Gesammelte Abstracts
(Version 16.03.2001)
7. Tagung der Deutschen Sektion der Internationalen
Gesellschaft für Wissensorganisation (ISKO) "Wissensorganisation und Edutainment"
(21. - 24. März 2001 Humboldt-Universität Berlin)
Asmus, Stefan
Designing future knowledge systems:
Zur Genese ereignisorientierter hypermedialer Wissenssysteme
Erfolgreiches Wirtschaften heißt zunehmend: erfolgreich kommunizieren.
Während Teilfunktionen der Unternehmen mit Gewinn outgesourced werden können,
stellt der Umgang mit formalisierbarem Wissen das ureigenste Kapital der Firmen dar.
Dieses "corporate brain" gilt es, optimal zu entwickeln und zu pflegen.
Durch die Optimierung von Materialflüssen (Logistik) und die Einrichtung von
Datenflüssen (EDV) konnten große Produktivitätsfortschritte erreicht
werden: In dieser Entwicklungslinie wird heute eine Optimierung der Wissensflüsse
(knowledge flow) gefordert. Dies ist die Schwelle zur zukünftigen Produktivität
in der Wissensgesellschaft.
Die Optimierung der Wissensflüsse hängt im wesentlichen von vier Faktoren
ab, die bisher nur ungenügend berücksichtigt wurden:
1. Mind-Ergonomie
-Bestmögliche Anpassung der Wissenssysteme an die kognitiven Voraussetzungen
von Individuen.
-Nutzung vorhandener Fähigkeiten, die in erkenntnisbildende Prozesse eingehen,
wie z.B. visuelles Gedächtnis, Kontextbezogenheit und assoziative Verknüpfung.
2. Erschließung des "tacit knowledge" (implizites Wissen)
-Bisher vernachlässigte, aber umso wirksamere "soft factors" wie Emotionen,
Affekte und soziale Intelligenz können mit multimedialen verteilten Systemen
aufgeschlossen und produktiv gemacht werden
-rudimentäre, verteilte und vorläufige Informationen werden kontextuiert
und erlangen Bedeutung
-alle Datenformate (Text, Bild, Sound, 3D, Video) werden unterstützt und finden
Anschluss
3. Optimierung des Kommunikationsprozesses durch Einführung neuer medienadäquater
Formate
-alle relevanten Informationen werden in den Kommunikationsprozess eigespeist
-deutliche Verlagerung von ergebnisorientierter Kommunikation (Verstehen) auf prozessorientierte
Kommunikation (Kommunizieren und Problematisieren)
-Unterstützung von Selbstorganisationsprozessen
-Unterstützung von Meinungsbildungs- und Entscheidungsfindungsprozessen
-Unterstützung komplexer Gruppenprozesse
4. Adäquanz: Angemessenheit an Adressat, Nutzer Aufgabe, Situation, etc.
-Variabilität und Flexibilität der eingesetzten Werkzeuge
-individuelle Konfigurierbarkeit
-schnelle, intuitive und effektive Handhabbarkeit technischer Mittel.
Heute kommt es darauf an, Wissenssysteme anzubieten, die das Potential der Technik
optimal an die kognitiven Voraussetzungen der Nutzer anpassen. Derzeit verfügbare
Anwendungen in den Bereichen Wissenmanagement, Content Management oder Knowledge
Commerce berücksichtigen die Fähigkeiten und Bedürfnisstrukturen der
Nutzer nur unzureichend.
Daher befindet sich der Markt nach einer anfänglichen Euphorie über die
prinzipiell realisierbare Verbindung von allen mit allem zur Zeit in der post-euphorischen
Phase des Internets. Probleme wie "Information overload" zeigen, daß
nach der ersten Umstellungsphase auf digitale Techniken nur noch geringe Effizienzgewinne
realisiert wurden. Die kompetente Nutzung von Informationen in pragmatischen Handlungskontexten,
also das tatsächlich realisierte Wissen, nimmt im Verhältnis zur Datenmenge
ab.
Lösungen für Wissensgemeinschaften müssen deshalb in einem systemischem
Zugang das technische Potential mit gestalterischer Differenzierung und kognitiver
Anpassung verbinden. Nur ein solchermaßen verstandener integrativer Ansatz
kann sich erfolgreich und dauerhaft auf den neu entstehenden Märkten für
Wissenstechniken positionieren.
Bosch-Sijtsema, Petra
Virtual organisations and knowledge development: A Case of Expectations
The virtual organisation (VO) is viewed as an organisation consisting of independent
partners, who try to combine their strengths, skills, resources, risks and finances
in order to produce ideas or a product. Members of the VO are often geographically
dispersed and communicate with help of information technology. The VO is a popular
organisation structure, but it is also known that the VO is difficult to manage.
Members work rather individual and there is hardly any control. Some problems of
the VO are that it is difficult to motivate its members, members suffer from social
loafing and absenteeism. On the other hand it is unclear how such an organisation
can reach a synergetic or learning effect by co-operating with each otherís core
competencies. Learning is inhibited by several organisational boundaries of a VO.
These boundaries are within time, space, structure, diversity and distribution of
results and information. Current literature on learning, does not often take into
account the geographical dispersion and fluctuating workforce of a VO, although some
do take into account learning between organisational partners (Hamel 1991, Nonaka
1995).
In Sweden a research virtual organisation was followed for three years, where the
main question was: how is knowledge developed in a VO. Important aspects were to
investigate boundaries and enablers of knowledge development in a VO, the role of
management and the role of IT in this development process. The data was collected
with help of interviews, observations and questionnaires. It was found in the research
VO, that besides a high use of e-mail for communication and information distribution,
rich modes of communication were important (e.g., telephone and face-to-face). However,
due to several reasons the information system was not often used. Furthermore, it
was found that the expectations of members were of importance for the success of
the organisation. The expectations of members are based on past experiences, personal
values, professional specialisation and the role in hierarchy (Ring & Van de
Ven, 1994). Depending on expectations of members, a match or mismatch with the content
of the work, the role of members, the development process of the organisation, the
way information and results were distributed and the role of the autonomous partners
could be seen. A difference in expectations could be viewed between project leaders
and project members, where project leaders had a low to moderate vague expectation,
while project members often had a high to moderate expectation, which was more detailed
described. For the development of knowledge in a VO, it might be important, that
management could harmonise the expectations of its members. Expectation management
is proposed as stimulating, maintaining and creating expectations within a VO, in
order to overcome the earlier mentioned problems of a VO.
Hamel, G. (1991) "Competition for competence and interpartner learning within
international strategic alliances," in Strategic Management journal,
vol. 12, pp: 83-103.
Nonaka, I. (1994) "A dynamic Theory of Organizational Knowledge Creation,"
in Organization Science, Vol. 5 (1), February, pp: 14-37.
Ring, P.S. /Van De Ven, A.H. (1994) "Developmental Processes of Cooperative
Interorganizational Relationships," in Academy of Management Review,
vol. 19 (1), pp: 90-118.
Budin, Gerhard
Wissensorganisation als Gestaltungsprinzip virtuellen
Lernens -epistemische, kommunikative und methodische Anforderungen an Lernende und
Lehrende
Die sogenannte Tele-Epistemologie steht erst am Anfang in ihrem Vorhaben, die epistemischen
Auswirkungen der Möglichkeiten und der Praxis des virtuellen Lernens und Lehrens
auf alle Beteiligten zu erforschen und auf erkenntnistheoretischer Ebene zu reflektieren.
Wissensorganisation als dynamischer Begriff und als komplexer Prozess wird als Gestaltungsprinzip
beschrieben, das für das virtuelle Lehren und Lernen mindestens ebenso wichtig
ist wie für traditionelle Formen des Wissenstransfers und der Wissensakquisition.
Schließlich sollen die epistemischen, kommunikativen und methodischen Anforderungen,
die virtuelles Lernen und Lehren an die Beteiligten stellen, in einem theoretischen
Rahmen der Wissensorganisation aufeinander bezogen werden. Die theoretischen Überlegungen
werden anhand von 2 konkreten Projekten (auf EU-Ebene) expliziert.
Däßler, Rolf
Visualisierung: Ein Hilfsmittel zur Nutzbarmachung von Wissenstrukturen?
Stand, Probleme und Perspektiven der Informationsvisualisierung
Abstrakt. Der Artikel untersucht, inwieweit Methoden und Metaphern der Informationsvisualisierung
geeignet sind, um den Zugang zu Wissenstrukturen zu unterstützen. Ein Schwerpunkt
ist dabei die Repräsentation von abstrakten Informationen und Wissen in virtuellen
Informationsräumen.
Angesichts rasch steigender Informationsmengen wird das Filtern und die kontextbezogene
Analyse von Informationen zu einem entscheidenden Wirtschaftsfaktor. Knowledge Retrieval
unterstützt den Prozeß der Extraktion von Wissen aus Datenbanken bzw.
unstrukturierten, verteilten Dokumentbeständen. Dabei spielt die Informationsvisualisierung
ein entscheidende Rolle. Die Grundidee ist dabei, daß die Visualisierung eine
effizientere Erfassung von komplexen Zusammenhängen und einen schnellen Überblick
über große Datenbeständen ermöglicht. Eine Methodik, die sich
bereits auf dem Gebiet der Datenvisualisierung bewährt hat.
Die Informationsvisualisierung bietet eine Reihe von visuellen Konzepten, um semantische
Netze zu repräsentieren. Die visuellen Metaphern reichen von einfachen grafischen
Knoten- und Kanten-Modellen über Dokument- bzw. Begriffskarten bis hin zu virtuellen
Informations- und Erlebniswelten. Allerdings bereitet gerade die Visualisierung von
abstrakten Informationen in virtuellen Informationswelten besondere Probleme. Die
Navigation im Informationsraum, die räumliche Wahrnehmung von Objekten oder
die Darstellung von Text sind nur einige von vielen ungelösten Problemen, die
in diesem Artikel diskutiert werden. Auch unter dem Aspekt eines Informationsmehrwertes
ist die Verwendung der 3.Dimension als Benutzerschnittstelle nach wie vor umstritten.
Anders sieht es bei der Darstellung von bereits kategorisiertem bzw. vorstrukturiertem
Wissen aus. Vor allem für hierarchische Informationsstrukturen stehen eine Vielzahl
von visuellen Metaphern zur Verfügung, wie Folder Tree, Treemap, Hyperbolic
Tree, Cone Tree etc.
Auch im Bereich des Data Mining, dem Prozeß der Datenerkundung im KDD (Knowledge
Discovery in Databases) spielt Informationsvisualisierung heute eine zentrale Rolle.
Über visuelle Benutzeroberflächen kann der Benutzer interaktiv die Datenanalyse
durchführen oder die Repräsentation der Ergebnisse beeinflussen.
Neue Perspektiven eröffnen sich für die Informationsvisualisierung mit
den Topic Maps. Durch die Auswertung von Metastrukturen über Dokumentinhalte
kann die Qualität visueller Methoden bedeutend verbessert werden. Auf der Basis
statistischer Dokumentähnlichkeiten generierte semantische Karten bzw. virtuelle
Informationsräume zeigten bisher nur unzureichende Ergebnisse beim Mapping von
Wissensstrukturen. Topic Maps bilden dagegen eine geeignete Basis für zukünftige
interaktiv-visuelle Wissenssysteme.
Eibl, Maximilian und Thomas Mandl
Die Qualität von Visualisierungen: Eine Methode zum Vergleich zweidimensionaler
Karten
Zweidimensionale Karten dienen im Information Retrieval häufig der Visualisierung
von Dokumentbeständen. Über die Qualität der verschiedenen Methoden
zur Erzeugung dieser Karten ist wenig bekannt. In diesem Artikel werden zwei Verfahren
hinsichtlich ihrer Unterschiede verglichen. Dabei ist die Sichtweise des Benutzers
beim Browsing in einer Karte der Ausgangspunkt. Das Experiment zeigt, dass die Methoden
sowohl bei großen als auch bei kleinen Dokumentenmengen zu völlig unterschiedlichen
Karten führen und zwischen den Karten keine Korrelation besteht. Daher muss
die Methode zur Abbildung einer Dokumentenmenge auf eine zweidimensionale Karte für
jede Anwendung erneut evaluiert und optimiert werden.
Einführung
Visualisierung dient der Reduktion der Komplexität und ermöglicht Benutzern
das schnelle Erkennen komplexer Zusammenhänge in Wissensstrukturen. Im Information
Retrieval Prozess unterstützt die Visualisierung mehrere Stufen und kann etwa
der Darstellung von Termen, logischen Beziehungen zwischen Anfrage-Operatoren oder
Dokumenten dienen. Für letzteres werden oft zwei- oder dreidimensionale Räume
entworfen, in denen etwa die Gravitätsmetapher wirkt. Zweidimensionale Karten
drücken semantische Nähe von Dokumenten durch geringe räumliche Distanz
aus. Am häufigsten wird die Kohonen Self-Organizing Map (SOM, cf. Kohonen 1998)
benutzt, aber auch Latent Semantic Indexing (LSI, cf. Berry & Letsche 1995) oder
Faktorenanalyse können zur Reduktion von Repräsentationen auf zwei Faktoren
dienen.
Obwohl die Theorien der Wahrnehmung Vorteile versprechen, bleibt unklar inwieweit
Visualisierungen den Information Retrieval Prozess unterstützen. Evaluierungen
von Visualisierungen sind selten, das gilt auch für zweidimensionale Karten.
In den letzten Jahren haben zwei Implementierungen zweidimensionaler Karten im Internet
große Mengen von Dokumenten analysiert und dargestellt. Chen et al. 1996 haben
mit einer Kohonen-SOM die Dokumente aus der Yahoo-Kategorie Entertainment
klassifiziert und dargestellt. Die große Anzahl von Dokumenten zwang zu einer
schichtweisen Realisierung, bei der die Karte gewissermaßen in kleine Teilbereiche
zerlegt wird, die auf einer übergeordneten Karte durch eine Fläche vertreten
sind. Die Interaktion mit einer Karte erfolgt somit in mehreren Schritten, die dem
Zoomen ähneln.
Eine noch umfangreichere Datenbasis liegt dem System WEBSOM (Kohonen 1998) zugrunde.
Darin werden etwa eine Million Beiträge zu Diskussionsforen (Internet Newsgroups)
organisiert. Ziel ist es, neben der hierarchischen Struktur der Diskussionsforen
einen assoziativen Zugang über mehrere Newsgroups hinweg zu ermöglichen.
Kohonen 1999 wählte als Strategie für die Bewältigung der großen
Datenmenge wie Chen et al. 1996 einen schichtweisen Aufbau.
Die beiden Systeme zeigen auch Schwächen des Ansatzes. Lediglich Chen et al.
1996 berichtet von informellen Benutzertests, so dass keine Aussagen über die
Vorteile der SOM oder zweidimensionaler Karten allgemein bei der Lösung von
Informationsproblemen möglich sind. Die Autoren begründen auch die Wahl
ihrer Methode nicht und können für den jeweiligen Anwendungsfall die Überlegenheit
der SOM gegenüber anderen Methoden nicht nachweisen. In diesem Beitrag soll
gezeigt werden, dass dies unbedingt erforderlich ist, da die zwei Methoden zu völlig
unterschiedlichen Karten führen können.
Evaluierungsmethode
Für die Evaluierung von zweidimensionalen Karten gibt es keine Standard-Verfahren
wie für die Bewertung von Information Retrieval Systemen. Diese statistischen
Methoden, die z.B. im Rahmen der Text Retrieval Conference (TREC) eingesetzt werden,
basieren auf Ranking-Listen und lassen sich so nicht auf Ansätze auf der Grundlage
von Browsing-Techniken anwenden. Dieser Beitrag stellt eine Methode zum Vergleich
zweier Karten vor, die den Benutzerstandpunkt beim Browsing in den Mittelpunkt stellt,
aber ohne aufwendige Benutzertests auskommt.
Eine Karte von Dokumenten hilft dem Benutzer dann, wenn semantisch ähnliche
Dokumente nahe zusammen gruppiert sind. Nach der Fokussierung eines Dokuments wird
der Benutzer die am nächsten gelegenen betrachten. Die Evaluierungsmethode nimmt
daher ein Dokument als Ausgangspunkt und bestimmt die Euklidische Distanz zu allen
anderen. Durch Berücksichtigung aller Dokumente entsteht so eine Ähnlichkeitsmatrix.
Das Verfahren wird für jede Visualisierungsmethode wiederholt und es ergeben
sich so mehrere Matrizen. Die Korrelation zwischen diesen Matrizen dient als Maß
für den Vergleich der Methoden. Für die Berechnung der Korrelation wird
die Matrix in ihre Spalten aufgeteilt und jede Spalte wird nach Ähnlichkeit
sortiert. Der Spaerman-Rangfolgen-Koeffizient bestimmt die Korrelation zwischen den
Ranking-Listen der verschiedenen Methoden. Der Durchschnitt der einzelnen Listen
bildet das Resultat für die Matrizen.
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Spearman: (Hartung 1984)
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Experiment und Ergebnisse
Die Daten für das Experiment stammen aus den Datenbanken des Informationszentrums
Sozialwissenschaften (IZ) in Bonn. Indexierer des IZ verschlagworten intellektuell
sozialwissenschaftliche Fachliteratur und Projektinformationen. Eine Untermenge bildet
das deutschsprachige Fachkorpus für das Cross Language Evaluation Forum (CLEF),
das Systeme für multilinguales Information Retrieval bewertet.
Mit einem Ausschnitt von 1000 Dokumenten wurden mit LSI und SOM zwei zweidimensionale
Dokumentenkarten gebildet. Der Vergleich nach der oben geschilderten Methode führte
zu einer Korrelation von 0,053. Dies zeigt, dass zwischen den Matrizen keine Ähnlichkeit
besteht. Das Experiment wurde auch für kleinere Mengen von zehn und hundert
Dokumenten durchgeführt. Auch in diesen Fällen ergab sich keine Korrelation
wie die folgende Tabelle zeigt.
Tabelle 1: Ergebnisse
| Anzahl der Dokumente |
1000 |
100 (Durchschnitt aus zehn Mengen) |
10 (Durchschnitt aus 100 Mengen) |
Höchste Korrelation für eine Menge von 10 Dokumenten |
| Korrelation |
0,053 |
0,037 |
0,013 |
0,34 |
Fazit
In der Literatur wird oftmals als gesetzt angesehen, daß Visualisierungen textuellen
Formen der Datenpräsentation überlegen sind. Die kognitionswissenschaftlich
durchaus begründbare Vermutung führt bei der Gestaltung von Visualisierungen
oftmals scheinbar zu einer nicht weiter hinterfragten Annahme, daß die geschaffene
Visualisierung von Vorteil sei. Auf die Durchführung von Evaluationen wird meist
verzichtet. In diesem Artikel wird gezeigt, wie wichtig jedoch solche Evaluationen
sind, kann doch schon die Verwendung unterschiedlicher Konstruktionsprinzipien ein
und desselben Visualisierungstyps zu erheblich unterschiedlichen Ergebnissen führen.
Solange die Ergebnisse verschiedener Techniken zu solch divergenten Ergebnissen führen,
sind zusätzliche Anwendertests notwendig, um die geeignetere Technik zu bestimmen.
Literatur
Berry, Michael; Dumais, Susan; Letsche, Todd (1995): Computational Methods
for Intelligent Information Access. In: Proc. ACM Supercomputing ë95. San Diego,
CA. S. 1-38.
Chen, Hsinchun; Schuffels, Chris; Orwig, Richard (1996): Internet Categorization
and Search: A Self-Organizing Approach. In: Journal of Visual Communication and
Image Representation. 7(1). S. 88-101.
Hartung, Joachim (1984): Lehr- und Handbuch der angewandten Statistik. München,
Wien.
Kohonen, Teuvo (1998): Self-organization of Very Large Document Collections: State
of the art. In Niklasson, L.; Bodén, M.; Ziemke, T. (eds.):
Proceedings of ICANN ´98, 8th International Conference on Artificial
Neural Networks, Springer: London. vol. 1, S. 65-74.
Figge, Udo
Bedienungsanleitungen und der Erwerb kohärenten Wissens
Montage-, Bedienungs- und Wartungsanleitungen für Geräte, Apparate, Maschinen
usw. enthalten normalerweise sowohl textliche (sprachliche) als auch bildliche (grafische)
Komponenten. Die bildlichen Komponenten sind häufig ihrerseits mit (meist rudimentären)
textlichen Komponenten versehen. Anleitungen dieser Art werden standardmäßig
angesichts des Geräts genutzt, auf das sie sich beziehen. Insofern sind bei
ihrer Nutzung gleichzeitig gegenständliche, textliche und bildliche Wahrnehmungen
zu verarbeiten. Die Ergebnisse der Verarbeitung dieser unterschiedlichen Wahrnehmungen
haben jeweils einen unterschiedlichen kognitiven Status. In diesem Beitrag soll erörtert
und an Beispielen gezeigt werden, ob und wie in einer derartigen hybriden Rezeptionssituation
zusammenhängendes Wissen gewonnen und angewandt werden kann.
Als ein spezifisches Beispiel sollen Rechner-Benutzeroberflächen herangezogen
werden. Benutzeroberflächen sind primär Bedienungsvorrichtungen, doch sind
sie insofern auch Referenz-Gegenstände von Bedienungsanweisungen, als in sie
normalerweise Hilfekomponenten integriert sind.
Die theoretische Basis dieses Beitrags ist eine semiotische.
Fisch, Harald
Wissensmanagement im Innovationsprozess, ein Novum?
Wissen und Informationen waren und sind zentrale Gebiete jeder
Projektarbeit. Projektarbeit. Projektarbeit. Projektarbeit. Über den gesamten
Innovationsprozeß werden immer wieder Informationen und Wissensteile ausgewählt,
ausgewertet, aufbereitet, bereitgestellt aber auch neues Wissen erzeugt.

In unserer kreisförmigen Darstellung werden zwei Punkte besonders deutlich.
Zum einen der systemische Charakter. Alle Aktionen und Erkenntnisse haben auf alle
anderen Prozessphasen Auswirkungen. Diese Interdependezen können sich positiv
oder auch negativ auswirken. Ein Ansatzpunkt die positiven Effekte zu aktivieren
ist Lernen Lernen Lernen Lernen als Teil des KnowledgeManagaments. Zum anderen werden
Verbindung Verbindung Verbindung Verbindung und Motivation Motivation Motivation
Motivation von Innovations- und Wissensmanagement als kritische Erfolgsfaktoren sichtbar.
Werden Verbindungsstellen und Motivationsaspekte nicht beachtet, so ist die Gefahr
des ÑÜber die Mauer werfenì groß. Ein optimales Integrationsinstrument
müßte daher zwei zentrale Anforderungen erfüllen. Es muß sowohl
single single single single als auch double- loop Learning double- loop Learning
double- loop Learning double- loop Learning ermöglichen um die Vorwärts-
und Rückwärtsintegration zu gewährleisten. Zweitens sollten die Verbindungstellen
persönlich persönlich persönlich persönlich ausgestaltet sein.
Durch ein persönliches Debriefing (s. a. Toolbox) wird Wertschätung ausgedrückt
und dadurch ein Motivationseffekt erzielt.
Der KnowledgeCircle KnowledgeCircle KnowledgeCircle KnowledgeCircle ist unser Instrument
an den Verbindungsstellen der einzelnen Prozesschritte. Er muss dort fest in den
Prozess eingearbeitet sein. Dem persönlichen Debriefing der Innovationsmanager
durch den Wissensexperten liegt genau dieser KnowledgeCircle zugrunde. Identifiziertes
Wissen kann dann einerseits einerseits einerseits einerseits zeitnah in die Wissens
und Ideendatenbank eingetragen werden. Zudem Zudem Zudem Zudem hat der Wissensmanager
bereits einen ersten Eindruck von dem im weiteren Prozessablauf benötigten Wissen.
Bei Bedarf können und werden auch in in in in den Prozessphasen KnowledgeCircle
durchgeführt.
Galinski, Christian
Terminology and knowledge representation: There is no knowledge without terminology
Future knowledge processing and management in all environments - here in the meaning
of vertical dimensions, such as subject fields, as well as of horizontal dimensions,
such as language communities - needs a unified theory of knowledge organisation and
knowledge structuring based on science theory and harmonised methods. Terminology
science as developed over the years from the first findings of Eugen Wüster
via the standardising activities of ISO/TC 37 "Terminology and other language
resources" to recent research and development carried out at many research institutions
over the world, provides a theoretically sound basis for managing the 'terminologies'
(viz. concepts and concept systems represented by symbolic representations, such
as terms, graphical symbols, formulae etc., and descriptive representations such
as definitions, explanations, complex formulae etc.) as the 'microstructures of specialised
knowledge'.
The scientific 'objects' of terminology science are first of all 'concepts' corresponding
to (concept) classes of (real - i.e. material and immaterial) objects. They are conceived
according to the classificatory and categorising activity of the human intellect,
and are represented for communication purposes by means of linguistic and/or non-linguistic
concept representations (i.e. symbols). Concepts are the constituting elements of
any scientific theory. They are used to formulate propositions and sets of propositions
into theories and theory systems. Seen under this perspective concepts are units
of scientific-technical thinking (when they are conceived), units of knowledge (if
recognised by a certain community of experts) and units of communication (if communicated
by means of spoken or written communication). No specialised information and knowledge
can do without terminology in this broad meaning. As a consequence of this, knowledge
processing and knowledge management cannot function efficiently and effectively without
taking modern terminology science and its methodology in a variety of applications
as well as the tools developed for these applications into account.
Under the theory of ordering classification schemes and documentation thesauri (originally
developed as 'documentation languages' for information indexing and retrieval purposes)
are also based on concepts and concepts systems: namely theme concepts and their
systems representing the 'macrostructure of specialised knowledge'. On the one hand
such documentation - or indexing and retrieval (I&R) languages - languages are
needed to subdivide large quantities of data (on all kinds of real objects in the
above meaning) into manageable portions under 'pragmatic' considerations - including
the scientific objects called concepts. Documentation languages often look very much
like terminology data collections, but are different in terms of conceptual structure,
relation to SPL communication and first of all function in accessing knowledge.
No terminology database - containing terminological records, which can be considered
as and are often called 'documents' - can be efficiently maintained without a classification
scheme and/or a thesaurus (or a 'classaurus' as a combination of both). On the other
hand virtually information on all kinds of objects can be 'managed' by means of a
combination of a concept classification (viz. terminology) and one or more documentation
languages.
Gerstenkorn, Alfred
Wissensmanagement braucht Verstehensmanagement
So sehr Informations- und Kommunikationstechnik verbessert und verbreitet wird, so
schwer leidet die sogenannte Wissensgesellschaft unter einem wachsenden Mangel: Sie
versteht immer weniger. Dies gilt für Einzelne wie für Betriebe, am Arbeitsplatz
wie in der Aus- oder Fortbildung, für Experten und für interessierte, begrifflich
geschulte Laien. Immer mehr und differenzierteres Fachwissen, das immer schneller
veraltet, interdisziplinäre Fragen in Projekten und Programmen, "globale"
Zusammenhänge werden am Arbeitsplatz, aber auch im Studium nur teilweise oder
falsch verstanden. Der Schaden ist enorm. Wer Wissen im Wandel handhaben will, muß
notwendigerweise das täglich neue Problem des Verstehens in den Griff bekommen.
"Verstehen" wird hier zunächst technisch, pragmatisch gesehen, ohne
Hermeneutik oder Kognitionspsychologie.
Regeln für verständlicheres Schreiben gibt es schon, sie werden aber nur
von relativ wenigen Fachautoren umgesetzt, ein Meer von schwerverständlichen
Fachtexten hat sich bereits gebildet. Es gibt Faktoren, für die der Autor verantwortlich
ist, etwa logischer Textaufbau, klare Satzstruktur, verständliche Wortwahl u.
a. Andere Faktoren unterliegen objektiven Zwängen, z. B. muß ein Physiker
in einem wissenschaftlichen Aufsatz die Grundlagen der Physik bei den Lesern - seinen
Kollegen - voraussetzen, interessierten Laien fehlen sie jedoch teilweise, der Autor
kann mit demselben Aufsatz nicht beide Gruppen gleichermaßen erreichen. Wieder
andere Faktoren sind etwa Denkart oder Lerngewohnheiten von Rezipienten.
Was weitgehend fehlt, sind Werkzeuge für Leser und Leserinnen zur Unterstützung
des Verstehens unter den individuellen Bedingungen am Arbeits- oder Studienplatz:
ein Verstehensinstrumentarium. Sprachliche Hilfen soll etwa ein Nachweis von Synonymen,
rhetorischen Figuren und anderen Formen der Referenzidentität innerhalb von
Disziplinen und Fächern übergreifend liefern. Die Klärung von Homonymen
(z. B. "Valenz" in der Gemeinsprache, der Chemie, der Linguistik) kann
auf Bekanntes setzen und vor Mißverständnissen schützen. Inhaltliche
Hilfen sollen Begriffsnetze mit Definitionen und Verknüpfungen zu Texten unterschiedlicher
Fachlichkeit und Korngröße bieten. Je nach bevorzugter Lernmethode soll
der Nutzer textuelle, bildliche, akustische Darstellungen, Systematiken oder Beispiele
usw. heranziehen können. Außer eigenen Beiträgen erfordert dies -
weit über Listen von Internet-links zu bestimmten Begriffen hinaus - eine systematische
Vorauswahl, auch aus dem Internet, wobei dem Nutzer die eigene Suche im Internet
weiterhin offen bleibt, er kann sich dabei sogar der Begriffsnetze aus dem Instrumentarium
für die Formulierung von Suchanfragen bedienen. Bei den neu zu verfassenden
Texten können Empfehlungen für verständlicheres Schreiben effektiv
befolgt werden.
Dem Nutzer des Verstehensinstrumentariums soll der Sicherheitsgrad der Wissenseinheiten
angezeigt werden, etwa: gesichert, umstritten, neue These usw. Alle Inhalte des Instrumentariums
- die vorsortierten Teile etwa aus dem Internet und eigene Beiträge - sollen
überprüft sein. Zur Erstellung des Instrumentariums müssen Strukturwissenschaftler
(Linguisten, Informatiker, Fachleute für Klassifikation u. a.) mit Fachleuten
der nach und nach zu erschließenden und zu verbindenden Fächer bzw. Fachbereiche
kooperieren. Es gibt schon brauchbare Software dafür auf dem Markt, sie muß
den Erfordernissen angepaßt werden. Wissen allein genügt nicht, es muß
verstanden sein. Deshalb muß Wissen zu Verständnis führen. Wissensmanagement
braucht dafür Verstehensmanagement.
Haber, Peter und Jan Hodel
History Toolbox oder: Wie die Kulturwissenschaften mit dem Traum der Bibliotheca
Universalis umgehen
Der Traum der Menschheit von einer allumfassenden Bibliothek ist alt. Schon in der
Antike waren Menschen von der Idee fasziniert, alles Wissen dieser Welt an einem
Ort sammeln und ordnen zu können. Mit dem Internet erwacht dieser Traum wieder.
Doch zur Zeit herrscht eher Chaos als Ordnung, Qualitätssicherung scheint für
die meisten Apologeten der schönen neuen Informationswelt ein Fremdwort zu sein.
In den Kulturwissenschaften ist deshalb die Berührungsangst noch gross, das
Potential der Neuen Medien indes wäre gross: Neue Möglichkeiten im Bereich
der Recherche und des collaborative learning könnten in Forschung und
Lehre einen Umbruch auslösen.
Das Projekt "History Toolbox" (HTB) des Historischen Seminars der Universität
Basel versteht sich als Einstiegshilfe für den kulturwissenschaftlichen Umgang
mit dem Internet. In Verbindung mit entsprechenden Lehrveranstaltungen möchte
es die Medienkompetenz von Lehrenden und Studierenden erhöhen und die Schwellenangst
zum Cyberspace nehmen. Kern des Projektes ist eine mit Meta-Daten angereicherte Datenbank,
in der historisch relevante Online-Ressourcen nachgewiesen und inhaltlich erschlossen
werden. Dabei wird sich die HTB in einem ersten Schritt auf die im Seminar schwerpunktmässig
gepflegten Themenbereiche wie etwa Gender Studies oder Historische Anthropologie
konzentrieren, gleichzeitig aber auch einen Grundstock von allgemeinen kulturwissenschaftlichen
Ressourcen bereit halten. Zur HTB wird aber auch eine Online-Arbeitsumgebung gehören,
in der Forschende, Dozierende und Studierende sich individuell oder in Gruppen virtuelle
Wissensplattformen einrichten können. Nach einer einjährigen Pilotphase
startete das Projekt HTB im Oktober 2000 mit einer Laufzeit von zwei Jahren. Projektpartner
sind die Universitätsbibliothek Basel und das Universitätsrechenzentrum.
Die Projektunterlagen und die vorläufige Version der Datenbank sind unter http://www.hist.net/htb
abrufbar.
Hildebrandt, Michael und Herbert A. Meyer
Time Design: Beyond 'Faster is Better'
Both in Website development and Web-related research, much effort has recently gone
into optimizing the structural properties of information systems (e.g. comparing
hypertext structures, developing navigation aides). The dynamic, performance-related
aspects of human-computer interaction, however, have been widely neglected (arguably
for lack of theory and proper metrics in this emerging field). Where performance
aspects are considered (e.g. in Web usability, see Nielsen), the computer's system
response time (SRT) is usually regarded as annoying waiting- or idle-time for the
user. Thus, the technological doctrine 'The Faster, the Better' is applied almost
indiscriminately when designing human-computer systems, assuming an inherent cognitive
plausibility of this solution. While our own experimental research in this area supports
the view that excessive SRT has detrimental cognitive, emotional and motivational
effects, there are also reasons for designing the lower end of the SRT scale, in
particular between 0.2 and 2 seconds SRT. Here, the user has been found to adopt
the computer's speed and to respond faster himself. This unconscious 'pacing' phenomenon
seems to induce an agitated, superficial work style, as indicated by deteriorated
performance in a succeeding memory test. So far, this effect was investigated using
a large picture database, organised as a 'hyper catalogue'. We believe, however,
that the pacing effect applies to many of the fast and interactive Web systems currently
emerging, as well as to local applications (DVD, CD-ROM) - each with their own temporal
characteristics. Thus, the Time Design approach should be entered into the usability
development and evaluation process. To extend our previous findings, we are currently
collecting field data on the Web from a popular interactive learning application.
Jorna, René & Larissa Sjarbaini
Organizational forms, coordination and knowledge types
Organizations are collections of human - and artificial- actors regulated by
coordination mechanisms.
The actors are intelligent where intelligence is accounted for by knowledge and cognition.
Cognition is that aspect of (human) actors by which they are said to think, reason
and decide. The most important elements of cognition are an architecture, representations
and operations on these representations. Knowledge can be distinguished in terms
of content (domain) and form (types). Vital in knowledge as well as in cognition
are the representations. They may concern tasks, processes, the organizational structure,
other actors or the external environment. If we combine knowledge, actors, organizations
and representations, we could say that people participating in organizations have
shared representations of their interactive behavior. Our knowledge of organizational,
task and other actor reality is semiotic, that is, it is a representational construction.
In our Castor-Project (Castor stands for: ëknowledge Conversion And Semiotic Theories
Of Representationí), we follow both the semiotic and the cognitive route in our investigation
of organizations and the management of (organizational) knowledge. Our main objective
is to analyze coordination in organizations in terms of the dominancy and allocation
of knowledge types of the members in the organization. Knowledge exists as a set
of representations. The interacting actors share these representations. In the context
of organizations adaptive behavior involves both the continuous exploitation of given
knowledge and the exploration of new knowledge. The members of the organization use
various types of knowledge. We distinguish sensory (tacit), coded, and theoretical
knowledge. ëSensoryí refers to perceptual knowledge, ëcodedí to conventional, usually
but not only linguistic knowledge, ëtheoreticalí to rational and scientific knowledge.
We model the three forms of knowledge in a so called ëKnowledge Spaceí. Every member
as well as every organization - as the ësumí of its members - can be located somewhere
in the Knowledge Space. We think a close relationship consists between the types
of knowledge of the various members in the organization and the way the organization
is structured. Take for example organizational forms such as web, market, clan, bureaucracy
or hierarchy. Despite the many differences within these forms we think that for example
the dominant knowledge type in a bureaucracy is coded knowledge, whereas in a clan
the dominant type is sensory (tacit) knowledge. On the other hand determining the
preferred organizational form given a constellation and dominancy of assessed knowledge
types should be possible. The aim of our research is to strengthen the theoretical
underpinnings of work done in the field of knowledge management.
Klein, Harald
Web Content Mining, Probleme und Lösungen
Web content mining ist ein relativ vernachlässigter Forschungsbereich in
der Online-Forschung generell. Ein Grund dafür ist, dass entsprechende Methoden
zur Zeit nicht zur Verfügung stehen. Im Vortrag geht es um die grundsätzliche
Probleme von Internetseiten mit dem Schwerpunkt der Analyse des Textes. Dieser steht
zwar in digitaler Form bereit, muss aber für eine Analyse aufbereitet werden.
Die daraus resultierenden Arbeitsschritte, Analysetechniken und die dafür benötigte
Software stehen dabei im Mittelpunkt des Vortrags: TextGrab, das den Text kompletter
Internetsites herunterlädt, und TextQuest, das diese Texte mit dem Verfahren
der computerunterstützten Inhaltsanalyse auswertet.
KLEIN, H. (1998): INTEXT-Handbuch, Version 4.1. Jena: mimeo.
KLEIN, H. (1998): Text Analysis of data in the World Wide Web (WWW). Vortrag auf
der Tagung der International Sociological Association (ISA) in Montreal.
KLEIN, H. (2000): Inhaltsanalyse. In Atteslander, Peter (Eds.): Methoden der empirischen
Sozialforschung, 8. Aufl., Berlin, 201-235.
Kraemer, Klaus
Nachhaltigkeit durch Wissen? Wissensasymmetrien als Problem einer nachhaltigen
Entwicklung
In der Debatte zur "Wissensgesellschaft" wird hervorgehoben, dass die materielle
und symbolische Reproduktion einer Gesellschaft immer mehr von wissensbasierten Operationen
durchdrungen ist. Der Faktor Wissen erscheint als besonders wichtige Einflußgröße,
um nicht nur die ökonomische Modernisierung, sondern zugleich den sozialen Wandel
gegenwärtiger Gesellschaften analysieren zu können. Mit dem Aufstieg von
Wissen zu einer bedeutenden Handlungs- und Steuerungsressource werden unterschiedliche
Erwartungen verbunden. Zumeist ungeklärt bleibt jedoch die Frage, inwieweit
sich die Generierung, Aneignung und Diffusion von neuen Wissensformen auf die soziale
Konstitution von Umwelt im allgemeinen und die Nutzung von Umweltleistungen für
gesellschaftliche Zwecke im besonderen auswirkt. Ausgehend von diesem Desiderat soll
in diesem Beitrag die These diskutiert werden, dass die Generierung von neuem Wissen
und seine erfolgreiche Einbettung in gesellschaftliche Strukturen in besonderer Weise
darüber entscheidet, ob es gelingt, Praktiken zur Nutzung der Umwelt stärker
als bisher auf Nachhaltigkeitsnormen auszurichten, um gegenwärtige oder zukünftige
Belastungspotentiale der globalen Umwelt abbauen zu können. Während etwa
der Zusammenhang von Wissen und ökonomischer Prosperität unter Bedingungen
der Globalisierung wenigstens ansatzweise theoretisch beschrieben und empirisch aufgezeigt
werden kann, sind hingegen die Zusammenhänge von Umwelt und Wissen sowie die
sozialen und institutionellen Voraussetzungen von Wissensinnovationen zum Schutze
der Umwelt weitaus unklarer. Die Klärung dieses Zusammenhangs ist aber unverzichtbar,
um die Bedeutung von Wissen für nachhaltige Entwicklungsstrategien abschätzen
zu können.
Lasic-Lazic, Jadranka, Mihaela Banek und Aida Slavic
Gemeinsame Ausbildung der IT-Spezialisten auf der Universität Zagreb
Unsere Arbeit wird das Konzept der Ausbildung der Bibliotheks- und Informationswissenshafts-Studenten
im Curriculum der Abteilung der Informationswissenschaft auf der Universität
in Zagreb beschreiben. Das Curriculum dieser Abteilung ist wegen seiner Konzeption
im Bereich der Informationswissenschaft spezifisch, da sie vier verschiedene Profile
der IT-Spezialisten unter einem Vordiplomsprogramm verbindet. In unserer Arbeit werden
wir erläutern, wie diese verschiedenen Profile ihre Rolle sehen und wie sie
ihre Aufgabe in der Abteilung Curriculum verstehen. Das Konzept der Schulung der
Informationswissenschaft bietet gute Grundlagen für das Studium der Informationsgesellschaft
und erfüllt eine komplexe Rolle für die zukünftigen Professionen in
Bibliotheken, Arhiven, Museen und Schulen.
Lehner, Christoph
Informationsqualität am Beispiel von DVD und digitalem Kino
Unterhaltungsindustrie und Informationstechnologie rücken immer näher
zusammen. Der PC ist längst nicht nur ein Werkzeug zum Bearbeiten von großen
Datenbeständen in Verwaltung, Wirtschaft und Wissenschaft, sondern bildet -
spätestens seit der Einführung des WWW - auch in vielfacher Hinsicht die
Grundlage für Geräte der (Massen-)Unterhaltungsindustrie. Einige relevante
Einsatzgebiete von PCs in der Unterhaltungsindustrie sind beispielsweise:
- PC als Videorekorder/Kabel-/Satellitenempfänger
- PC als Gerät für 3-D Spiele (besonders seit der Einführung
95/96 der leistungsfähigen Graphik-Chips der Firmen NVidia/Kalifornien, ATI/Canada)
- PC als Quelle für Kino-Projektion (eine von drei Installationen
im Zoo-Palast/Berlin)
- PC als Quelle für Heimkino (auf der Grundlage des Mediums
DVD)
Am Beispiel von DVD-Video lässt sich eindrucksvoll zeigen,
wie das in der Computerwissenschaft und Computerindustrie entwickelte Wissen für
die Unterhaltungsindustrie zur Qualitätsverbesserung eingesetzt werden kann.
Einzelne Aspekte, die im Vortrag behandelt werden, sind:
- Mehrwert auf DVDs durch Hintergrundwissen/Zusatzinformationen
- Progressive-Scan
- Negative und Positive Bild-Interpolation
- Film-Pulldown für NTSC und PAL
Lohmann, Ingrid
Cognitive Mapping im Cyberpunk
Wie Jugendliche Wissen über die Welt erwerben Cyberpunk als Teil der Science
Fiction Literatur gibt es seit rund 20 Jahren. Als Klassiker des Genres gilt die
Neuromancer-Trilogie von William Gibson (1984-1988). Neuere CP-Romane sind z.B. Neal
Stephensons Snow Crash (1992) und Diamond Age (1995). CP ist zu einem einflussreichen
Segment der Popkultur geworden, z.B. in Filmen wie Blade Runner (1982), Johnny Mnemonic
(1995), The Matrix (1999) und Fight Club (1999). Ausserdem bestimmt CP die Vorstellungswelt
vieler PC-Spiele und Rollenspiele. In meinem Vortrag untersuche ich die Praxis der
Selbstbildung Jugendlicher, die Art und Weise, wie sie sich anhand von CP Wissen
über die Welt erwerben, in zwar in erster Linie am Beispiel des Abenteuerrollenspiels
Shadowrun.
Lupp Christian und Oliver Gerstheimer
Systemdesign - Wissen um den Menschen
Bedürfnisorientierte Produktentwicklung im Mobile Business
Die genauen Anwendungsfelder der dritten Mobilfunkgeneration - der Weg in die "wireless
information society" - sind bisher vorwiegend von Seiten der technischen Machbarkeit
umrissen worden.
UMTS ist der technische Standart, der die Möglichkeiten der mobilen Datenkommunikation
flexibilisiert und auf der Anwendungsseite mannigfaltige Möglichkeiten eröffnet.
Die Flexibilität, im Vergleich zu 2G (heutige Mobilfunknetze wie GSM), wird
durch höhere Übertragungsraten, das "quality of service" Konzept
und insbesondere durch die paketbasierte Datenübertragung ermöglicht. Das
Vorgehen des Technikentwicklungsprozesses von 3G und die Umsetzung in Applikationen
und Services ist stark von der Faszination des technisch Machbaren geprägt.
Der Kundennutzen und insbesondere der Nutzer mit seinen zukünftigen Bedürfnissen
spielt in der derzeitigen "technology-driven Situation" nur eine untergeordnete
Rolle. Aus Sicht der "technologie-push" Theorien wird dieser Prozess meistens
noch von dem Profitmotiv der temporären Monopolstellung (technischen Vorsprung)
auf dem Markt geleitet. Der Prozess der internationalen Standardisierung und die
damit verbundenen technischen Spezifikationen wirken diesem Phänomen entgegen.
Bessere Algorithmen werden unter den Wettbewerbern zwar noch einen gewisse technischen
Vorsprung ermöglichen, die gewinnbringenden Diversifikationsmöglichkeiten
im Kampf um den Kunden werden jedoch nur mit dem Wissen um die Bedürfnisse der
Nutzer erzielt.
The right thing, at the right time, at the right place heißt die Devise für
die zukünftige Planung. Der Kunde ist nicht an den technischen Möglichkeiten
von 3G interessiert, sondern an dem individuellen Nutzen, den er daraus ziehen kann.
Hier liegen auch die Hürden für den Erfolg innovativer 3G Anwendungen.
Eine dem zukünftigen Kunden bis dato nur wenig bekannte "Blackbox"
Technologie, wie UMTS, erschwert in ihrer Komplexität der Möglichkeiten
die Definition der Ansprüche und Bedürfnisse. Die Gestaltung von bedürfnisorientierten
Anwendungen und Services im Bereich 3G ist eine antizipatorische Planungsaufgabe
die zu der Gruppe der "bösartigen Probleme" gehört.
Meder, Norbert
Workshop: Wissen, Wissensdesign und Edutainment
Edutainment ist die Verballhornung von Education und Entertainment. Sie bezeichnet
ein altes pädagogisch-didaktisches Problem. Das Proponieren unserer gemeinsamen
Welt, die wir als Pädagogen gegen die Angriffe der Neuen (der Neugeborenen)
und gegen die Angriffe derer, die Umstände halber aus der Normalität herausgefallen
sind bzw. herauszufallen drohen, muss motivieren und muss eine gute, akzeptable,
durchaus auch Spaß machende Alternative gegen Ausgrenzung und Gegenstellung
zur gemeinsamen Welt sein. Unterhaltung ist dabei der pädagogisch niedrigste
Grad der Einbeziehung des Anderen, des Gefährdeten bzw. dessen, der schon der
Gefahr erlegen ist, aus unserer gemeinsamen Welt herauszufallen ñ gleichgültig
ob als Heranwachsender oder als ehemals Etablierter.
Herbart, unser Klassiker in der Pädagogik, hat den untersten Grad der handlungsrelevanten
Selbstbestimmung Interesse genannt. Edutainment legt nun diesen untersten Grad auf
das Niveau des Interesse-Weckens fest. Auch dies ist nicht ganz neu. Es hat im institutionellen
und inzidentionalen Lernen schon immer eine zentrale Rolle gespielt, weil es die
Aktivität der Lernenden initiiert.
Ist diese so wichtige Aktivität dann initiiert, dann kommt es auf das Wissensdesign
an, d. h. auf die ästhetische Darstellung unserer gemeinsamen Welt ñ wie dies
unser Klassiker Herbart ausgedrückt hat. Wissen ist nicht Information, ist nicht
Datenmüll oder ñ weniger negativ ausgedrückt: Dokumentation ñ sondern Interaktion
von Information und menschlicher Prozessorleistung. Die Vermittlung von Information
und menschlicher Prozessorleistung war schon immer das Geschäft der Didaktik.
Insofern handelt die Didaktik vom Problem des Designs von Wissen ñ auch und gerade
unter ästhetischen Gesichtspunkten. Das Compilerwissen, wie die Amerikaner die
Integration von deklarativem Informationswissen und prozeduralem Prozesswissen nennen,
lebt von der ästhetischen Darstellung der Welt, die uns wichtig ist, es lebt
vom Motivations- und Unterhaltungswert unserer Darstellung und Darbietung. Die Grammatik
und das heißt die Wissensorganisation einer solchen Ästhetik der Darstellung
lebt von den Fragen, die an die Welt dokumentierten Wissens (= Information) gestellt
werden. Von daher ist Wissen grundsätzlich problemorientiert und didaktisch
bezogen.
Niehaus, Michael
Durch ein Meer von Unwägbarkeiten navigieren
Überlegungen zur Seefahrts-Metaphorik im Internet
Das Internet wird in seiner Unübersichtlichkeit und seinen (gesellschaftlichen)
Unwägbarkeit sowohl in der IuK-Wissenschaft als auch in populären Darstellungen
mit der Metaphorik der Seefahrt beschrieben. Das Internet wird dabei als tiefes,
unbekanntes und unauslotbares Meer dargestellt (mare incocnita); die gezielte Suche
nach Informationen stellt sich als schwierig dar, da man entweder das Gesuchte nicht
findet oder aber in einem Überangebot an Informationen zu ertrinken droht. (Weitere
Beispiele für diese Seefahrts-Metaphorik sind Begriffe wie "Surfen"
oder "Netz". Der Informationsfachmann erscheint in dieser Szenerie als
"Lotse" und "Steuermann", der den Suchenden sicher und gefahrlos
zum gesuchten Ziel "navi-gieren" soll.)
Diese Seefahrts-Metaphorik hat sich nicht zufällig gebildet. Hans Blumenbergs
"Metaphorologie" folgend, sind Metaphern nicht als Vorstufen rationaler
analytischer Beschreibungen zu verstehen, sondern sind vielmehr "Leitfossilien
einer archaischen Schicht des Prozesses der theoretischen Neugierde". Bilder
beinhalten immer einen Überschuss, sie sind reichhaltiger als Begriffe und erzeugen
eine Fülle, der das rationale Denken nicht habhaft zu werden vermag. Symbole
und Metaphern schöpfen aus direkter lebensweltlicher Erfahrung, sie sind immer
schon "Daseins-bewältigungsstrategien". Es kommt nicht darauf an,
was sich hinter einzelnen Metaphern verbirgt, sondern was sie im Prozess menschlicher
Selbst- und Weltver-ständigung leisten.
Die Seefahrtsmetaphorik nimmt dabei seit Alters her eine besondere Rolle ein. Das
Verlassen des sicheren Hafen und der Aufbruch zu neuen Ufern mit dem Wagnis des Unbekannten,
das sich in Gefahr begeben, die Unrast beim bisher Erreichte zu verharren sind Ausdruck
der menschlichen Neugier, ja gleichsam Bildnis für den Menschen überhaupt.
Die Seefahrtsmetaphorik des Internets ist somit als Symbol des Wagnisses, der Chance
und Gefahr neuer Formen von Kommunikation und Öffentlichkeit zu deuten. Inwieweit
diese Reise Schiffbruch erleben wird oder uns zu den Ufern einer neuen Gesellschaft
führen wird, bleibt abzuwarten.
Ohly H.P.
Gestaltungsprinzipien bei sozialwissenschaftlichen Wissensportalen im Internet.
Basierend auf einer Evaluation auf der vergangenen IFLA-Konferenz 2000 werden Evaluationsprinzipien,
Beispiele und Bewertungen zu den europäischen sozialwissenschaftlichen Internet-Gateways
DutchESS, Finnish Virtual Library, SOSIG/BizEd und GESIS-SocioGuide vorgestellt und
diskutiert. DutchESS, Finnish Virtual Library, SOSIG/BizEd sind bibliothekarische
Ansätze, die inzwischen der RENARDUS-Initiative im Rahmen des europäischen
Information-Society-Technologies-Programm verpflichtet sind. DutchESS und SOSIG/BizEd
stehen in einem gegenseitigen Verbund, der mit der Linkverwaltungssoftware ROADS
aus dem europäischen DESIRE-Projekt ermöglicht wird. Die Finnish Virtual
Library bietet eine Crosssearch über 15 verschiedene skandinavische Datenbanken
an. Der GESIS-SocioGuide versteht sich im weiteren Sinne als Forschungsinfrastruktur
und zielt auf die Kooperation im deutschsprachigen und osteuropäischen Bereich
ab.
(Sofern die andere Gatewayvertreter noch gewonnen werden können, käme ein
Workshop hierzu zustande; Für den Beitrag wäre ein Internetzugang wünschenswert;
notfalls kann aber auch ein Download der betreffenden Seiten erfolgen)
Ohly H.P.
Erstellung und Interpretation von semantischen Karten
Es wird demonstriert, wie Recherche-Ergebnisse (sozialwissenschaftliche Themen: Migration,
Beratung) zu quantitativen Auszählungen und Zusammenhangsberechnungen von Schlagwörtern
und Autoren verwendet werden können. Die Interpretation der Schlagwörter
wie auch der Autoren in einer semantischen Karte erfordert Wissen über das jeweils
andere, was textuell durch einzelnen Retrievalzugriff und graphisch durch Begriffsanalyse
und Korrespondenzanalyse zugänglich wird. Es erfolgt damit auch eine Einführung
in den unterschiedlichen Stellenwert dieser Verfahren.
Ostholt Peter, Rainer Rilling
Von der Infothek zur CyberCooperative: Technikkulturelle und ästhetisch-visuelle
Aspekte der digitalen Wissensvermittlung in der politischen Bildung
Anhand von Fallbeispielen untersucht der Beitrag den inhaltlichen und technischen
Stand von politischen Bildungsangeboten auf dem Netz. Vom Einsatz der digitalen Technologien
im Politikmarketing wird ein Bogen geschlagen zu deren Einsatz in der politischen
Erwachsenenbildung. Hierbei sollen die Unterschiede zwischen klassischer (produktorientierter,
institutionalisierter) Wissensvermittlung und prozessorientierter Umgebungen für
die Vermittlung politischer Bildung und die Arbeit mit politischen Inhalten aufgezeigt
werden. Diese Ansätze spiegeln sich wieder in fundamental unterscheidenden kulturtechnischen
Aneignungen des Netzraums (Konsum vs. Initiative) und den Techniken und Ästhetiken,
mit denen in diesem Raum operiert wird.
Quandt, Markus
sowinet - ein Internetjournal für die Sozialwissenschaften. Ziele, Konzept
und experimentelle Umsetzung einer neuen Informationsplattform
Im Unterschied zu den Naturwissenschaften finden die Sozialwissenschaften eher wenig
öffentliches Interesse. Das hier vorgestellte Projekt verfolgt das Ziel, das
potentiell wissenschaftsinteressierte Internetpublikum auch für gesellschaftswissenschaftliche
Themen zu gewinnen. Die Auswahl der Inhalte erfolgt nach einem Kriterien-Mix aus
thematischer Breite, Aktualität und Übersetzbarkeit in eine verständliche
Sprache. Bei der Darstellung sollen verschiedene Vorteile des Mediums Internet kombiniert
und integriert werden, um unterschiedliche Gruppen von Nutzern zu erreichen. Um dies
zu erreichen, müssen erstens durch eine ästhetisch und technisch zeitgemäße
Präsentation die Mediengewohnheiten von Internetnutzern berücksichtigt
werden. Zweitens muss ein inhaltliches Paket von aktuellen Informationen, Hintergrundmaterial
und Dienstleistungen geschnürt werden, das auch potentielle Multiplikatoren
wie Journalisten und Lehrer an das Angebot von sowinet binden kann.
Dieser Beitrag stellt als Werkstattbericht aus dem laufenden Projekt einige Aspekte
näher vor. Ein Schwerpunkt wird darauf liegen, anhand einiger Beispiele die
Abwägungen bei der Zusammenstellung des Angebotes darzulegen und der Kritik
auszusetzen.
Rahmstorf, Gerhard
Begriffsdarstellung in der Concepto-Technik
Begriffsdarstellung in der Concepto-Technik Begriffsdarstellung führt von den
Wörtern und sonstigen Benennungen über die Wortbedeutungen zu einem sprachunabhängigen
Raum begrifflicher Entitäten. Dieser methodische Weg spielt eine entscheidende
Rolle bei der Weiterentwicklung der Wissensorganisation. Mit der Begriffsdarstellung
können die vielfältigen Deutungsmöglichkeiten für die Wörter
computertechnisch beherrscht werden. Darüberhinaus ermöglicht die Einführung
von Begriffen eine adäquate Unterstützung der ãbersetzungsprobleme, insbesondere
in dem vielsprachigen Europa. Begriffe und ihre Beziehungen sind außerdem die
Grundlage für die Bestimmung der informationstechnischen Relevanz von Themen
beim Suchen. Sie ermöglichen schließlich Deduktionen und andere maschinelle
Prozesse. Der Beitrag befasst sich einleitend mit der Begründung der Begriffe
und geht dann zur Praxis der Begriffsdarstellung auf der Grundlage der einfachen
formalen Sprache CLF des Programms Concepto über. Zunächst müssen
die Ziele abgesteckt werden. Schöne Einzelbeispiele und begriffliche Miniaturwelten
sind als methodische Demonstration geeignet, können aber nur ein Anfangsstadium
auf dem Weg zur Praxis sein. Das Themenspektrum, das durch Medien angeboten und von
Benutzern erfragt wird, sollte nicht wie bei Thesauren durch kontrollierten Wortschatz
begrenzt werden. Man muss sich daher von vorne herein die Frage stellen, ob die begriffliche
Darstellung für große Wortbestände mehrerer Sprachen machbar ist.
Diese Frage soll anhand der bisherigen Ergebnisse, die mit Concepto erstellt wurden,
und anhand von prinzipiellen ãberlegungen zur Methode, Technik und Anwendung diskutiert
werden. Erfassungsprogramme für Wortschatz und Strukturen sollten einerseits
offen für Weiterentwicklungen in einem neuen Arbeitsfeld sein, andererseits
die mit Begriffen verbundene Komplexität in Grenzen halten. Daher bietet der
in Concepto eingebaute Formalismus CLF viele Möglichkeiten und beschränkt
den Anwender lediglich auf zweistellige Relationen und den Verzicht auf zirkuläre
Definitionen. Ansonsten wird ein unendlicher Raum nutzbar, in dem alle Begriffe unabhängig
von ihren Benennungen ihren definierten Ort haben. In diesem Punkt unterscheidet
sich die neue Technik wesentlich von den bisherigen Ordnungssystemen. In Thesauren
sind Begriffe durch ihre Benennungen identifiziert. Benennungsfreie Begriffe sind
nicht darstellbar. Um zu konsistenten und praktisch handhabbaren Begriffssystemen
zu kommen, wird man die Strukturen für Begriffssysteme im Rahmen der genannten
Grenzen weiter beschränken. Dazu gehört z. B. die Verwendung auf ein bestimmtes
Inventar von Relationen. Weitere anwendungsseitige Festlegungen, die die koperative
Entwicklung von Wortschatz und begrifflichen Strukturen ermöglichen und den
Datenaustausch fördern sollen, werden diskutiert. Dazu gehört auch die
Frage, wie man mit das Mittel der Begriffsdefinition anwendungsgerecht einsetzt.
Dieser Beitrag soll auch den Zusammenhang mit den bisherigen Ordnungssystemen (Thesauren
und Klassifikationen) und mit Neuansätzen auf einer anderen Basis, z. B. Topic
Maps, herstellen. Daher wird angestrebt, in dem Referat und einer anschließenden
Diskussion, ãbereinstimmungen, aber auch datentechnische Inkompatibilitäten
aufzuzeigen. Daraus könnten Vorschläge für die Weiterentwicklung der
verschiedenen Softwaretechniken erarbeitet werden.
Rautenstrauch Christina
Tele-Tutoring - Zur Didaktik des kommunikativen Handelns im virtuellen Lernraum
Die Bildung der Zukunft wird zu einem maßgeblichen Teil durch Tele-Lernen
in virtuellen und multimedialen Lernwelten stattfinden. Mit dem Einsatz neuer Informations-
und Kommunikationstechnologien - allen voran das Internet - werden neue Formen des
Lehrens und Lernens möglich. Gleichzeitig sind damit auch neue pädagogisch-didaktische
Gestaltungs- und Unterstützungsmaßnahmen nötig, um die Lernsituation
im Netz effektiv zu begleiten. Dem Tele-Tutoring kommt in dieser virtuellen Lernumgebung
eine zentrale Aufgabe zu: Die Unterstützung des Lernprozesses durch Kommunikation.
Der Vortrag zeigt die wesentlichen Aspekte einer Didaktik des kommunikativen Handelns
im virtuellen Seminarraum.
Ritzi, Christian und Stefanie Kollmann
Virtuelles Bildarchiv zur Bildungsgeschichte
Seit Januar 2000 wird ein "Virtuelles Bildarchiv zur Bildungsgeschichte"
als Kooperationsprojekt der Bibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung
(BBF), Berlin und Prof. Rudolf W. Keck/Institut für Angewandte Erziehungswissenschaft
und Allgemeine Didaktik der Universität Hildesheim aufgebaut. Das Projekt wird
im Rahmen des Programms "Retrospektive Digitalisierung von Bibliotheksbeständen"
von der DFG finanziert.
In der Aufbauphase werden rund 14 000 Abbildungen aufgenommen, einerseits aus Handschriften
und Büchern des Zeitraums Mittelalter - 1850, andererseits aus einer Postkartensammlung
der Jahre 1870 bis 1918. Die Originale verbleiben an den ursprünglichen Sammlungsorten,
werden nur virtuell zusammengeführt.
Dazu wurden die Abbildungen zunächst verfilmt und daran anschließend digitalisiert.
In einer Datenbank erfolgt die formale und inhaltliche Bildbeschreibung der Einzelbilder.
Seit Dezember 2000 ist die Datenbank testweise über das Internet zugänglich.
Neben umfangreichen Recherchemöglichkeiten im Bildarchiv besteht eine Möglichkeit,
die Suchfrage gleichzeitig an die bibliographische Datenbank der BBF weiterzugeben,
so daß mit einer Anfrage sowohl Bildmaterial als auch Literatur gesucht werden
kann.
Die Abbildungen sind als Thumbnail und in einer Auflösung von 75 dpi frei und
kostenlos zugänglich. Für professionelle Weiterverwender gibt es eine Warenkorbfunktionalität,
durch die man kostenpflichtige Abbildungen in 300 dpi-Auflösung bestellen kann.
Der Vortrag gliedert sich in
Projektvorstellung
Bestandsgrundlage - Bildauswahl
Bestandserschließung
Technische Abwicklung - Bildbearbeitung - Erläuterung der Datenbankstruktur
Präsentation der Suchmöglichkeiten im "virtuellen Bildarchiv zur Bildungsgeschichte"
Ausblick - geplante Fortsetzungsprojekte
Sarnowski, Daniela
Informationsdienstleistung und Wissensorganisation für die Filmwissenschaft
Hochschulbibliothek/Mediathek/Pressedokumentation als multimediale Bibliothek
im Neubau der Hochschule für Film und Fernsehen
Vorstellung der Filmhochschule und deren Hochschulbibliothek
Das Abteilungsprofil und die praktische Wissensstrukturierung
In der Neukonzeption des Hochschulinformationssystems wurde nicht nur die Bibliothek
ausgebaut, sondern auch das Zeitungsausschnittarchiv, die heutige Pressedokumentation.
Der Nonprintbereich wurde als Mediathek konzipiert, die aus einer Videothek, einem
Audiobereich und dem HFF-Filmarchiv besteht. Die Hochschulbibliothek/Mediathek sieht
sich damit als Informations-Provider, der unabhängig von der Medienform als
Wissenslotse fungiert.
Zielgruppenbestimmung
Wer ist "der" Kunde? Für wen wird wie und welche Information gesammelt
und erschlossen.
Multimediale Informationsquellen,
Auswahl/Bewertung/Katalogisierung/Vermittlung/Bewahrung
EDV-Verfahren der Wissenspräsentation
Hier soll der Einsatz der verschiedenen IT-Systeme beschrieben werden, die die zu
bearbeitenden Medien (Buch, Aufsatz, Video, DVD, CD, CD-ROMs, Filmrollen, Internetlinks
Informationserschließung der Bildmedien, insbesondere DVD
-Bildwiedergabe, Tonspeicherung, Regionencodes, Zukunft-digitaler Film
Vorstellung eines Digitalen Filmarchiv durch ein Digital Content Management Systems/Media-Archive
durch die Fa. TECMATH
Im Filmarchiv der HFF wird seit ca. Mitte des Jahres 1999 das Content Management
System media archive® der Firma tecmath AG für die Archivierung und Dokumentation
der studentischen Abschlussarbeiten eingesetzt. In Ergänzung zur bisherigen
textuellen Dokumentation in einer Datenbank erlaubt media archive® die Archivierung
multimedialer Inhalte, in unserem Falle Kurzfilme. Als Lösung für das Content
Management unterstützt das System dabei den gesamten Arbeitsfluss beginnend
von der Akquisition (Digitalisierung) über die Dokumentation und Archivierung
bis hin zur Recherche und Bereitstellung von Inhalten über Grobschnitt und Export.
In dezentralen Archiven können unterschiedliche Formate wie Video-, Ton-, Text-
oder Bildmaterial beginnend von kleinen Kapazitäten, die vollständig in
direktem Zugriff sind, bis hin zu großen Archiven mit mehreren Terabyte und
hierarchischem Speichermanagement organisiert werden. Zugriffe sind über das
interne Computernetzwerk oder auch über Internet möglich, jeweils mit der
angepassten Übertragung nach verfügbarer Bandbreite von Keyframes über
RealVideo- oder MPEG-1-Streaming bis hin zum Download.
Für die HFF bringt der Einsatz des Content Management Systems im Filmarchiv
den Vorteil einer integrierten Gesamtlösung, welches nach dem Prinzip des Baukastensystems
eine schnelle, gleichzeitige Recherche- und Zugriffsmöglichkeit für eine
große Zahl von Nutzern bietet. Automatisierbare Tätigkeiten wie das Umkopieren
von Formaten und die Bereitstellung von an den jeweiligen Bedarf angepasste Datenkompressionen
tragen zur Kostenersparnis bei, die Möglichkeit der Präsentation und Vermarktung
von Inhalten über Online-Dienste erlaubt zusätzliche Ertragspotentiale.
Seltz, Rüdiger und Jörn Sieglerschmidt,
Das Museum als Interface
Museen, insbesondere technikhistorisch ausgerichtete, sehen sich einem zunehmenden
öffentlichen Druck ausgesetzt, was Themen und Präsentationsformen angeht.
Museen stehen in Konkurrenz zu allen Formen des Freizeitkonsums, auch und gerade
den medial vermittelten. Zudem ist im Ausstellungswesen ein globalisierter Markt
entstanden, an dem die Museen längst nicht mehr als Monopolanbieter auftreten,
sondern mit reinen Ausstellungsinstitutionen konkurrieren müssen. Auf diesem
Markt geht es um Großausstellungen, die nur noch mit entsprechender finanzieller
Ausstattung organisert und vermarktet werden können, dafür aber auch wenigstens
einige hunderttausend Besucher/innen anziehen. Beispiele dafür sind jüngst
die Sieben-Hügel-Ausstellung im Gropius-Bau in Berlin oder die vielen kunsthistorischen
Ausstellungen zu Malern wie z. B. Rembrandt, Cezanne, Picasso.
Technik- und wissenschaftshistorische Museen sind seit einiger Zeit aufgefordert,
sich an der Idee und Aufmachung der Science&Technology-Center zu orientieren,
um erstens mit Aktionsaufforderungen (hands-on) und zweitens im Sinne einer Popularisierung
von Wissenschaft und Technik mehr Publikum zu gewinnen. Die hier aufzuwerfende Frage
ist, worauf diese Art von Populariserung zielt, welche Geschichte sie hat und in
welcher Art Museen dafür ein geeignetes Forum sind, d. h. was gerade Museen
dafür bieten können.
Die u. a. vom Wissenschaftsrat unterstützte Initiative für Public Understanding
of Science and the Humanities (PUSH) setzt sich das Ziel, die Akzeptanz von Wissenschaft
und Technik u. a. durch Ausstellungen zu erhöhen. Die bereits seit einiger Zeit
geforderte Demokratisierung von Wissenschaft und Technik wird dabei zugunsten reiner
Akzeptanzförderung zur Stärkung des Wirtschaftsstandortes Deutschland außer
Acht gelassen. Die Geschichte der Popularisierung von Wissenschaft und Technik zeigt
aber, daß der Aufklärungs- und damit der Emanzipationscharakter solcher
Bemühungen im Vordergrund stehen muß.
Vor diesem Hintergrund ist zu fragen, auf welche Weise, mit welchen Mitteln und welchen
inhaltlichen Zielen gerade das Museum ein geeigneter Ort, ein Interface für
den Dialog von Technik bzw. Wissenschaft und interessierter Öffentlichkeit sein
kann
Sigel, Alexander
Die Verbindung bewährter Begriffsstrukturen mit aktueller XML-Technologie
(Abstract, ausführlichere Fassung auf: http://index.bonn.iz-soz.de/~sigel/veroeff/ISKO-2001/sigel.pdf)
Wissensstrukturen lassen sich (oft) vorteilhaft organisieren als Begriffs- bzw. Themennetze,
die auf expliziten Begriffssystemen beruhen. Zentrale wissensorganisatorische Fragestellungen
(z.B. Semantische Interoperabilität, Semantisches Retrieval) werden in einigen
sehr aktiven Gebieten (z.B. Semantic Web, Ontology Engineering), diskutiert, jedoch
kommt der Austausch mit der Wissensorganisation erst allmählich in Gang. Seitens
der Wissensorganisation besteht die Notwendigkeit, sich mit aktuellen Entwicklungen
vertraut zu machen, aber auch die eigene Kompetenz stärker in andere Gebiete
aktiv einzubringen.
Zum besseren Verständnis führt dieser Beitrag zunächst aus Sicht der
Wissensorganisation in Ontologien und Topic Maps ein und arbeitet wichtige ãberschneidungsbereiche
heraus: Topic Maps (ISO/IEC 13250, [XTM 1.0 Standard]), eine Basistechnologie für
das "Semantische Web", erlauben, spezielle semantische Netzwerke adäquat
zu modellieren. Diese bestehen i.w. aus Begriffen oder Themen (Topics), zwei- oder
mehrstelligen Beziehungen zwischen Topics (associations) sowie Belegstellen (occurrences).
Topic Maps werden in einer bestimmten serialisierten XML-Auszeichnung (semantisches
Markup) dargestellt und lassen sich austauschen und zusammenführen. In Ontologien
können wir ein gemeinsames Verständis (Konzeptualisierung) davon explizit
ausdrücken, welches relevante Begriffe (in einer Domäne und allgemein)
sind, sowie deren Typen (Kategorien). Mit Topic Maps können intellektuelle Wissensstrukturen
(z.B. Zugangsstrukturen wie klassifizierte Buchindizes, Thesauri) vorteilhaft dargestellt
und such- und navigierbar gemacht werden. Ein Anwendungsbereich ist insbesondere
die mehrdimensionale Wissensorganisation von Web-Ressourcen. Damit mehrere Topic
Maps sich aufeinander beziehen können (Interoperabilität), ist es notwendig,
sich auf gemeinsame Vokabulare für die Metadaten zu einigen. Dazu dienen Registries
sogenannter PSIs (Published Subject Identifiers), nichts anderes als moderne Online-Dienste
zu Klassifikationen und Thesauri. Entsprechend sind Grundlagen und Erfahrungen der
Wissensorganisation für Topic Maps hochrelevant, andererseits auch nicht direkt
übertragbar.
Der Beitrag diskutiert im Hauptteil am Beispiel von XTM, wie begriffliche Strukturen
an Topic Maps angebunden werden können. Grundsätzlich sind Topic Maps offen
für beliebige semantische Modelle. Wie [Rath 2001] gezeigt hat, ist Wissensrepräsentation
mit Topic Map Templates möglich. Ziel der begrifflichen Fundierung von Topic
Maps sind semantisches Retrieval (TMQL - Topic Map Query Language) und Erleichterungen
bei der automatischen Verarbeitung (bis hin zu Informationsagenten). Konkret sollte
geprüft werden, wie Begriffssprachen (wie z.B. Rahmstorfs CLF, OIL, oder DAML)
in Topic Maps eingekapselt werden können.
Im Ausblick geht es um die Perspektiven begriffsbasierter Topic Maps für die
Wissensorganisation. Es ist u.a. zu fragen, wie die Technologie multiple und adaptive
Indexierungssichten (Sigel) sowie die Beschreibung und Kombination von Wissensbausteinen
(Jaenecke) unterstützt.
[Park 2001] Park, Jack (Hrsg.) (2001): XTM (Arbeitstitel). Addison-Wesley (Erscheinen
für Herbst 2001 geplant) Siehe auch: http://www.thinkalong.com/Thinkalong/xtmdraft/
[Sigel 2001] Sigel, Alexander (2001): Topic Maps in Knowledge Organization, Buchkapitel
in: [Park 2001]
[Rath 2001] H. Holger Rath (2001): Topic Map Fundamentals for Knowledge Representation,
Buchkapitel in: [Park 2001]
[XTM 1.0 Standard] XTM 1.0 Draft Standard, 1.2.2001 http://www.doctypes.org/xtm/1.0/
http://www.topicmaps.org/
Smolnik, Stefan und Ludwig Nastansky
K-Discovery: Identifikation von verteilten Wissensstrukturen in einer prozessorientierten
Groupware-Umgebung
Groupware-Umgebungen bilden in vielen Unternehmen die Grundlage des Kommunikations-
und Informationsmanagements. Die steigende Integration in die betrieblichen Prozesse
führt zu immer umfangreicher werdenden Informationsspeichern. Diese, in Groupware-basierten
Office Systemen häufig verteilten Datenbanken, ermöglichen laut Wagner
Ñ... eine Transformation des individuellen Wissens der Mitarbeiter zu einem
gemeinsamen Wissen aller Mitarbeiter.ì [Wagner 1995, S. 3] Groupware scheint
daher aus einer instrumentellen Perspektive des Knowledge Managements als eine geeignete
Plattform zur Erfassung und Verteilung der organisatorischen Wissensbasis. [Schliwka
1998]. Die Explosion der Menge an verfügbarem Wissen erfordert leistungsfähige
Konzepte und Mechanismen, die den Benutzer bei der Suche nach relevanten Informations-
und Wissensobjekten unterstützen. Navigations- und Verknüpfungsmechanismen
sowie umfassende Such- und Recherchefunktionen werden benötigt, um das vielschichtige
Informations- und Wissensangebot durchsuchen und anwenden zu können. Sie stellen
eine notwendige Voraussetzung für die Kernprozesse der Wissensidentifikation
sowie der Wissensnutzung dar [Probst et al. 1999]. Effektive Suchmechanismen, die
eine verbesserte organisationale Nutzung bestehender individueller und kollektiver
Informations- und Wissensobjekte erlauben, tragen dadurch nach Güldenberg auch
dem Prozess der Wissensgenerierung, der Entwicklung oder Beschaffung neuen Wissens,
bei [Güldenberg 1998, S.248]. Topic Maps, wie in ISO/IEC 13250 definiert, kreieren
bei Anwendung auf Informationsmengen Wissensstrukturen und bilden ein strukturiertes
semantisches Verknüpfungsnetzwerk über große Mengen an Informationen.
[Rath/Pepper 1999] Topic Maps stellen somit eine ideale Basis dar, um die genannten
Mechanismen und Funktionen zur Identifikation gesuchter Informations- und Wissensobjekte
zu realisieren. Die Basisidee des hier vorgestellten Projekts K-Discovery ist daher,
Topic Maps zur Identifikation von verteilten Wissensstrukturen in einer prozessorientierten
Groupware-Umgebung zu verwenden. Zu den derzeit vorherrschenden Navigations- und
Suchtechniken wie beispielsweise hierarchisches Navigieren über Kategieren in
Ansichten oder Voll-Text-Suche kann den Benutzern so mit dem assoziativen Navigieren
in semantischen Netzwerken ein weiteres starkes Instrument zur Verfügung gestellt
werden. Eine Groupware-basierte Implementation von Topic Maps kann dabei in Hinsicht
zahlreicher Aspekte an der Groupware-Technologie partizipieren. In diesem Beitrag
wird anhand von konkreten Szenarien in Groupware-Umgebungen die Problematik des Zugangs
zu Wissensstrukturen im Allgemeinen und zu organisationalen Wissensstrukturen im
Konkreten aufgezeigt. Darauf aufbauend wird ein Architekturentwurf vorgestellt, in
dem Wissensstrukturen durch den Aufbau von Topic Maps in einer prozessorientierten
Groupware-Umgebung 1 kreiert werden.
Literatur:
Fischer, Joachim; Herold, Werner; Dangelmaier, Wilhelm; Nastansky, Ludwig; Suhl,
Leena: Bausteine der Wirtschaftsinformatik, Grundlagen, Anwendungen, PC-Praxis, Erich
Schmidt Verlag, 2, Berlin, Bielefeld, München, 2000.
Güldenberg, S.: Wissensmanagement und Wissenscontrolling in lernenden Organisationen:
ein systemtheoretischer Ansatz, DUV: Wirtschaftswissenschaft, Edition Österreichisches
Controller Institut, Zugl.: Wien, Wirtschaftsuniv., Diss., 1996 2. durchges. Auflage,
DUV, Deutscher Universitäts-Verlag GmbH, Wiesbaden, 1998.
Probst, G.; Raub, S.; Romhardt, K.: Wissen managen: Wie Unternehmen ihre wertvollste
Ressource optimal nutzen; 3. Aufl., Gabler, Wiesbaden 1999.
Rath, Dr. Hans Holger; Pepper, Steve: Topic Maps: Introduction and Allegro, STEP
Electronic Publishing Solutions GmbH, 1999.
Schliwka, A.: Teamorientiertes, medienübergreifendes Know-how-Management in
verteilten Umgebungen; Shaker, Aachen 1998.
Wagner, M.: Groupware und neues Management: Einsatz geeigneter Softwaresysteme für
flexiblere Organisationen; Vieweg, Braunschweig et al. 1995.
Stephan, Peter
Neue Dimensionen der Wissensgenerierung: Ereignis, Service, Design
Die Fundierung und zunehmende Konturierung des Feldes Wissensorganisation geschieht
heute im Kontext leistungsfähiger medialer Vernetzung. Damit rücken neue
Dimensionen der Generierung, Darstellung und Verteilung von Wissen ins Zentrum: Ereignis,
Service und Design.
Ereignishaftigkeit ist durch den Zeitbezug (Instantanit_t) bestimmt. Ereignen und
Aneignen zielen auf einen Erlebniswert, der emotionale Beteiligung voraussetzt. Immersion
entsteht durch Anteilnahme (wie bei Online-Spielen) und basiert auf einem balancierten
Verhältnis von Innovation (Überraschung) und Konvention (lernbare Routinen).
Service wird durch Austausch (Interaktion) gekennzeichnet, wobei Wissensgefälle
in Form formatierter Angebote gehandelt werden, sei es im Tauschhandel unter Gleichen
(Peer-to-peer) oder als Ware auf digitalen Marktplätzen. Das Potenzial liegt
in skalierbaren Lösungen, die "on demand" erstellt werden und durch
vorangehendes Profiling an Aufgabe, Nutzer und Situation optimal angepasst sind.
Design wird der zunehmenden Fraktalisierung der Wissensbestände gerecht, die
nicht mehr in Oberfläche und Tiefe differenzierbar sind, sondern als unendlich
gefaltete Topologie darstellbar werden. Strukturierungen hängen hier weniger
von den Konstruktionen der "Info-Designer" ab, als von der Dynamik autopoietischer
Systeme und deren Emergenzen.
In Ökonomien, die Wissen als Ressource entwickeln wollen, wird Aufmerksamkeit
zu einem raren Gut, das Arbeit, Spiel und Lernen ungeteilt zukommt. Entwerfen wird
hier zum generellen Typus des "unsicheren Herstellens", im Gegensatz zur
Konstruktion. Hier formieren sich neue Kompetenzfelder (Wissensdesigner), die innovative
Geschäftsfelder begründen.
Diese Thesen werden im Vortrag unterschiedlich kontextualisiert (Semiotik, Kognitionswissenschaft,
Wissenschaftstheorie, Entwurfs- und Kommunikationstheorie) und mit Beispielen aus
der Alltagswelt, sowie eigenen und kollegialen Arbeiten illustriert.
Swertz, Christian
Kognitive Stile und Navigation in Online-Lernumgebungen
Online-Lernumgebungen bieten die Möglichkeit der Individualisierung von
Lernverläufen. Dieser Beitrag untersucht die Frage, inwiefern die Ergebnisse
der psychologischen Untersuchungen zu kognitiven Stilen für die Konzeption von
Hypertext - Navgationsstrukturen in Online-Lernumgebungen genutzt werden können.
Dabei wird davon ausgegangen, daß Nutzer im Laufe ihrer Lernbiografie kognitive
Stile habitualisieren. Wenn diese Stile zu bestimmten Wahrnehmungsgewohnheiten führen,
sollte eine Online-Lernumgebung so konzipiert sein, daß sie verschiedenen kognitiven
Stilen gerecht werden kann. Dazu werden verschiedene kognitive Muster identifiziert
und in einem ersten Entwurf mit Navigationsstrukturen assoziiert.
Teubener, Kati
Chronos und Kairos
Inhaltsorganisation und Zeitkultur in den neuen Medien
"Ein jegliches hat seine Zeit", alles, was der Mensch tun kann, hat seinen
Kairos, seinen "günstigen Augenblick". Mit Etablierung der neuen Computertechnologien
beginnt sich ein nichtlineares Zeitverständnis durchzusetzen, das jenseits des
überholten Gegensatzes von Arbeitszeit und Freizeit neue Freiräume zum
kreativen Erleben und Produzieren erschließt. Möglicherweise kann sogar
von einer Renaissance des Kairos gesprochen werden, nicht zuletzt bezüglich
einer neuen 'Surf- und Recherchekultur'. Der Beitrag beschäftigt sich mit den
in der digitalen Kultur möglichen zeitlichen Dimensionen und Rhythmen der Narration,
wie sie beispielsweise bereits in der der Literatur-, Film- und Fernsehproduktion
von Alexander Kluge (und seiner Produktionsfirma 'Kairos') vorgeprägt sind.
Weber, Karsten
Aufgaben für eine globale Wissensgesellschaft
Bevor über die Wissensgesellschaft und ihre Gestaltung nachgedacht werden
kann, wäre es notwendig, zunächst über die definierenden Eigenschaften
nachzudenken, die eine Gesellschaft zu einer Wissensgesellschaft machen. Es gilt
zu fragen, ob eine Wissensgesellschaft durch Proklamation oder aber durch reale Transformationsprozesse
innerhalb einer Gesellschaft entsteht. Gilt letzteres, dann wäre zu klären,
welche Indikatoren als wesentliche Merkmale der Transformation einer Gesellschaft
hin zu einer Wissensgesellschaft angesehen werden sollen.
In aller Regel wird für als maßgeblicher Indikator dieser Transformation
die Verbreitung des Internets in den westlichen Industrieländern angesehen,
außerdem die sicherlich zunehmende Verlagerung von ökonomischen Transaktionen,
wissenschaftlichen Inhalten oder von Unterhaltung aus deren bisherigen Kontexten
hin in das Internet. Doch trotzdem muss gefragt werden, ob hier nicht Erwartungen
statt Fakten als Indikatoren angesehen werden.
Betrachtet man nämlich die verschiedenen WWW-Seiten, die einen Einblick in die
geografische Verteilung von Web-Servern und der Netz-Aktivitäten geben, so verschwindet
der Eindruck einer weltweiten Verbreitung des Internets und des WWW sehr rasch. Zur
Zeit benutzen etwa 400 Millionen Menschen das Internet, also gerade einmal ca. 7%
der Weltbevölkerung. Tatsächlich ist eine Weltkarte, die einen der beiden
Indikatoren Nutzerzahlen oder Dichte von Web-Servern aufzeigt, im Wesentlichen
von weißen Flecken geprägt. Ganze Kontinente und riesige Regionen sind
kaum oder nicht präsent im Internet: Afrika, Südamerika, große Teile
Asiens, eine Vielzahl der arabischen Länder, der überwiegende Teil jener
Länder, die vormals zum Territorium der UdSSR gehörten. Geografisch gesehen
und bezogen auf die Weltbevölkerung ist das Internet noch sehr weit davon entfernt,
ein globales Medium zu sein. Damit kann in den genannten Ländern und Regionen
aber kaum von Wissensgesellschaften gesprochen werden, da die Voraussetzungen dafür
weitgehend oder gar völlig fehlen.
Das beschriebene Gefälle im Zugang zu Informationen und zur Informationstechnik
ist allerdings nicht beschränkt auf die entwickelten und industrialisierten
Länder auf der einen Seite und den genannten Ländern bzw. Regionen mit
einem erheblichen Nachholbedarf. Untersucht man die Nutzungshäufigkeiten bspw.
im Hinblick auf Europa ó es ist das geografische Europa gemeint ó etwas genauer,
wird man gewaltige Unterschiede konstatieren müssen. Die derzeitige Nutzung
des Internets schwankt hier von 0,07% der Bevölkerung in Albanien bis zu 52,11%
in Island. Außer den skandinavischen Ländern erreicht kaum ein Land die
40%- oder gar die 50%-Marke der Internetnutzung durch die Bevölkerung. In vielen
Ländern Europas liegt die Nutzungsrate unter 10%, in den meisten erreicht sie
etwa 20-30%. Das heißt aber, dass die tatsächliche Verbreitung des Kommunikationsmittels
Internet bei weitem noch nicht die euphorische Rhetorik rechtfertigen kann, wie sie
heute allenthalben üblich ist. Zudem gilt, dass selbst hohe Nutzungszahlen dahingehend
relativiert werden müssen, dass hierbei keine Unterscheidung der Nutzungsart
vorgenommen wird. Doch ist es ein großer Unterschied, ob das Internet am Arbeitsplatz,
in der Schule, an der Universität oder privat genutzt wird, da die Zugangsart
nicht unerheblich Einfluss auf die Nutzungsmöglichkeiten haben kann.
Diese Bestandsaufnahme zeigt bei aller Vorläufigkeit doch deutlich, dass zur
Schaffung einer Wissensgesellschaft ó ob lokal oder global ó zunächst die entsprechenden
Grundlagen geschaffen werden müssen, ohne die eine Teilhabe großer Teile
der Menschen an der Wissensgesellschaft nicht möglich wäre und sich diese
deshalb auch nicht konstituieren könnte.
Witsch Monika
Ästhetische Zeichenanalyse am Beispiel fundamentalistischer
Agitation im Internet
Der semiotische Universalcharakter des Internet, d.h. die Verflechtung von Bild,
Sprache und Schrift verändert sowohl den Gebrauch als auch das Verstehen von
Zeichen. Das Internet ist mehr als eine Summation verschiedener Medien. Mit der Veränderung
der Zeichensorten entstehen gleichzeitig auch neue Möglichkeiten, Welt zu konstruieren
und wahrzunehmen. Die multimediale Zeichenführung des Internet fordert in diesem
Sinne zur neuen Anordnung der Zeichen auf (Design), gleichzeitig werden aber auch
andere Methoden und Werkzeuge nötig, diese Arrangements zu erklären, d.h.
ihr Wesen und ihre Absicht zu verstehen (Zeichenanalyse). Mit einer ästhetischen
Zeichenanalyse wird entlang den theoretischen Konzeptionen von PEIRCE´ Zeichenbegriff
und dem Ästhetikbegriff, wie ihn Lyotard vorlegt, eine Methode zur multimedialen
Inhaltsanalyse am Beispiel fundamentalistischer Agitation vorgestellt.
Zerweck, Philip
Mehrdimensionale Ordnungssysteme im virtuellen Raum anhand eines Desktops
Die Arbeit behandelt Ordnungssysteme für Dateien mit einem Schwerpunkt auf
stereoskope Visualisierungssysteme, die dem Benutzer im Frontend des Computers (Microsoft:
Desktop bzw. Macintosh: Finder) helfen. Sie ist eine Suche nach Möglichkeiten
räumlicher, grafischer Benutzerschnittstellen, um persönliche Computerumgebungen
einzurichten, umzusetzen und zu bespielen. Prinzipielle Probleme dreidimensionale
visuelle Ereignisse zu kreieren und deren Darstellungsgeräte werden ebenso behandelt,
wie die Integration von künstlicher Intelligenz und neuer Eingabetechnologien
wie Gestensteuerung. Ergebnisse waren z.B. digitale Einrichtungsgegenstände
für einen Deskspace oder ein helfender, charakterstarker Agent. Ein weiteres
entwickeltes Werkzeug ist der Semantic Browser. Mit seiner Hilfe ist es möglich
aus einer Menge von Dateien interaktiv ein multivariates, visuelles Ereignis zu gestalten.
Er basiert auf prinzipielle Ideen zu semantischen Dimensionen von Alan Wexelblat.