Kehrwiederturm
Am Kehrwieder 2
D-31134 Hildesheim
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Dirk Bell „SCHÖN UND GUT“, 2013, Installationsansicht (Detail)
Courtesy BQ, Berlin, Foto: Roman März

Dirk Bell


Wiederkehrt
26. April - 01. Juni 2014
Eröffnung Donnerstag, 24. April, 19 Uhr
Um 20 Uhr gibt der Hildesheimer Bänkelsänger Helmut Beelte seine Kehrwieder-Moritat zur Drehorgel zum Besten.

Zur Eröffnung laden wir Sie herzlich ein.

Der 1465 erbaute Kehrwiederturm, seit 1980 Sitz des Kunstvereins, verdankt seinen Namen dem Standort an einer Kehre. Eine Legende erzählt hingegen die Geschichte einer Frau, die außerhalb der Stadtmauern ihren heimlichen Geliebten traf, welcher durch einen Blitzschlag starb. Geschockt und orientierungslos fand sie nur dank der Turmglocke ihren Weg zurück. Wegen dieser bis heute existierenden Glocke wurde der Turm in den 1820er Jahren nicht zusammen mit der restlichen mittelalterlichen Stadtbefestigung abgerissen: Sie nützte den Anwohnern und ihr Protest erwirkte, dass er erhalten blieb. Nur leicht beschädigt überstand er 1945 die Bombardierung Hildesheims. Seinem Namen gemäß kündet das Gebäude heute von zahlreichen Brüchen und Neuanfängen.
Geschichte und Besonderheit des Turmes werden von Dirk Bell in assoziative Ketten verwoben und sind Material für die größtenteils erstmalig gezeigten Arbeiten, in denen der Neuanfang, das Wiederkehren, Wiederverwenden, der Aufstieg, Abstieg und das wartende Verharren durchgespielt werden. Bell arbeitet häufig mit Gefundenem, etwa indem er Bilder von anderen teilweise übermalt oder Weggeworfenes wie alte Türen und Bretter als Malgrund verwendet. Anstatt neue Dinge in die Welt zu setzen, wird das Alte zu einem Neuanfang gebracht. Der in seinen Arbeiten aufscheinenden Vergänglichkeit und Flüchtigkeit werden immer wieder Eingriffe, Weiterdenken und Weitersuchen entgegen gesetzt. So entstehen Szenarien zwischen Endzeitstimmung und nicht endender Hoffnung.

Der Ausstellungsbesuch im Turm erfolgt aufsteigend von Raum zu Raum, gefolgt von dem anschließenden Abstieg. Eines der quadratischen Durchgangsstockwerke enthält eine raumfüllende Wort- und Objektinstallation. Seit 2010 arbeitet Dirk Bell mit einer selbst entwickelten Schrift, basierend auf einer quadratischen Grundform. Worte tauchen in verschiedenen Formen in seinen Ausstellungen auf, häufig verschachtelt ineinander, mehrere Lesarten anbietend und Markierungen setzend, die sowohl ästhetisch als auch inhaltlich weitere Ebenen einziehen. Der Schriftzug „WARTEZIMMER“, der aufgrund der Anordnung der Buchstaben auch gelesen werden kann als „WARTEN IMMER“ oder „WARTE NIMMER“ wird in verschiedenen Formen und Materialien wiederholt. Das Warten als Zwischenzustand wird vergegenständlicht. Dabei kann es sowohl das Ende als auch den Neuanfang betreffen oder Selbstzweck sein als Verharren im Augenblick. Im obersten Stockwerk werden eine Reihe von Zeichnungen und eine Wandarbeit zu sehen sein, welche an die Stelle des Abschlusses die Kreisbewegung von Anfang und Ende setzen.

Eine besondere Darbietung wird um 20 Uhr stattfinden: Der Hildesheimer Bänkelsänger Helmut Beelte gibt seine Kehrwieder-Moritat zum Besten. In der Tradition mittelalterlicher Bänkelsänger erzählt er zur Drehorgel die selbst bebilderte Legende des Kehrwiederturms.

Dirk Bell (*1969 in München) präsentierte seine Arbeiten in Einzelausstellungen u.a. in der Pinakothek der Moderne, München (2011), dem Schinkel Pavillon, Berlin (2009) und der Staatlichen Kunsthalle Baden-Baden (2009); er war an zahlreichen Gruppenausstellungen beteiligt, u.a. Melanchotopia, Witte de With, Rotterdam (2011), Under One Umbrella,, Bergen Kunsthall, (2010) und Pure Self Expression, Kölnischer Kunstverein (2007). Ab dem 28. Juni ist eine Einzelausstellung von Dirk Bell im Kunstverein Braunschweig zu sehen. Bell studierte Freie Kunst an der HBK Braunschweig. Er lebt in Berlin.

Förderer
Die Ausstellung wird gefördert durch das Land Niedersachsen, die Niedersächsische Sparkassenstiftung und die Sparkasse Hildesheim. Das Vermittlungsprogramm des Kunstvereins Hildesheim wird gefördert durch das Land Niedersachsen und die VGH-Stiftung. Vielen Dank an die Privatbrauerei Herrenhausen.

Programm zur Ausstellung von Dirk Bell

Führungen
So, 27.04., 15 Uhr
So, 01.06., 15 Uhr
mit Kathrin Meyer
sowie nach Vereinbarung (kostenfrei für
Schulen und Universitäten, Privatführung 40 Euro)

Konzert und Künstlergespräch
Mi, 14.05., 19 Uhr
Rundgang mit Dirk Bell,
danach Musik von Konrad Sprenger


Konrad Sprenger by Dirk Bell

Der Komponist, Musiker und Produzent Konrad Sprenger (Jörg Hiller) ist 1977 in Lahr geboren und lebt heute in Berlin. Sprenger machte als Produzent Aufnahmen mit Künstlern wie Ellen Fullman, Arnold Dreyblatt, Robert Ashley und Terry Fox. Seit 2000 arbeitet und spielt er regelmäßig mit den Komponisten Arnold Dreyblatt und Ellen Fullman, den Bands Ethnostress und Ei und kollaboriert mit dem Künstlerkollektiv Honey-Suckle Company. Gegenwärtig konzentriert er sich auf Live-Performances mit computergesteuerter, mehrkanaliger E-Gitarre.
Seine Musik und installative Arbeit wurde in renommierten internationalen Galerien und Kunsthallen für zeitgenössische Kunst präsentiert: u.a.: im Hamburger Bahnhof, Berghain, Gallery Giti Nourbakhsch, Podewil, Schaubühne, Pavillon der Volksbühne, Berlin; Badischer Kunstverein, Karlsruhe; Kunsthalle, Baden-Baden; Frankfurter Kunstverein; Künstlerhaus Stuttgart; Kunsthalle Basel; PS1, New York; Cubitt Gallery, London; and Sonar, Barcelona

Filmclub
Mo, 26.05., 20 Uhr im WOHNZIMMER, Kaiserstraße 41, 31134 Hildesheim
Thematischer Filmabend mit Gespräch und Peanuts
Eintritt frei

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