Symposium

Rückmeldungen

Vermittlung zur Diskussion

Samstag, 28. Januar 2012, 10.00 – 21.00
Moltkestraße 86, Hildesheim

Kunstvermittlung hat in den letzten Jahren einen großen Aufmerksamkeitszuwachs erfahren. Sie kann heute selbst künstlerische Praxis sein, das Publikum in Form von Partizipation involvieren oder sich kritisch zu Ausstellungsprojekten und Institutionen positionieren.

In aktuellen Diskursen zu Kunstvermittlung wird meist das Verhältnis zwischen künstlerischer Praxis und vermittelnden Praktiken ausgelotet oder es werden hierarchische bzw. demokratische Strukturen analysiert, die entlang der Achse von Kunst über VermittlerInnen zu RezipientInnen oder auch in gegenläufiger Richtung von RezipientInnen über die Vermittlung zur Kunst nachvollziehbar werden.

Aktuelle innovative Ansätze von Kunstvermittlung gehen dabei meist von der Kunst aus und richten sich an ein Publikum mit dem Anspruch, dessen Selbstermächtigung mittels und gegenüber den künstlerischen Positionen zu fördern.

In Erweiterung diese Bezugssystems kann Vermittlung aber auch als integraler Bestandteil eines Ausstellungsprojektes verstanden werden, zu dem neben Kunstwerken, VermittlerInnen und RezipientInnen auch KuratorInnen, KünstlerInnen, die jeweiligen Institutionen und deren Kontexte zählen.

Ausgehend vom Format »Ausstellung« sollen im Rahmen des Symposiums die Austauschprozesse zwischen allen am Projekt Beteiligten in den Blick genommen werden im Sinne eines Vermittlungsverständnisses, das sich nicht auf die Vermittlung von Kunst an RezipientInnen beschränkt, sondern sich auch für die Strategien der Vermittlung und Übermittlung zwischen Künstlern und Publikum, Kuratoren und Kunstvermittlern und den weiteren mehr oder weniger direkt involvierten Akteuren interessiert.

Mit diesem Fokus auf die verschiedenen Positionen innerhalb eines Ausstellungsprojektes wollen wir aktuelle Praktiken und theoretische Ansätze zu Kunstvermittlung mit Gästen diskutieren, die selbst in ihrer Praxis abhängig vom Projektzusammenhang vermittelnd, wissenschaftlich, kuratorisch, organisatorisch oder künstlerisch tätig sind.


Konzeption
Lisa Schmidt und Maralena Schmidt

Die Teilnahme am Symposium ist kostenlos.
Um Anmeldung bis zum 23. Januar 2012 per e-mail an kontakt@kunstverein-hildesheim.de wird gebeten

Veranstaltungsort
Moltkestraße 86,
31134 Hildesheim





Programm


Vollständiges Programm zum Download (de, pdf).


10.00
Lisa Schmidt & Maralena Schmidt

Begrüßung



10.30
Alexander Henschel

Kunstvermittlung? Kunstvermittlung!
Zur Orientierung und Desorientierung eines Begriffs

Was passiert, wenn man aus der Begriffskonstruktion »Kunstvermittlung« für einen Moment den Ausdruck »Vermittlung« herausnimmt und diesen im Licht von Zusammenhängen betrachtet, die mit Kunst erstmal wenig zu tun haben? Die Hoffnung könnte sein, dass sich der Begriff »Kunstvermittlung« derart desorientieren lässt, sodass eine bessere Sicht darauf möglich wird, was »Vermittlung« im Rahmen von Kunst zu leisten vermag und was nicht.


11.30
Dörte Dennemann

Künstlerische Forschung als Gegenstand und Methode der Kunstvermittlung

Mit dem Begriff der künstlerischen Forschung verbindet sich eine produktionsästhetische Perspektive auf Kunst: als forschende Praxis, in Verbindung mit wissenschaftlichen Formen der Erkenntnisgenerierung, bei der künstlerische Medien (z.B. Skulptur oder Video) der Auseinandersetzung mit Themen außerhalb der Kunst dienen. Formale Fragen der Repräsentation rücken dabei in den Hintergrund, die Auseinandersetzung mit gesellschaftlich ›relevanten‹ Kontexten rücken in den Vordergrund dieser forschenden künstlerischen Praxen. Für die kuratorische Entwicklung von Ausstellungen und Kunstvermittlungsprojekten stellen sich neue Fragen und Methoden: vorgestellt werden Beispiele für Künstlerische Forschungsprojekte, deren Strategien der Erkenntnisgenerierung geeignet für die Übersetzung in Methoden der Kunstvermittlung erscheinen sowie Kunstvermittlungskonzepte verschiedener Institutionen, in denen Methoden künstlerischer Forschung einen gesellschaftspolitisch und lokal kontextualisierenden Begriff von Kunstvermittlung befördern.


12.30
Silke Ballath

Kunstvermittlung: Schnittstelle zwischen Kunstinstitution und lokalem Kontext
am beispiel von ›lokale liaison‹, der kunstvermittlung im kunstverein wolfsburg

Silke Ballath stellt das im Wintersemster 2011/12 laufende Seminar ›Kunstvermittlung: Schnittstelle zwischen Kunstinstitution und lokalem Kontext‹ an der Uni Hildesheim vor. Im Rahmen dieses praktisch-theoretischen Seminars werden am Beispiel von drei Kunstvereinen in Niedersachsen Qualitätskriterien für eine teilhabende Kunstvermittlung entwickelt. Im Austausch mit AkteurInnen aus der Vermittlungspraxis werden künstlerische Verfahren und Strategien untersucht, die der Erforschung und Entwicklung von Kriterien einer kritischen Kunstvermittlung dienen. Im Vergleich verschiedener Vermittlungskonzepte soll ein Kriterienkatalog für eine teilhabegerechte Kunstvermittlung entstehen. Oder ist das gar nicht möglich?


13.30

Mittagspause



14.30

Projektberichte


Kirstin Burckhardt

»Cross-over« - Der Künstlerische Arbeits- und Wertbegriff im Kreuzfeuer

Statt von »Werken« spricht man heute im Zusammenhang mit Kunst eher von »Arbeiten«. Was aber steckt hinter der Verwendung dieses Begriffes? Was soll das eigentlich sein, eine künstlerische Arbeit? Und wie lässt sich ihre Qualität überhaupt bewerten? Tritt diese möglicherweise gar nicht immer sichtbar in Erscheinung, sofern das Kunsthafte sich schließlich nicht in ihrer Materialität erschöpfen muss? Als Mitglied von team*partake realisierte die Künstlerin Kirstin Burckhardt ihr Projekt »Cross-over« und setzte es als Teil des Vemittlungsprogramms des subvision. Kunst. festival. off., das 2009 in Hamburg stattfand, in die Praxis um. Mit BesucherInnen des Festivals untersuchte sie zwischen Bilderbuchromantik und Stiftung Warentestbogen den alltäglich gebräuchlichen Arbeitsbegriff im Verhältnis zu seiner Verwendung in künstlerischen Kontexten.

Julia Ziegenbein

»Multiple Choice«
Entdecken, wodurch Kunst zur Kunst wird.

Unter welchen Voraussetzungen wird etwas als Kunst angesehen und/oder als solche erfahren? Und was hat die so genannte »Vermittlung« eigentlich damit zu tun? Als Mitglied von team*partake realisierte Julia Ziegenbein 2009 im Rahmen des Vermittlungsprogramms des subvision.Kunst.festival.off. in Hamburg eine performative Vermittlungsaktion, die sich auch über den Rahmen des Ausstellungsgeländes hinaus auf die Such nach immer wieder anderen möglichen Antworten auf diese Fragen machte. Die verschiedenen für die Kunst und ihre kulturelle Konstruktion relevanten Kontexte wurden dabei in einem abwechslungsreichen Rollenspiel erfahrbar.


16.00

Kaffeepause und Ortswechsel zum Kehrwiederturm



17.00
Maralena Schmidt

»Vom Raum aus« - Der Ausstellungsraum als Ausgangspunkt für Vermittlungsprozesse

Maralena Schmidt überträgt Überlegungen aus ihrer Diplomarbeit zu einer Kunstvermittlung »vom Raum aus« auf den konkreten Ausstellungsraum »Kunstverein Hildesheim«. Ein Ausstellungsraum ist offensichtlich physisch gegeben mit seiner spezifischen Architektur. Gleichzeitig ist er immer auch ein mit sozialen Konventionen aufgeladener Raum. Wenn Raum als sozial konstruiert begriffen wird heißt das, dass unterschiedliche Gruppen von Menschen verschiedene Möglichkeiten haben sich in Ausstellungsräumen zu bewegen, miteinander in Interaktion zu treten oder überhaupt sichtbar zu sein. Ein Vermittlungsansatz, der den Raum mit seinen physischen und sozialen Bedingungen in den Fokus nimmt, hat das Potential, neue Zugänge zu Kunst zu schaffen.


17.45
a7.außeneinsatz

Heimspiel


Das Kollektiv a7.außeneinsatz arbeitet an der Schnittstelle von künstlerischer Praxis und Kunstvermittlung. Sie entwickeln performative Interventionen für Ausstellungen, ausgehend vom jeweiligen Ort und der Kunst. Die Aktionen der Gruppe locken mit Ereignishaftigkeit, bieten Zugänge an und stellen Bezüge zur Lebenswelt des Publikums her. Am Beispiel des Einsatzes im Fridericianum in Kassel, wird die Arbeitsweise des Kollektivs performativ und diskursiv vorgestellt.


18.30

Ortswechsel zum Fotoinstitut



19.30
Lisa Schmidt & Maralena Schmidt

Rückmeldungen

Unter dem Titel »KUNSTAUFSTIEG« entwickelte die Kulturwissenschaftlerin Maralena Schmidt 2010 bis 2011 Vermittlungsangebote für den Kunstverein Hildesheim, die teilweise als eigenständige Formate konzipiert waren, sich aber überwiegend auf das von der künstlerischen Leiterin Lisa Schmidt kuratierte Ausstellungsprogramm bezogen. Während Künstlerische Leitung und Kunstvermittlungsleitung in konstantem Austausch zueinender standen, waren die an den Ausstellungsprojekten beteiligten KünstlerInnen in die Entwicklung und Durchführung der Vermittlungsangebote meist nicht involviert. Rückblickend wurden die am Ausstellungsprogramm beteiligten KünstlerInnen nun zu ihrer Wahrnehmung von der Vermittlung ihrer Werke befragt.


20.00

Potentiale von Kunstvermittlung: Wer, Was, Wem, Wie.
Diskussion

In einer offenen Runde sollen die Beiträge unter der dem Symposium zugrunde liegenden Frage nach den Austauschprozessen und Vermittlungsstrategien im Kontext von Kunstausstellungen diskutiert werden.



Kirstin Burckhardt

Sicht sammeln

13. Januar bis 4. Februar 2012
Eröffnung: Donnerstag, 12. Januar 2012, 18.00

Die Begriffe »Sammlung« oder »Sammler« rufen in jedem von uns Bilder hervor: Die erste Assoziation mag die eines schrulligen Menschen mit seltsamer Leidenschaft für gewöhnliche oder außerordentliche Dinge sein, eine zweite handelt vielleicht von den im Museum präsentierten, kategorisierten, zu bewahrenden Objekten. Seltener kommen uns andere Imaginationen in den Sinn.
Dass man das Thema allerdings aus divergenten Perspektiven sehen und denken kann, zeigt die Hamburger Künstlerin Kirstin Burckhardt in der Ausstellung »Sicht sammeln« im Hildesheimer Kunstverein. An vier Wochenenden erwarten den Besucher im Kehrwiederturm ungewöhnliche Standpunkte, Begegnungen mit anderen, mit der Künstlerin und mit sich selbst.

Öffnungszeiten
Freitag bis Sonntag 14.00 bis 18.00

Kuratiert von Birke Baumann und Yvonne Dänekamp

Vermittlungsprogramm

Rendezvous im Turm


Das Vermittlungsprogramm »Rendezvous im Turm« bietet dem Besucher Zusammenkunft und Austausch von Kunstinteressierten und Kennern in Kirstin Burckhardts Ausstellung »Sicht sammeln« im Kerhwiederturm. Eigens entwickelte Führungen von StudentInnen werden zu folgenden Terminen im Kunstverein stattfinden. Um Anmeldung und Reservierung wird gebeten.

Für Gruppen ab 7 Personen können individuelle Termine vereinbart werden!
Kontakt: sichtsammeln@kunstverein-hildesheim.de


Sonntag, 15.01., 15.00
Gemeinsam entdecken
Ein kollektiver Aufstieg in den Turm, dabei eine immer weiter entstehende Sammlung erforschen und sich Fragen, wer sammelt eigentlich und weshalb?
Es führt Sie: Christina Scheib

Samstag, 21.01., 15.00 und
Sonntag, 22.01., 15.00
Sammlungswerte
Eine Führung über das persönliche Sammeln, über das Sammeln als künstlerische Praxis und die Wertschätzung von Porzellan-Pferdchen und Hörspiel-Kassetten.
Es führt Sie: Verena Wallor

Freitag, 27.01., 15.00
Gedankenpfade
Die logische Konsequenz auf eine Frage - immer eine Antwort? Oder eher der Beginn einer Reise?
Es führt Sie: Daniela Kämmerer

Sonntag, 29.01., 14.30
Wörterbuch
Ein Versuch, selbst zu sammeln, Sammler_innen zu verstehen und Bedeutungen von Gegenständen zu bestimmen, die Teil einer Sammlung wurden.
Es führt Sie: Elisabeth

Sonntag, 29.01., 16.00
Schatzkammerführung
Führung in die offenen und verborgenen Speicherräume des Sammelns.
Es führt Sie: Nora

Freitag, 03.02., 15.00
Gemeinsam entdecken
Ein kollektiver Aufstieg in den Turm, dabei eine immer weiter entstehende Sammlung erforschen und sich Fragen, wer sammelt eigentlich und weshalb?
Es führt Sie: Christina Scheib

Freitag, 03.02., 17.00
Bitte fünf Minuten sammeln !
Wir durchleuchten mit Ihnen gemeinsam das Alltagsphänomen »Sammeln«.
Es führen Sie: Lisa Besenroth und Lisa-Marie Kromer



Die Projekte »Sicht sammeln« und »Rückmeldungen« werden gefördert durch das Niedersächsische Ministerium für Wissenschaft und Kultur.





Das Symposium »Rückmeldungen« wird zudem gefördert durch die Friedrich Weinhagen Stiftung.



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