Norbert Meder
Workshop: Wissen, Wissensdesign und Edutainment
Edutainment ist die Verballhornung von Education und Entertainment. Sie bezeichnet ein altes pädagogisch-didaktisches Problem. Das Proponieren unserer gemeinsamen Welt, die wir als Pädagogen gegen die Angriffe der Neuen (der Neugeborenen) und gegen die Angriffe derer, die Umstände halber aus der Normalität herausgefallen sind bzw. herauszufallen drohen, muss motivieren und muss eine gute, akzeptable, durchaus auch Spaß machende Alternative gegen Ausgrenzung und Gegenstellung zur gemeinsamen Welt sein. Unterhaltung ist dabei der pädagogisch niedrigste Grad der Einbeziehung des Anderen, des Gefährdeten bzw. dessen, der schon der Gefahr erlegen ist, aus unserer gemeinsamen Welt herauszufallen ó gleichgültig ob als Heranwachsender oder als ehemals Etablierter.
Herbart, unser Klassiker in der Pädagogik, hat den untersten Grad der handlungsrelevanten Selbstbestimmung Interesse genannt. Edutainment legt nun diesen untersten Grad auf das Niveau des Interesse-Weckens fest. Auch dies ist nicht ganz neu. Es hat im institutionellen und inzidentionalen Lernen schon immer eine zentrale Rolle gespielt, weil es die Aktivität der Lernenden initiiert.
Ist diese so wichtige Aktivität dann initiiert, dann kommt es auf das Wissensdesign an, d. h. auf die ästhetische Darstellung unserer gemeinsamen Welt ó wie dies unser Klassiker Herbart ausgedrückt hat. Wissen ist nicht Information, ist nicht Datenmüll oder ó weniger negativ ausgedrückt: Dokumentation ó sondern Interaktion von Information und menschlicher Prozessorleistung. Die Vermittlung von Information und menschlicher Prozessorleistung war schon immer das Geschäft der Didaktik. Insofern handelt die Didaktik vom Problem des Designs von Wissen ó auch und gerade unter ästhetischen Gesichtspunkten. Das Compilerwissen, wie die Amerikaner die Integration von deklarativem Informationswissen und prozeduralem Prozesswissen nennen, lebt von der ästhetischen Darstellung der Welt, die uns wichtig ist, es lebt vom Motivations- und Unterhaltungswert unserer Darstellung und Darbietung. Die Grammatik und das heißt die Wissensorganisation einer solchen Ästhetik der Darstellung lebt von den Fragen, die an die Welt dokumentierten Wissens (= Information) gestellt werden. Von daher ist Wissen grundsätzlich problemorientiert und didaktisch bezogen.