C E N T E R F O R W O R L D M U S I C aktuell
14.05.2013
Studentische Hilfskraft gesucht
Das Center for World Music sucht eine studentische Hilfskraft zur Mitarbeit im Projekt The Formation and Transformation of Musical Archives in West African Societies (MAWAS). Die Stelle im Umfang von 16 Stunden pro Monat ist vom 15. Juni 2013 bis 14. Oktober 2014 zu besetzen. Der bevorzugte Arbeitstag wäre Dienstag. Die Aufgabenbereiche umfassen unter anderem Unterstützung bei der Organisation von Reisen und Workshops sowie beim Aufbau einer musikethnologischen Spezialbibliothek zu Musik in Afrika. Einsendeschluss ist der 20. Mai 2013. Weitere Details finden Sie in der Ausschreibung (pdf).
11.04.2013
Musik und Gender – öffentliche Gastvorträge
MI 15.05.2013 | 10 - 12 Uhr | "Gender, Sexuality and Exclusion in India's Illicit World of Dance" (Dr. Anna Marcom) | Center for World Music | Freier Eintritt
MI 19.06.2013 | 10 - 12 Uhr | "Zur wirkmächtigen Konstruktion von Männlichkeit und Whiteness in der Popularmusik" (Dr. Rosa Reitsamer) | Hildesheim, Domäne Marienburg, großer Seminarraum Hs27/003 | Freier Eintritt
Die Musikforschung widmet sich bereits seit einigen Jahrzehnten dem Genderparadigma und stellt dabei Bezugspunkte zwischen musikalischer Performance sowie ihrer Theoretisierung und den Cultural, Postcolonial und Whitness Studies her. Welche Rolle spielt feministische Theorie in der Musiksoziologie oder Musikethnologie? Was meint Queer Musicology? Wie wird Männlichkeit in Musikkulturen und -szenen konstruiert und inszeniert. Diesen Fragen geht das Seminar „Musik und Gender“ nach, das in Kooperation mit dem Institut für Musik und Musikwissenschaft der Universität Hildesheim und dem Center for World Music stattfindet. Im Rahmen dieses Seminar laden die Veranstalter Prof. Dr. Johannes Ismaiel-Wendt und Dr. Thomas Hilder zur öffentlichen Vortragsreihe im Center for World Music ein.
Dr. Shzr Ee Tan (Royal Holloway, University of London) referierte am 17. April 2013 über „Theory, Practice and Fieldwork with Queer Musical Communities“ (Zum Abstract als pdf). Am 15. Mai 2013 (10 – 12 Uhr) hält Dr. Anna Morcom (Royal Hollowa, University London) einen Gastvortrag zum Thema „Gender, Sexuality and Exclusion in India's Illicit Worlds of Dance“ (zum Abstract als pdf). Schließlich widmet sich Dr. Rosa Reitsamer am 19. Juni 2013 (10 – 12 Uhr) der „Wirkmächtigen Konstruktion von Männlichkeit und Whiteness in der Popularmusik“ (zum Abstract als pdf). Alle Termine und Abstracts im Überblick finden Sie als pdf über diesen Link.
Abstract „Gender, Sexuality and Exclusion in India's Illicit Worlds of Dance", Dr. Anna Marcom: Performing in public or in front of men presents conflicts with ‘respectability’ for women in many patriarchal cultures. In India, this has manifested in communities of professional female performers who lived outside of (typical) marriage: courtesans and devadasis. Another key category are boys and men who perform as women, many of whom are transgender, males who identify as females, and seek love and sex with males. This lecture explores these cultures of female and transgender public/erotic dance in India, and their transformation and exclusion under colonial and postcolonial modernity, where they are increasingly equated with and overlapping with commercial sex work.
Anna Morcom specializes in music and dance in India and Tibet from diverse perspectives that seek to understand the contemporary world. Her research focuses on phases of modernity ranging from nation building to globalization and neoliberalism, and spans issues of politics, gender, ideology and inequality as well as media and marketisation.
Abstract "Zur wirkmächtigen Konstruktion von Männlichkeit und Whiteness in der Popular musik", Dr. Rosa Reisamer: Ausgehend von Forschungen zu Geschlechterdifferenz und Ethnizität in musikalischen Feldern beschäftigt sich der Vortrag mit ausgewählten Konstruktionen weißer Männlichkeit in der Popularmusik. Im ersten Teil der Vortrags werden zentrale Begriffe wie "Whiteness" / "weiß-Sein" und Männlichkeit anhand ausgewählter Beispiele aus der Geschichte der Rock- und Popmusik diskutiert. Daran anschließend widme ich mich der Frage, wie ein "Rockerbe" durch spezifische Akteure in der Kulturindustrie produziert wird und Männlichkeit und Whiteness abermals eine Stabilisierung erfahren.
Rosa Reitsamer, promovierte Soziologin, derzeit Univ.-Ass am Institut für Musiksoziologie an der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien, Österreich. Ihre letzte Veröffentlichung "Die Do-it-yourself-Karrieren der DJs. Über die Arbeit in elektronischen Musikszenen" (Bielefeld: transcript 2013).
25.03.2013
Dem Roemer- und Pelizaeus-Museum droht die Schließung
Das Roemer- und Pelizaeus- Museum (RPM) in Hildesheim beherbergt weltweit einzigartige Sammlungen. Darunter ist die insgesamt über 8.000 Sammlungsstücke und 4.000 Jahre Kulturgeschichte umfassende Ägypten-Sammlung - eine der wichtigsten der Welt. Über 15.000 Objekte zählen die ethnologischen Sammlungen des Museums. Die Alt-Peru-Ausstellung, welche einige der schönsten Beispiele präkolumbianischer Kunst aus dem Andenraum zeigt, sowie die Sammlung chinesischen Porzellans vom 15. bis 19. Jahrhundert gehören zu den europaweit bedeutendsten ihrer Art.
Nun machen Finanzielle Engpässe, die von der stetigen Kürzung des Museumsetats bei steigenden Fixkosten herrühren, das RPM zunehmend handlungsunfähig und gefährden seinen Fortbestand. Die Geschäftsführerin des RPM, Prof. Dr. Regine Schulze, warnt nun vor der anstehenden weiteren Kürzung in Höhe von 25.000 Euro. "Jeder Cent, der weiter gekürzt wird, führt im Endeffekt zur Schließung des Roemer- und Pelizaeus Museums,", resümiert die Hildesheimer Allgemeine Zeitung in einem Artikel vom 9. März 2013, der die Ausgaben des Museum offenlegt (zum Artikel der HIAZ). Eine öffentliche Umfrage ergab eine fast 85 prozentige Mehrheit für den Erhalt des Museum. Der Ausgang der Verhandlungen mit der Stadt Hildesheim bleibt allerdings weiterhin offen.
Mit der Schließung des RPM würde auch das Center for World Music einen wichtigen Kooperationspartner verlieren. Eine erste Zusammenarbeit ergab sich bereits bei der Entstehung der Sonderausstellung des Landesmuseums Hannover "Tabu!? Verborgene Kräfte - geheimes Wissen". Ein neues, innovatives Ausstellungsprojekt Klangmusik/Museum of Sounds in Kooperation mit dem RPM ist derzeit in Planung. Dieses Klangmuseum im Zentrum Hildesheims soll sich allen Arten von Klängen - Musiken, Geräuschen, Tönen und Sprachen - aus allen Teilen der Welt in kontextualisierten und synästhetischen Präsentationen widmen. Ob als ethnologische Ausstellung oder künstlerische Installation konzipiert - die Vielschichtigkeit der Präsentation soll ein tieferes Verständnis von klanglichen Phänomenen ermöglichen und eurozentrische Sichtweisen im musealen Kontext überwinden. Die Schließung des RPM würde auch die Umsetzung dieses Projektes gefährden.
Wir appellieren hiermit für den Erhalt eines der ältesten und bedeutendsten ethnologischen Museen Deutschlands!
02.03.2013
Digitale Sicherung des nationalen Klangarchivs des Music Museum of Iran in Kooperation mit dem Center for World Music
Über 25.000 Tonträger iranischer Musik, darunter bedeutsame Schellackplatten aus der Epoche des letzten Khadscharen-Herrschers (1906-1925), befinden sich im Besitz des Music Museum of Iran (MMI). Hinzu kommen knapp 1.500 iranische Musikinstrumente, eine umfangreiche Videosammlung und 2.000 historische Fotografien. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt stellt das Museum die einzige iranische Institution dar, die sich als Ort der Dokumentation und Vermittlung der musikalischen Vergangenheit und Gegenwart des Landes verpflichtet sieht. Seit 2012 wird das Klangarchiv nun mit Mitteln des Auswärtigen Amtes und der Stiftung Niedersachsen sowie in Kooperation mit dem Center for World Music (CWM) digital gesichert. Neben der vollständigen Digitalisierung der Bestände ist die Erstellung einer national wie international zugänglichen mehrsprachigen Datenbank von zentraler Bedeutung. Entscheidend ist hier die Kooperation mit dem Gemeinsamen Bibliotheksverbund (GBV), die die sichere Langzeitarchivierung der Daten auf den Servern des GBV und schließlich die Vernetzung der Datenbank über den Gemeinsamen Verbundkatalog (GVK) ermöglicht. Nicht nur die formalen Nachweise der Tonträger, sondern auch deren Audio-Digitalisate und Scans der Cover, Informationsblätter und Notizen sollen schließlich im Rahmen der rechtlichen Möglichkeiten zugänglich gemacht werden. Damit soll das Tonträgerarchiv des Museums für Forschung und Vermittlung geöffnet werden.
Das Museum in Teheran profitiert in der Zusammenarbeit auch vom Ausbau seiner technischen Infrastruktur und der Einweisung in international anerkannte Archivierungsstandards der International Association of Sound Archives (IASA-TC4). Audiodigitalisierungsplätze, die unter anderem die Möglichkeit zur Restaurierung beschädigter Tonträger bieten, verbleiben im Museum. Nach Grundsätzen des Empowerment soll das Museum in die Lage versetzt werden, selbständig die Digitalisierung, Erfassung und lokale Sicherung der Bestände fortzusetzen. Die Supervision vor Ort übernehmen die Doktoranden und Mitarbeiter des CWM, Keivan Aghamohseni und Samuel Mund. In einem Interview mit Isa Lange sprechen die beiden über den Arbeitsprozess vor Ort – von der Waschung der Schallplatten über die Digitalisierung der Tonträger bis hin zu ihrer Verschlagwortung in der Datenbank – ebenso wie über die Herausforderungen des mehrsprachigen und interkulturellen Projektes. Das Interview erscheint im Sommersemester im Forschungsmagazin der Universität Hildesheim und wird online nachzulesen sein ab April/ Mai.
Eine Vielzahl von Forschungsfragen wird sich im Anschluss an die Digitalisierung an die Sammlung richten. Frühe Schallplatten gelten als wertvolle Dokumente mündlich überlieferter Musiktraditionen, darunter auch der iranischen klassischen Musik. Ihre Bedeutung als eine Form der Notation oder erster Mitschrift ermöglicht es, an die Tonträger Fragen nach Kontinuität und Wandel in oralen Traditionen zu stellen. So untersucht Keivan Aghamohseni in seiner Doktorarbeit mit Hilfe der Archivbestände des MMI, wie sich musikalische Konzepte klassischer iranischer Musik und deren Rolle in der iranischen Gesellschaft seit Beginn ihrer Aufzeichnung gewandelt haben.
In Digitalisierungsprojekten im In- und Ausland konnte sich das CWM in den letzten Jahren ein umfangreiches Wissen aneignen, das technische und datenbankspezifische Kenntnisse mit musikethnologischem Wissen über die jeweiligen Regionen verbindet. So wurden unter anderem das Archiv der koptischen Kirche in Kairo digital gesichert, ein laufendes Projekt ist den Beständen der Ghana Broadcasting Corporation (GBC) gewidmet. Das CWM baut mit der Kooperation mit dem MMI seine Aktivitäten im regionalen Schwerpunkt Zentral- und Westasien aus. Folgeprojekte unter anderem in Tadschikistan sind bereits in Planung.
Michael Engel berichtet in der Sendung „Elektronische Welten“ des Deutschlandradio Kultur über das Digitalisierungsprojekt in Teheran. Zu hören sind Kommentare von Prof. Dr. Raimund Vogels, Keivan Aghamohseni und Samuel Mund sowie Einspielungen von Tonmaterial aus den Archivbeständen des MMI. Dieser Link führt Sie zum Hörfunk- und Textbeitrag.
25.02.2013
Werkschau des Weiterbildungsstudiengangs "musik.welt - Kulturelle Diversität in der musikalischen Bildung"
Seit dem Wintersemester 2011/12 läuft der berufsbegleitende Weiterbildungsstudiengang „musik.welt – kulturelle Diversität in der musikalischen Bildung“ am Center for World Music. Das Studium umfasst unter anderem das Erlernen eines Instrumentes aus einem unvertrauten kulturellen Kontext. Nach etwas über einem Jahr berichteten die Studierenden am Freitag, dem 22. Februar 2013, in einer Werkschau von ihren Erfahrungen mit der "musikalischen Fremdsprache". Isa Lange, Pressereferentin der Universität Hildesheim, fasst in der Meldung "Musikalisch mehrsprachig" die Meinungen der Studierenden und Dozent_innen zusammen. Mehr Informationen zum Studiengang finden Sie hier.
19.02.2013
Ausschreibung für eine Direktorenstelle am Center for World Music
Am Center for World Music zum 01. April 2013 die folgende Stelle zu besetzen: Direktor/ Direktorin (TV-L E 13, 100%). Das CWM sieht im Zuge personeller Umstrukturierungen eine Leitung durch zwei Direktor_innen vor. Eine Direktorenstelle ist aktuell durch Prof. Dr. Raimund Vogels besetzt. Erwünscht ist eine Erweiterung der vorhandenen Regionalschwerpunkte (Westafrika, Zentralasien & Westasien, Skandinavien). In Zusammenarbeit und Absprache mit dem zweiten Direktor umfasst der Aufgabenbereich unter anderem die Geschäftsführung, den substantiellen Ausbau des Bereichs Forschung, die Sammlungsleitung und konzeptionelle Weiterentwicklung des Bereichs Vermittlung/ Pädagogik. Voraussetzungen sind neben anderen Kriterien ein abgeschlossenes Hochschulstudium, Promotion und Habilitation (erwünscht) im Fach Musikethnologie/ Vergleichende Musikwissenschaft mit kulturwissenschaftlicher Ausrichtung. Bewerbungsschluss ist der 05. März 2013. Im Ausschreibungsformular (doc) finden Sie detaillierte Informationen zu Aufgabenbereich, Voraussetzungen und Bewerbungsschluss.
10.12.2012
WELT MUSIK – MUSIK WELTEN. Globales Lernen in Niedersachsen

DO 21.02.2013 | 10:00 - 17:30 | Center for World Music
Tagung
Im Rahmen der interaktiven Tagung "WELT MUSIK - MUSIK WELTEN", die sich dem Zusammenhang zwischen kultureller Diversität in der Musik und dem Lernbereich Globale Entwicklung widmet, kooperiert das Center for World Music (CWM) erstmalig mit dem Verband Entwicklungspolitik Niedersachsen e.V. (VEN).
Bildungsangebote Globalen Lernens eröffnen vielfältige Zugänge zum Verständnis der komplexen globalen Wirklichkeit und befähigen den Menschen dazu, die Welt verantwortlich mitzugestalten - für mehr globale Gerechtigkeit und eine nachhaltige Entwicklung. Die zentralen Themen der Tagung - was die Musik zum Globalen Lernen beitragen kann, und wie sich Lehrpläne, Orientierungsrahmen und Globales Lernen mit Musik verknüpfen lassen - werden in Vorträgen unter anderem von Prof. Dr. Raimund Vogels, Direktor des CWM, und Prof. Dr. Ekkehard Mascher, Beauftragter für Musikpädagogik am CWM, sowie Dieter Schoof-Wetzig, Koordinator der Veranstaltungsreihe "Perspektive Global", diskutiert. Durch praktische Umsetzungsbeispiele sowie den gemeinsamen Austausch unter der Anleitung von Marion Rolle, Referentin des VEN, sollen konkrete Ideen für die Praxis abgeleitet werden.
Der VEN bietet für niedersächsische Nichtregierungsorganisationen (NRO), Initiativen und Einzelpersonen unter der Veranstaltungsreihe "Perspektive Global" Qualifizierungsangebote für Globales Lernen in Niedersachsen an. Diese Fortbildungsreihe bietet Veranstaltungen zu aktuellen entwicklungs- und umweltpolitisch relevanten Themen, partizipativen und kreativen Methoden sowie neuen Lern- und Lehrkonzepten an. Gegründet 1991, bündelt der VEN als unabhängiges Landesnetzwerk entwicklungspolitischer NROs, Initiativen und Weltläden in Niedersachsen entwicklungspolitische Bildung- und Öffentlichkeitsarbeit.
Hier erhalten Sie das Programm (pdf) und den Anmeldungsbogen (pdf) zur Tagung.
Mehr Informationen zur Fortbildungsreihe "Perspektive Global" finden Sie hier.
21.01.2013
Vernetzte Archive – Interview mit der Bibliothekarin Christine Weber
Kein Archiv ohne Bibliothekar_in. Bereits seit 2009 ist Christine Weber an der Erschließung der Sammlung Wolfgang Laade beteiligt. Im November 2012 hat sie die Koordination der Erschließung aller Sammlungen des CWM übernommen.
Olga Weiß: Frau Weber, Sie sind seit November 2012 für die Erschließung der dem CWM angegliederten Sammlungen zuständig. Welche Projekte nehmen Sie zuerst in Angriff?
Christine Weber: Das ist in erster Linie die über 1000 CDs und Kassetten umfassende Sammlung eines algerischen Berbers, Hamid Ouamara, deren Wert vor allem in der Dokumentation nordafrikanischer Musik liegt. Sie wurde 2012 von der Witwe des Sammlers dem CWM gestiftet. Zentral ist darüber hinaus der Ausbau eines Internet-Portals, in dem man mit einer einzigen Suchanfrage in allen Sammlungen des CWM gleichzeitig recherchieren kann. Das betrifft auch die Sammlung Ouamara. Hier müssen Lösungen für die gemeinsame Sacherschließung, d.h. die Vergabe einheitlicher Schlagworte, gefunden werden. Wir orientieren uns dabei an Kategorien, die zwischen 2006 und 2008 in dem EU-Projekt DISMARC (DIScovering Music ARChives) entwickelt wurden. Die beinhalten u.a. Instrumentenbezeichnungen, Genres, geographische Begriff, Ethnien usw. Bei bereits bestehenden Katalogen muss ein System für die Integration der Daten in das Portal erarbeitet werden. Das betrifft zum Beispiel den Katalog Irle, der Nachweise der umfangreichen Literatur des Sammlers und Daten zu dessen Musikinstrumentensammlung enthält.
OW: Welches Material wird bei der Erschließung der Sammlungen konkret digitalisiert und wie werden die Daten zugänglich gemacht?
CW: Bei der Erschließung der Sammlung Wolfgang Laade zum Beispiel wird alles katalogisiert und eingescannt, was zu den über 50.000 Schallplatten gehört - Cover, die Schallplatte selbst, Beihefte, teilweise auch vom Sammler selbst in die Cover eingelegtes Material. Die Musik wird digitalisiert. Für das Abspielen der Audiodateien und zum Anschauen der Scans wurde vom GBV (Gemeinsamer Bibliotheksverbund) ein Medien-Viewer entwickelt. Darüber kann man die Musik anhören und mit Hilfe einer Art digitalen Lupe sehr nah an Details der Scans heranzoomen. Um Autoren- und Nutzungsrechte einhalten zu können, ist der Zugang zu den Daten über den Medien-Viewer derzeit nur über die Rechner des CWM möglich. Da aber alle Datensätze auf den Servern des GBV langzeitarchiviert werden, sind die formalen Nachweise über den Gemeinsamen Verbundkatalog (GVK) des GBV recherchierbar. Ein Großteil der Bücher und CD-Bestände wird über die Universität Hildesheim auszuleihen sein.
OW: Die Mitarbeit an der Entwicklung des musikethnologischen Archiv-Portals ist ein wesentlicher Aspekt Ihrer Tätigkeit. Was ist das Besondere an diesem Portal?
CW: Diese Internet-Plattform soll Zugang zum einen zu den formal erfassten Nachweisen von Medien und Gegenständen wie den Instrumenten einer einzelnen musikethnologischen Sammlung bieten. Zum anderen ist aber auch eine Vernetzung geplant, welche es beispielsweise ermöglicht, mit einem Suchbegriff Katalogdaten aller Sammlungen virtuell zusammenzuführen. Ein besonderes Tool des Portals ist, wie gesagt, der integrierte Medien-Viewer. Je nach Rechtslage könnte z.B. die Suchanfrage "Kora" idealerweise eine Treffermenge, bestehend aus Klängen sowie Abbildungen des Instrumentes, Videos und Nachweisen von Büchern aus den verschiedenen Sammlungen, ergeben. Eine Recherche über die Rechner des CWM erlaubt das Abspielen der Aufnahmen und eine detaillierte Ansicht der Scans.
OW: Das CWM kooperiert auch mit Archiven im Ausland und leistet Unterstützung bei der Digitalisierung der Archive vor Ort. Welchen Herausforderungen begegenen Sie in solchen interkulturellen Projekten?
CW: Wir müssen immer wieder neue Wege finden bei der Beantwortung der Frage, wie die Sammlungen am besten erschlossen werden können, damit sie sowohl vor Ort im Ausland sinnvoll recherchierbar sind, aber möglichst auch unsere Erschließungskriterien erfüllen. So zum Beispiel bei einem Digitalisierungsprojekt zur Musik der koptischen Kirche in Ägypten oder, ganz aktuell, im Musikmuseum von Teheran. Die Tonbänder der Kopten enthielten selbstgemachte Feldforschungsaufnahmen und hatten somit keine offiziellen Titelblätter. Auch die Schellackplatten in Teheran haben keine Titelblätter bzw. Cover und sind in der Regel natürlich mit persischer Schrift versehen. Wie kann man diese Datensätze auch für Menschen, die dieser Sprache nicht mächtig sind, aufarbeiten? Gibt es geschulte Bibliothekar_innen vor Ort? Welche Regeln werden dort zur Katalogisierung angewendet? Welches Eingabesystem ist vorhanden und wie könnte man es ausbauen, damit die Daten problemlos in unser System übertragen werden können? Das Eingabesystem muss vor Ort einfach zu bedienen sein und darf teilweise wegen Problemen mit der Internetverbindung zum Beispiel in afrikanischen Ländern nicht vom Internet abhängig sein. Sehr spannend ist, dass jede zu erschließende Sammlung neue Herausforderungen mit sich bringt. Langeweile kommt da nicht auf.
OW: Herzlichen Dank für das Interview.
Foto: Olga Weiß











