Was passiert mit meinem Geld?
Verwendung der Studienbeiträge an der Universität Hildesheim - die ganze Wahrheit
Studienbeiträge haben keinen guten Ruf. Man sagt ihnen so einiges nach, und alle sprechen über sie. Riesige Gebäude sollen mit ihrer Hilfe in den Himmel ragen. Sie stehen unter dem ständigen Verdacht, sich unkontrolliert zu vermehren. Für den gemeinen Studierenden sind sie ein rotes Tuch.
Doch es lohnt sich, einen genaueren Blick auf sie zu werfen. Beziehungsweise auf das, was mit ihnen getan wird.
An dieser Stelle können Sie lesen, wofür die Universität Hildesheim die Beiträge ihrer Studierenden verwendet. Was genau wird getan, um die Qualität der Lehre zu verbessern? Das rote Tuch wird gelüftet, um das Reizthema in neuem Licht zu betrachten.
In Interviews, Hintergrundberichten, Portraits und kleinen Reportagen werden Entscheidungsträger vorgestellt, Gremien erklärt und Strukturen transparent gemacht. Was passiert genau mit meinem Geld? Welche Gerüchte sind denn nun wahr und welche sind falsch? Antworten, die ständig aktualisiert, ab jetzt immer hier.
Indianer sind flexibel
Die Buchstaben bilden ein buntes, einladendes Tor: „Flexi“ klebt in roten, grünen und blauen Lettern an der Fensterscheibe. Von draußen sieht man ein rotes Plüsch-Nilpferd mit langem Torso gemütlich auf der Sofalehne liegen. Bis der kleine Tisch am Ende des Raumes erreicht ist, kommt man noch an Schaukelpferd und diversen anderen, tierischen Kollegen vorbei. Dann steht der erste Mensch vor der Besucherin: „Kommen Sie rein“, sagt die blonde Frau mittleren Alters und legt Schere und Kartonpapier weg, „Ich zeige Ihnen alles.“ Die „Flexi“-Mitarbeiterin führt durch den hellen Raum mit den winzigen Stühlen. „Leider sind uns heute die Kinder ausgegangen“, sagt sie lächelnd. Ein Fall, der eher selten vorkommt.
„Flexi“ – ein flexibles Netz in der universitären Kinderbetreuung
Vor einiger Zeit war Indianerwoche. Da war Heilpädagogin Angelika Heldt zusammen mit einer der 4 studentischen Hilfskräfte fast jeden Tag auf der grünen Wiese vor der Uni-Mensa und hat feindliche Stämme mit Kopfschmuck in die Flucht geschlagen. In der „Flexi“, der flexiblen Kinderbetreuung der Uni Hildesheim, ist oft Trubel angesagt. Fünf Kinder dürfen Angelika Heldt und ihre Mitarbeiterinnen gleichzeitig unterbringen. Von 12 Uhr mittags bis 18.15 Uhr am Abend können Eltern, die an der Uni studieren oder arbeiten, ihr Kinder während der Vorlesungszeit betreuen lassen. „Flexi“ versteht sich als Ergänzung für Tagesstätten wie die „Rasselbande“, Kindergärten, Krippen und Grundschulen, in denen der Nachwuchs regulär untergebracht ist. Oder natürlich der betreuenden Oma, die auch mal krank werden kann. „Kindergärten streiken, Tagesmütter fallen aus, Vorlesungen können spät am Tag liegen. Für solche Fälle sind wir da“, sagt Angelika Heldt. Und die pädagogische Hilfskraft Sarah Mindermann ergänzt: „Und das nah an der Uni. Man muss nur ein paar Schritte gehen und schon hat man sein Kind wieder abgeholt.“ In der Geschäftspassage, zwischen Copyshop und „Südklause“, befindet sich der Laden für die Kinder.
„Flexi“ - ein Ort, an dem Bälle an die Wand fliegen und Traumhäuser gebaut werden
Sarah Mindermann ist 23 Jahre alt und studiert im ersten Master-Semester Lehramt mit den Fächern Theologie und Deutsch. Sarah möchte einen Teil ihrer Freizeit mit Kindern verbringen und Praxiserfahrung für ihr Studium sammeln. Zum Team gehört zurzeit auch eine russische Praktikantin, die in Hildesheim studiert, arbeitet und deutsch lernt. „Aus Russland für die Flexi“ prangt auf einem Herz an der Wand gegenüber der Spielecke. Es wird viel gebastelt und gemalt, oft thematisch von den Jahreszeiten inspiriert. Ein hohes Regal beherbergt Spiele wie „Cluedo“, „Monolpoly“ und „Deutschland-Reise“. In die „Flexi“ kommen Kinder im Alter von eins bis zehn. Über die Versorgung der Allerkleinsten bis hin zur Hausaufgabenhilfe sind die Betreuer gefragt. Was genau gemacht wird, bestimmen die Kinder ab einem bestimmten Alter aktiv mit. „Wir richten unser Angebot sehr nach den Bedürfnissen und Wünschen der Kinder“, sagt Angelika Heldt. „Ein Junge kommt schon seit Jahren zu uns, er geht in die Grundschule und ist passionierter Fußballfan. Der geht, wenn er nach der Schule hier ankommt, erstmal eine Treppe runter und powert sich aus, indem er Fußbälle gegen die Wand knallen lässt. Dafür ist der Raum da unten ja gemacht.“ Der Raum „da unten“ ist eine bunte Tobehöhle mit Matratzen und einem Spielhaus inklusive einem Himmel aus rosa Tüll. Hier kann man auch mal für sich sein, wenn man von der Erwachsenenwelt genug hat.


