Dr. Stefan ASMUS (asmus@asmus.de)

Designing future knowledge systems:
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ur Genese ereignisorientierter hypermedialer Wissenssysteme

Erfolgreiches Wirtschaften heißt zunehmend: erfolgreich kommunizieren. Während Teilfunktionen der Unternehmen mit Gewinn outgesourced werden können, stellt der Umgang mit formalisierbarem Wissen das ureigenste Kapital der Firmen dar. Dieses "corporate brain" gilt es, optimal zu entwickeln und zu pflegen.

Durch die Optimierung von Materialflüssen (Logistik) und die Einrichtung von Datenflüssen (EDV) konnten große Produktivitätsfortschritte erreicht werden: In dieser Entwicklungslinie wird heute eine Optimierung der Wissensflüsse (knowledge flow) gefordert. Dies ist die Schwelle zur zukünftigen Produktivität in der Wissensgesellschaft.

Die Optimierung der Wissensflüsse hängt im wesentlichen von vier Faktoren ab, die bisher nur ungenügend berücksichtigt wurden:

1. Mind-Ergonomie

-Bestmögliche Anpassung der Wissenssysteme an die kognitiven Voraussetzungen von Individuen.

-Nutzung vorhandener Fähigkeiten, die in erkenntnisbildende Prozesse eingehen, wie z.B. visuelles Gedächtnis, Kontextbezogenheit und assoziative Verknüpfung.

2. Erschließung des "tacit knowledge" (implizites Wissen)

-Bisher vernachlässigte, aber umso wirksamere "soft factors" wie Emotionen, Affekte und soziale Intelligenz können mit multimedialen verteilten Systemen aufgeschlossen und produktiv gemacht werden

-rudimentäre, verteilte und vorläufige Informationen werden kontextuiert und erlangen Bedeutung

-alle Datenformate (Text, Bild, Sound, 3D, Video) werden unterstützt und finden Anschluss

3. Optimierung des Kommunikationsprozesses durch Einführung neuer medienadäquater Formate

-alle relevanten Informationen werden in den Kommunikationsprozess eigespeist

-deutliche Verlagerung von ergebnisorientierter Kommunikation (Verstehen) auf prozessorientierte Kommunikation (Kommunizieren und Problematisieren)

-Unterstützung von Selbstorganisationsprozessen

-Unterstützung von Meinungsbildungs- und Entscheidungsfindungsprozessen

-Unterstützung komplexer Gruppenprozesse

4. Adäquanz: Angemessenheit an Adressat, Nutzer Aufgabe, Situation, etc.

-Variabilität und Flexibilität der eingesetzten Werkzeuge

-individuelle Konfigurierbarkeit

-schnelle, intuitive und effektive Handhabbarkeit technischer Mittel.


 

Heute kommt es darauf an, Wissenssysteme anzubieten, die das Potential der Technik optimal an die kognitiven Voraussetzungen der Nutzer anpassen. Derzeit verfügbare Anwendungen in den Bereichen Wissenmanagement, Content Management oder Knowledge Commerce berücksichtigen die Fähigkeiten und Bedürfnisstrukturen der Nutzer nur unzureichend.

Daher befindet sich der Markt nach einer anfänglichen Euphorie über die prinzipiell realisierbare Verbindung von allen mit allem zur Zeit in der post-euphorischen Phase des Internets. Probleme wie "Information overload" zeigen, daß nach der ersten Umstellungsphase auf digitale Techniken nur noch geringe Effizienzgewinne realisiert wurden. Die kompetente Nutzung von Informationen in pragmatischen Handlungskontexten, also das tatsächlich realisierte Wissen, nimmt im Verhältnis zur Datenmenge ab.

Lösungen für Wissensgemeinschaften müssen deshalb in einem systemischem Zugang das technische Potential mit gestalterischer Differenzierung und kognitiver Anpassung verbinden. Nur ein solchermaßen verstandener integrativer Ansatz kann sich erfolgreich und dauerhaft auf den neu entstehenden Märkten für Wissenstechniken positionieren.

Dr. Stefan ASMUS
Vetr. Prof. Uni Kassel
Hofaue 63, 42103 Wuppertal

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