Kurzfassung der Konzeption der Moderationswerkstatt
des Instituts für Sozial- und Organisationspädagogik am Fachbereich 1
Stiftung Universität Hildesheim Wintersemester 2009/2010

Erarbeitet durch das Team der Moderationswerkstatt:
Patricia Hohenberger, Bastian Billerbeck, Judith Fuchs, Kerstin Gorgs, Kerstin Kunz, Ines Lantzsch, Henrike Meyer zu Schweicheln, Manuel Milde, Tina Rath, Daniela Semmel, Diana Wilke
In Zusammenarbeit mit Dr. Ute Karl
Inhaltsverzeichnis:
1. Die Idee
Die Moderationswerkstatt ist ein Projekt des Fachbereichs I der Universität Hildesheim. Organisatorisch ist sie am Institut für Sozial- und Organisationspädagogik angesiedelt, ehemals Institut für Sozialpädagogik. Die Idee der Moderationswerkstatt wurde 1999 von Mitgliedern des Institutes entwickelt. Sie war Ergebnis der zunehmenden Nachfrage nach Vermittlung von Schlüsselqualifikationen im Kommunikationsbereich.
2. Konzeptioneller Rahmen
2.1 Bildungskonzept
Mit der konzeptionellen Weiterentwicklung der Moderationswerkstatt kam es gleichzeitig zu einer Weiterentwicklung des Begriffs der Schlüsselqualifikation hin zum Begriff der Schlüsselkompetenzen. Mit dem Begriff der Schlüsselkompetenzen ist ein integratives Bildungskonzept zu Grunde gelegt (vgl. Chur 2005). Ein solches integratives Bildungskonzept bedeutet, dass Bildung als ein ergebnisoffener Prozess verstanden wird, der eines speziellen Freiraums bedarf. Bildung ist dabei auf das Verhältnis des Menschen zur Welt bezogen. Bildung wird als mehrdimensionales Geschehen verstanden – als Zusammenspiel von Denken, Fühlen, Handeln, Wollen und Bewerten. Bildungsprozesse meinen in diesem Sinne die aktive – auch verunsichernde – Auseinandersetzung mit der Welt und ihre verantwortungsvolle Gestaltung. Der Begriff der Kompetenz kann als zentraler Bestandteil eines solchen Bildungskonzepts verstanden werden. ‚Kompetenz’ bezieht sich auf die Wechselwirkung von Selbst und Welt und berücksichtigt gerade auch die Mehrdimensionalität von Bildung (vgl. Chur 2005). Die zentrale Evaluations- und Akkreditierungsagentur Hannover (ZEVA) definiert Schlüsselkompetenzen in dreierlei Hinsicht:
- Methodenkompetenz zielt auf problemlösendes Erlernen von Lern- und Arbeitstechniken. Sie beinhaltet Lernstrategien, Medienfertigkeiten, Informationsgewinnung und –verarbeitung, Planungs- und Problemlösungsfertigkeiten sowie Prozess- und Projektmanagementfähigkeiten.
- Sozialkompetenz zielt auf sozial-kommunikatives Erlernen von Kommunikations- und Kooperationsformen.
- Selbstkompetenz hat das affektiv-ethische Erlernen eigenverantwortlichen (sozialen) Verhaltens zum Ziel.
Vor diesem Hintergrund wendet sich das Projekt Moderationswerkstatt mit seinem Serviceangebot vor allem an Studierende pädagogischer Studiengänge und Interessierte anderer Fachbereiche. Im Rahmen der Moderationswerkstatt des Instituts für Sozial- und Organisationspädagogik können Schlüsselkompetenzen in zweierlei Hinsicht erworben werden: Erstens werden an Studierende Schlüsselkompetenzen vermittelt. Diese Vermittlung findet in Wochenendveranstaltungen statt zu den Themen Moderations-, Präsentations- und Visualisierungstechniken ebenso wie zu Selbst- und Zeitmanagement (s. Anhang). Diese Techniken sind nicht nur für pädagogische Handlungsfelder und Studierende der pädagogischen Studiengänge relevant, sondern stellen auch für Studierende anderer Studiengänge Schlüsselkompetenzen dar. Zweitens erwerben die studentischen MitarbeiterInnen Schlüsselkompetenzen durch die Mitarbeit im Projekt. Mit Bezug auf die oben beschriebenen Schlüsselkompetenzen lassen sich diese wie folgt konkretisieren.
- Leitungskompetenzen und Moderationskompetenzen durch die Leitung von Gruppen und die Moderation von Gruppenprozessen (Sozial- und Selbstkompetenzen)
- Projektmanagementkompetenzen, d.h. Konzipierung, Durchführung und Evaluation der Veranstaltungen zur Qualitätsentwicklung (Methoden-, Sozial- und Selbstkompetenz)
- kommunikative Kompetenzen und Konfliktlösungskompetenzen durch die eigenen Teamprozesse (Sozial- und Selbstkompetenz)
- Train-the-Trainer-Prinzip bei der Einarbeitung neuer MitarbeiterInnen und der Weitergabe von Wissen (Sozial- und Selbstkompetenz
- Teilnahme an Fortbildungen (zusätzlicher Erwerb von Schlüsselkompetenzen)
- hohe Eigenständigkeit der Projektarbeit und damit verbunden selbstorganisiertes Wissensmanagement (Methodenkompetenz)
2.2 Institutionelle Anbindung
Die Moderationswerkstatt ist Teil des Instituts für Sozial- und Organisationspädagogik. Sie übernimmt einen wichtigen Teil der Vermittlung von Schlüsselkompetenzen an Studierende, indem regelmäßig unterschiedliche Veranstaltungen in den Bereichen Moderation, Präsentation und Selbstmanagement während der Semester angeboten werden. Eine Veranstaltung im Bereich Präsentieren und Moderieren ist fester Bestandteil der Studienordnung des Studiengangs Bachelor Sozial-/ Organisationspädagogik und Bachelor Erziehungswissenschaft. Darüber hinaus beraten die studentischen MitarbeiterInnen andere Studierende in regelmäßigen Büroöffnungszeiten während des Semesters bei der Erstellung von Referaten und Präsentationen.
2.3 Interne Organisation
Die Aufgaben der Moderationswerkstatt werden durch ein studentisches Team (ca. 10-15 MitarbeiterInnen) in Zusammenarbeit mit Dr. Ute Karl als wissenschaftlicher Projektleitung am Institut für Sozial- und Organisationspädagogik gestaltet. Durch kontinuierlichen Austausch und Abstimmung der Tätigkeiten mit einer Verantwortlichen am Institut und der Präsentation der Tätigkeiten in der Institutskonferenz wird der Einbindung der Moderationswerkstatt in das Institut für Sozial- und Organisationspädagogik Rechnung getragen. Ganz allgemein beinhaltet die Mitarbeit im Projekt die Übernahme einer Öffnungszeit, die Leitung von Wochenendveranstaltungen und die regelmäßige Teilnahme an Teamtreffen und Teamfortbildungen.
2.3.1 Angebote
Wochenendkurse:
Es gibt momentan ein Angebot von ca. 5 Veranstaltungen pro Semester. Dabei liegt der Schwerpunkt auf Moderation, Rhetorik und Präsentation. Durch weitere Seminarangebote sollen die TeilnehmerInnen ihre Moderationskenntnisse vertiefen können. Eine gezielte Selbstmanagementschulung soll Studierenden die Möglichkeit geben ihren (Studien-)Alltag effizienter zu gestalten und Reserven zu mobilisieren. Zudem bereichern Seminare wie „Verhandeln“, „Gehirnjogging“ u.ä. das Spektrum.
Angebote innerhalb der Öffnungszeiten:
Zu den Tätigkeiten während der Öffnungszeiten gehören die Koordination der Anmeldungen für Seminare, die Beratung zum Erstellen von Referaten, Ausleihe von Literatur und Medien, Raumvermittlung und sonstige organisatorische Angelegenheiten.
2.3.2 Leitung der Wochenendveranstaltungen und Train-the-Trainer-Prinzip
Um den Studierenden in jedem Semester ein attraktives Angebot zur Verfügung stellen zu können, sind alle MitarbeiterInnen stets bemüht neues Wissen in die Seminare einzubringen. Die studentischen MitarbeiterInnen konzipieren die Veranstaltungsangebote selbst, führen sie durch und entwickeln sie weiter. Dabei sind sowohl Fortbildung der MitarbeiterInnen als auch Evaluation ein wichtiger Bestandteil der Qualitätsentwicklung. Veranstaltungsleitung und Train-the-Trainer-Prinzip Ein Team, bestehend aus zwei MitarbeiterInnen, bereitet gemeinsam ein Seminar vor und leitet dieses. Dabei werden neuere MitarbeiterInnen durch erfahrene MitarbeiterInnen in Leitungsrolle und Konzeptionen eingearbeitet. Hinterher wird die Veranstaltung in einem gegenseitigen Feed-Back reflektiert. Vor allem in den Veranstaltungen werden Studierende für die zukünftige Mitarbeit gewonnen, so dass ihre Erfahrung als Teilnehmende in ihre spätere Mitarbeit einfließt.
2.3.3 Qualitätsentwicklung: Evaluation und Fortbildung
Die Evaluation ist ein wichtiger Bestandteil im Projekt. Anhand der gewonnenen Erkenntnisse wird die Weiterentwicklung des Angebots der Moderationswerkstatt besprochen. In der Moderationswerkstatt wird jede Veranstaltung mittels Evaluationsbögen erfasst. Die Studierenden können Feedback geben über die Moderationswerkstatt allgemein, über die besuchte Veranstaltung und die VeranstaltungsleiterInnen. Außerdem geben sich die Seminarleiter gegenseitig Feedback. Die Auswertung der Bögen und Seminare erfolgt im unmittelbar darauf folgenden Teammeeting in Zusammenarbeit mit der wissenschaftlichen Projektleitung. Die MitarbeiterInnen des Projekts bekommen anhand der Evaluationsergebnisse und der anschließenden Teammeetings eine Reflexion über sich selbst und ihre Arbeit. Die pro Semester stattfindenden Fortbildungen sollen an diesen Evaluationsergebnisse anknüpfen und sowohl für das Angebot der Moderationswerkstatt als auch für die MitarbeiterInnen wertvolle Anregungen geben. Fortbildungen werden in enger Absprache mit den studentischen MitarbeiterInnen geplant. Diese werden regelmäßig durch die wissenschaftliche Projektleitung des Instituts, Dr. Ute Karl, angeboten.
2.3.6 Wissenschaftliche Projektleitung
Seit dem Sommersemester 2005 wird das Projekt durch Dr. Ute Karl als wissenschaftliche Mitarbeiterin begleitet und angeleitet. Zu ihren Aufgaben zählen die Unterstützung bei der Konzept- und Qualitätsweiterentwicklung sowie die Durchführung eines Seminars pro Semester im Bereich Präsentation, Moderation und Leitung von Gruppen/Gestaltung von Gruppenprozessen zur (Weiter-)Qualifizierung der studentischen MitarbeiterInnen. Sie ist Ansprechpartnerin für die studentischen MitarbeiterInnen und regelt mit ihnen kooperativ die Verwaltung der Finanzen.
3. Literatur
Chur, Dietmar: (Aus-)Bildungsqualität durch Schlüsselkompetenzen – zur Konkretisierung eines integrativen Bildungsverständnisses. Erscheint in: Colin/Latard/Umlauf: Germanistik – eine europäische Wissenschaft? [Online: www.uni-heidelberg.de/studium/SLK/paris2.pdf; Zugriff: Juni 2005]


