung) aller Taten!


Über die Rechtschaffenheit (aus: Die Lehre des Amenemope, ca. 1100 v. Chr., a.a.O., S. 241-244)

Verrücke nicht den Markstein auf den Grenzen der Felder und verschiebe nicht die Meßschnur von ihrer Stelle.

Sei nicht gierig nach einer Elle Ackers und vergreife dich nicht an den (Feld-)Grenzen einer Witwe.

Die Furche zum Treten, die schon die Zeit verringert hat, wer sie für (sein) Feld verwischt und sie sich mit falschen Eiden erhascht, der wird durch eine Erscheinung des Mondes eingefangen.
Du erkennst den, der solches tut, schon auf Erden: Er ist ein Bedrücker des Schwachen, ein Widersacher, darauf aus, dich zu zerstören. Aus seinem Auge blitzt Verderben, sein Haus ist ein Feind für die (ganze) Stadt.
Seine Vorratsräume werden zerstört, sein Besitz wird seinen Kindern verweigert und seine Habe einem anderen gegeben.

Hüte dich (also), Ackergrenzen zu verletzen, damit dich nicht ein Schrecken hole. [...]

Hänge dein Herz nicht an Schätze: Es gibt keinen, der nicht um Bestimmung und Geschick wüßte.

Wirf dein Herz nicht hinter Äußerlichkeiten her: Jedermann hat seine (ihm bestimmte) Stunde.

Mühe dich nicht, nach Mehr zu suchen, dann bleibt dein Bedarf dir sicher.

Wenn die Schätze durch Betrug zukommen, so bleiben sie nicht über Nacht bei dir. Wenn es tagt, sind sie nicht mehr in deinem Hause. Man kann noch ihre Stelle sehen, aber sie sind nicht mehr da. [. . .]

Halte deine Zunge heil vor verderblicher Rede, dann werden dich die Leute lieben, dann findest du deinen Platz im Innern des Tempels, dann hast du teil an den Opferbroten deines Herrn und wirst als Geehrter in deinem Sarg verborgen sein, bewahrt vor der Macht (= Zorn) des Gottes.

Rufe nicht "Verbrechen!" gegen einen Mann, wenn die Umstände (seiner) Flucht unbekannt sind.

Ob du Gutes oder Böses hörst (Klatsch), weise es ab, laß es ungehört sein. Gib (selber) nur gute Rede auf deine Zunge, während eine böse in dir verborgen bleibe.


Über die Selbstbeherrschung (aus: Die Lehre des Papyrus Insinger, ca. 300 v. Chr., a.a.O., S. 307f.)

Die Anweisung, nicht gierig zu sein, damit du dich nicht der Armut gesellen mußt.

Wer so töricht ist, sich (beim Essen) nicht zu beherrschen, wird wegen seiner Gier noch Mangel haben.

Der Törichte, der Macht ausübt, dem wird es schlecht ergehen.

Gott ist es, der den Wohlstand schenkt, aber es ist der Weise, der ihn bewahrt.

Die Tugend eines Weisen ist es, ohne Geiz zu sammeln.

Der Ruhm eines Weisen ist Selbstbeherrschung in seiner Lebensführung.

Der Tor steht in der Öffentlichkeit in schlechtem Geruch wegen (seiner) Eßgier; in mehr als einer Weise gerät er ins Unglück.

Mancher kann nicht essen, wünscht sich aber in seinem Herzen, viel zu essen.

Mancher ist noch krank von gestern und verlangt dennoch nach Wein.

Mancher mag Geschlechtsverkehr nicht und gibt doch alles, was er übrig hat, für Frauen aus.

Mancher geht durch Verbrechen in den Tod wegen seiner Gier.

Das Übel, das auf den Toren kommt, bringen ihm sein Bauch und sein Phallus.


Über das Schicksal (aus: Die Lehre des Papyrus Insinger, ca. 300 v. Chr., a.a.O., S. 310)

Mancher lebt bescheiden, um zu sparen, und wird doch arm.

Mancher versteht es nicht (zu sparen), und das Schicksal gibt ihm Reichtum.

Es ist nicht (notwendig) der sparsame Weise, der einen Vorrat vorfindet.

Es ist nicht immer ein Vergeuder, wer in Armut lebt.

Gott gibt (auch) reichen Vorrat ohne Einkommen und Armut in der Börse ohne Vergeudung.

Geschick und Glück, die kommen - Gott ist es, der sie sendet.

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