Kehrwiederturm
Am Kehrwieder 2
D-31134 Hildesheim
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Yuri Ancarani
Il Capo, 2010
35 mm, Farbe, 5.1 Dolby Digital Sound, 15 Min.
Filmstandbild
Courtesy Yuri Ancarani; Galleria Zero, Milan und Galerie Isabella Bortolozzi, Berlin

Liebe Deine Maschine


25. April bis 7. Juni 2015
Eröffnung Freitag, 24. April, 19 Uhr
Die Ausstellung findet im ehemaligen Textilkaufhaus Weinsziehr statt (Wallstr. 12a, 31134 Hildesheim).


Eine Ausstellung mit Kunstwerken von Yuri Ancarani, Balthazar Auxietre, Kate Cooper und Susanne M. Winterling, einem Floppy-Disk-Chor von Yannick Richter/Gigawipf, Videos von anonymen Internet-Nutzern, einer Auswahl von Science-Fiction-Literatur und wissenschaftlichen sowie journalistischen Texten zu Cyborgs, Robotik, und Human-Computer-Interaction.

Der Begründer der Informationstechnologie Norbert Wiener beschrieb 1950 in seinem Buch The Human Use of Humans (dt. als Mensch und Menschmaschine) die Funktionsweisen von Menschen und Maschinen als „vollkommen parallel“. Im Jahr 2013 benutzt die Philosophin Rosi Braidotti den Begriff der „Durchdringung“, um das Verhältnis von Mensch und Maschine zu beschreiben. Der Mensch ist keine Maschine und die Maschine kein Mensch, doch sind sie auf verschiedenen Ebenen miteinander verwoben und vernetzt. Angefangen beim Versenden von Emails über die Herzschlag-Kontrolle im Fitness-Studio, die Pflege von Roboter-Staubsaugern bis hin zu implantierten Herzschrittmachern: Der Mensch steht in Verbindung mit Apparaten, die seinen Körper erweitern, ihn überwachen, optimieren und entlasten. Auch die Arbeitswelt ist geprägt von Apparaten: Einer Untersuchung zufolge sind 40 % der Arbeitsplätze in den USA ersetzbar durch Roboter. Ob Maschinen denken und fühlen könnten, inwiefern sie über eine eigene Evolutionsgeschichte verfügen und auf welche vielfältigen Arten Menschen Maschinen betrachten, imaginieren und verwenden, ist derzeit ein viel diskutiertes Thema in den Medien, den Künsten und der Wissenschaft. Die digitale Revolution, der rasante Anstieg von Daten über Mensch, Flora und Fauna sowie die Fortschritte in Robotik und Prothetik erregen sowohl Faszination als auch Widerstand oder sogar Furcht.

Im Privaten aber geben wir unseren Computern Namen und können uns nur schwer von alten Geräten trennen. Wir kümmern uns um digitale Wesen wie Tamagotchis und finden Roboter irgendwie süß. Wir wollen den perfekten Körper, dessen dysfunktionale Einzelteile ersetzt und ausgebessert werden können. Wir schaffen die Sterblichkeit ab. Wir lieben die Maschinen wie unseren Nächsten und schaudern bei dem Gedanken, dass wir am Ende lediglich uns selbst in der Versenkung in Plastik und Metall begegnen. Auf der träumerischen Suche nach einem Gegenüber oder im Gegenteil nach einer nicht mehr vorhandenen technologiefreien Natur zeigt sich jedoch noch eine andere, unterentwickelte Möglichkeit: die Maschine in ihren spezifischen Potenzialen und Eigenheiten zu begreifen, zu verwenden und zu vermitteln.

Die Ausstellung Liebe Deine Maschine erzählt von Verführung, Faszination und symbiotischen Verstrickungen. Yuri Ancaranis Film-Trilogie La malattia del ferro ("Die Eisenkrankheit", 2010–2012) etwa zeigt Facetten von Mensch-Maschine-Interaktionen in der Arbeitswelt. Kate Cooper kreiert hyperreale digitale Körper, die menschliche Gesten einzuüben scheinen. Dazu singt Yannick Richters Chor der Floppy Disks von "Tainted Love".

Kuratiert von Kathrin Meyer in Zusammenarbeit mit Nora Brünger, Nada Schroer, Cara Schröder und Francisco Vogel



Wir danken den Förderern der Ausstellung:
Die Ausstellung wird gefördert durch das Land Niedersachsen, die Stiftung Niedersachsen und die Stadt Hildesheim. Das Vermittlungsprogramm des Kunstvereins Hildesheim wird gefördert durch das Land Niedersachsen und die VGH-Stiftung.



PROGRAMM ZUR AUSSTELLUNG

FÜHRUNG
So, 17.05., 15 Uhr (mit Kathrin Meyer)
sowie nach Vereinbarung (kostenfrei für Schulen und Universitäten)



PERFORMANCES UND VORTRÄGE

ROMAN KUPISCH: ...ANSONSTEN KANN ES NICHTS! SCHEITERN ALS CHANCE DER TECHNIK VON MORGEN
Mi, 29.04., 19 Uhr
Technik ohne Würde ist Barbarei, so sagt man in Terminator Kreisen. Und da Noblesse erst mal zu gar nichts verpflichtet, ist derjenige am würdevollsten, der nichts tut. Für Maschinen ist diese Attitüde natürlich ein veritables Problem, denn Freunde macht man sich auf die Art nicht. Doch gibt es eine Maschine die nun schon seit 60 Jahren erfolgreich überhaupt nichts tut. Bewunderer nennen sie liebevoll „ultimate machine“.

MENNERDY: MARIA UND CARMEN - MOTHERS OF MACHINES
So, 17.05., 19 Uhr
Wir haben einen Konsens gefunden. Die Maschine ist erweckt worden. Ihre Mütter sind uns inzwischen auch bekannt. Hier fangen wir an und werden in einer Zeit nördlich davon enden. Mennerdy verwursten in einem Medley alles, was sie bisher gemacht haben. ‘cause we‘re like diamonds in the sky.

WÖLFE & KABEL: 0|1|me
Mi, 20.05., 19 Uhr
Der Vortag, fünfzehn Uhr sieben, eintausendsiebenundvierzig Gramm Spinat, vierhundertachtundfünfzig Kalorien. Wölfe&Kabel entledigen sich ihrer Daten. Ein Rennrad, ein Laufband, eine Datenseele. Eine Übung in Datenhygiene und Durchsichtigkeit: Das ist mein Leib, der für euch hingegeben wird.
Hi, yes to everything.
www.diedatenzentrale.de.
www.facebook.de/woelfeundkabel
.

DR. VOLKER WORTMANN: MENSCH – MASCHINE: VIER MINIATUREN (HISTORISCH, MEDIENTHEORETISCH, IKONOGRAPHISCH, PERSPEKTIVISCH)
Di, 02.06., 19 Uhr
Der Medienwissenschaftler Dr. Volker Wortmann (Universität Hildesheim) skizziert in der Auseinandersetzung mit den Ausstellungsobjekten Grundkonstellationen von Mensch-Maschine-Verhältnissen.



AUSSTELLUNGSORT
Der Kunstverein Hildesheim zu Gast im ehemaligen Textilkaufhaus Weinsziehr
Wallstraße 12
31134 Hildesheim
Vom Hauptbahnhof aus dauert es zu Fuß ca. 10 Minuten.
Sie erreichen uns mit öffentlichen Verkehrsmitteln:
Stadtbus 2, 3, 6, 106 Haltestelle Almstor
Stadtbus 1, 101 Haltestelle Ostertor
Ein barrierefreier Zugang ist nach Absprache möglich.
Bitte beachten Sie auch unsere parallel stattfindende Ausstellung „Undersound“ von Moritz Fehr im Kunstverein Hildesheim: Kehrwiederturm, Am Kehrwieder 2, 31134 Hildesheim.

ÖFFNUNGSZEITEN
Mi 16–20 Uhr
Sa 14–18 Uhr
So 12–18 Uhr
und nach Vereinbarung

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