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| Hang – melodisches Perkussionsinstrument aus dem 21. Jahrhundert |
| Die ersten Steeldrums |
| Geburtsstunde des „Urhang“ |
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Eine Entwicklungsgeschichte
Wie Chatburn beschreibt, wurden dort Rhythmen zunächst auf so genannten „tamboo-bamboo“, Bambusstäben verschiedener Länge, gespielt (1990: 119). Tamboo-bamboo Gruppen traten aber bald in organisierter Form auf dem Karneval auf. Gewalttätige Auseinandersetzungen unter den Musikgruppen sollen der Grund dafür gewesen sein, dass die britische Kolonialregierung Trommeln in der Zeit von 1900 - 1934 verbot (Goddard 1991). So kam es, dass die Musikgruppen ihre Rhythmen anstatt auf den tamboo-bamboo auf Pfannen, Keksdosen und Ölfässern zum Klingen brachten. Mit der ersten „zufälligen“ Delle („dent“) in einem der Ölfässer war die Idee der steelpan geboren. Dadurch, dass durch das Schlagen auf diese Einbuchtung ein anderer Ton erzeugt wurde, entstand die Idee, durch Hämmern systematisch „dents“ in das Metal zu schlagen, um so in einem Fass gleich mehrere verschiedene Töne erzeugen zu können. Winston ’Spree’ Simon soll der erste gewesen sein, der Stimmungen gezielt „in ein Fass geschlagen hat“ (Chatburn 1190: 120).
Die ersten Steeldrums
Die ersten Steeldrums in den 1940er Jahren hatten eine konvexe Form, ganz so wie das schweizer Hang. Allerdings fehlen Erklärungen für dieses Phänomen, da es eher umständlich erscheint, ein Ölfass von innen nach außen zu schlagen. Der Klang der Pan entwickelte auf Trinidad eine Eigendynamik und die steelpan selbst wurde zum „Nationalinstrument“. Dies nicht zu unrecht, schließlich ist die steeldrum der Karibikinsel eine markante kulturelle Erfindung des 20 Jh., das „einzige moderne (nicht-elektronische) Musikinstrument, das im 20. Jahrhundert erfunden wurde“ (Mccalman: 6). Felix Rohner betont in dem Dokumentarfilm „Hang une revolution discrete“: „Die Steeldrum ist nicht einfach nur ein Musikinstrument, sie ist auch ein Symbol für die Kreativität eines gesamten Volkes.“
1951 kam Russell Henderson aus Trinidad mit einer Steeldrum nach London und beschreibt in einem Interview mit Stephens die Reaktion der Menschen „They looked at the drums and turned them upside down to see where the music was coming from.” (2006:15). Henderson gründete gemeinsam mit Stearling Betancourt die erste Steelband in Großbritannien. Betancourt war mit dem „Trinidad All Steel Percussion Orchestra“ (TASPO) 1951 nach London gekommen, um am „Festival of Britain“ teilzunehmen. TASPO brachte die Steeldrums dort erstmals auf eine internationale Bühne und einige Jahre später lud die Stadt Bern das TASPO zu einem Auftritt ein. Auch in der Schweiz war es Sterling Betancourt, der die erste Steelband gründete. In den 70er Jahren wurde die Pan dort zunächst durch verschiedene Auftritte im kleinen Rahmen bekannt. In einem Interview vom 17.11.2006 spricht Rohner vom „Panvirus“, der in der Schweiz der 80er Jahre ausbrach und auch ihn selbst ergriff: „Die Menschen auf den Straßen fingen an zu tanzen und waren verrückt nach den Klängen der Steeldrum.“ In allen Teilen der Schweiz wurden Steelbands gegründet und fanden sogar Einzug in die „traditionsreiche Innerschweizer Fastnachtsszene“ (Rohner 1993).
Bereits 1976 stieß der Schweizer Hangbauer Felix Rohner auf die karibische Steeldrum. Aufgrund der Tatsache, dass die Pans aus weichem Blech gefertigt werden, verstimmten die Instrumente nach einiger Zeit. Rohner fing an seine Pan selbst zu stimmen und baute im gleichen Jahr seine erste Steelpan. Er beschäftigte sich eingehend mit dem Material und gründete schließlich 1993 gemeinsam mit Sabina Schärer die Panart Steelpan Manufaktur AG. In den folgenden Jahren bauten sie recht erfolgreich Steelpans für den internationalen Markt. Panart beschäftigte sich auch mit anderen Instrumenten. So studierten sie die physikalischen Grundlagen von Kuhglocken, indischen Tablas, indonesischen Gamelan und entwickelten ihre Form der Steeldrum weiter. Sie verfolgten das Ziel ein Material zu entwickeln, dass über mehr Flexibilität verfügt, sodass die Stimmung einer Pan von längerer Dauer sein wird. Das verwandte Blech wurde alsbald mit Ammoniak gehärtet. Der Stickstoff wird hierbei in das atomare Eisengitter eingelagert und macht das Material widerstandsfähiger. Das neue Material führte zu einem neuen Klang. So entstanden Varianten namens „Ping“, „Peng“ und „Pong“.
Geburtsstunde des „Urhang“
Im Jahr 2000 betrat Reto Weber, ein befreundeter Musiker, mit einem indischen Gatam die Panart Werkstatt. Gatams werden aus Ton gefertigt und mit den Fingern gespielt. Der markante Klang der Gatam entsteht durch Luftstauchung an der oberen runden Öffnung. Verschließt man diese mit der flachen Hand ertönt ein dumpfes Geräusch. Im Kontrast dazu steht die helle Klangfarbe, die durch das Schlagen der Seiten erzeugt wird.
Reto Weber fragte die Panbauer, ob es denn möglich sei ein Instrument zu entwickeln, das die melodische Vielfalt einer Steeldrum mit der Handlichkeit eines Gatam verbindet. Spontan setzten Felix Rohner und Sabina Schärer zwei Halbschalen einer Steeldrum aufeinander. Das war die Geburtsstunde des „Urhang“, das allerdings mit einem Radius von 60 cm überdimensional groß erschien. In der folgenden Zeit wurden verschiedene Größen getestet. Das heutige Hang ist wesentlich kleiner als das „Urhang“ und verfügt über zwei Hemisphären. Auf einer finden wir den Kuppelton „Ding“, der als konvexe Erhebung in Form tritt und um den herum sieben bis acht konkave Tonfelder angeordnet sind. Je größer die Einwölbung, desto tiefer erklingt der Ton beim Schlagen des Tonfeldes. Die Ding-Hemisphäre kann demnach in verschiedenen Tonkombinationen gestimmt werden. Panart wählt in ihren tonalen Skalen gerne traditionelle Tonleitern, wie beispielsweise die japanische pentatonische Akebono. Chromatische Tonleitern können beim Hang nur in Kombination mit mehreren Exemplaren formiert werden. Dazu bedarf es entweder mehrerer Spieler oder dem Gebrauch von Schlägeln. Die Gu-Hemisphäre verfügt über ein Loch, was eindeutig an das Gatam erinnert. Hier kann auf die bereits oben beschriebene Weise, durch Luftstauchung, ein dumpfer Klang erzeugt werden. Der Name des Instrumentes stammt aus dem Berner Dialekt und bedeutet Hand. Er wurde gewählt, weil das Instrument mit den Händen und nicht wie etwa die Steeldrum mit Schlägeln gespielt wird. Eine Besonderheit des Hang ist die Fülle an Obertönen, die beim Spielen erzeugt werden können. Jedem Tonfeld können zwei Obertöne zugeordnet werden: ein Oberton, der eine Oktave über dem gespielten Ton liegt und eine sogenannte Duodezime, die eine Quinte über der Okatve erklingt. Auch Steeldrums verfügen über ein Spektrum an Obertönen, allerdings ist die Persistenz jener Töne beim Hang durch die Akkumulation der Vibration innerhalb des Klangkörpers größer. Das Instrument wird bereits von Musik- und Klangtherapeuten genutzt, die den Obertönen beruhigende Kräfte zuschreiben.
Panart empfindet das Hang nicht als abgeschlossenes Produkt, sondern ist vielmehr bemüht das Material, die Herstellung und damit den Klang zu verbessern. Felix Rohner und Sabine Schärer widmen sich in dem „Hanghaus“ am Stadtrand von Bern, wie Rohner es beschreibt, dem „Horchen“. Wie sie in dem Interview vom 17.11.2006 äußerten, bedarf es in dieser Zeit absoluter Stille, um die „Kathedrale“ der Klänge eingehend studieren zu können. Panart verzichtet ganz bewusst auf Marketing und Verkaufstrategien. Frühere Zwischenhändler gibt es nicht mehr, sodass Interessenten persönlich zum Hanghaus nach Bern reisen müssen, um ein Hang zu erwerben. Da Rohner und Schärer weltweit die einzigen sind, die Hanghang (Plural) herstellen, können sie der stetig wachsenden Nachfrage nicht gerecht werden. Die Geschichte des Hang ist eine transkulturelle Geschichte, da in diesem Instrument das akustische Wissen verschiedener Kulturen vereint wurde. Es wurden physikalische Prinzipien karibischer, indischer, indonesischer und europäischer Klänge zur Entwicklung des Hang herangezogen. Das Hang ist in den Händen schweizer Jodler, indischer Tablasspieler, tibetischer Mönche, afrikanischer Sufi-Jazz Musiker und wird so zu einem Symbol transkultureller Kreativität.
- Stephens, A. (2006): Calypso king who started a carnival. In: www.icHarrow.co.uk. June 22, 2006. (15).
- Chatburn, T. (1990): Trinidad All Stars: The Steel Pan Movement in Britain. In: Black Music in Britain: Essays on Afro-Asian Contribution to Popular Music. Paul Oliver (Hg.). Buckingham: University Press. (118-135).
- Maccalman, L.: Steelbands in Switzerland. Meeting the Needs of the 21st Century. School of Education and Community Studies. London.
- http://nostalgia.pan-jumbie.com/Paper%20on%20Swiss%20steelbands.pdf
- Goddard, G. (1991): Fourty Years in Steelband 1939- 1979. Karia Press.
- Rohner, F. (1993): Die schweizer Pankultur- Geschichte 1976-1988. In: Panyard 1/93 http://pan-jumbie.com/panyard/1/geschichte.html
- Rohner, F.; S. Schärer (2000): The Pang Instruments. Research Papers- Steeldrum. Bern.
- www.tobago.org/trinidad/pan/archive/r&d/panart/ir_archivecopy_the_pang_instruments.htm
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