wir bieten...
Dekobild im Seitenkopf Unsere Philosophie zu „Weiterbildung und Organisationsberatung“
 

Weiterbildung und Organisationsberatung

Eine mit Organisationsberatung verquickte Weiterbildung steht inmitten einer teilweise aufgeregten Entgrenzungs-Debatte: Entgrenzung ist kein rein technischer Vorgang – es ist die Bereitschaft und die Folge einer Ablösung von ideologischer Binnenmoral – nämlich der Ideologie, dass die Kooperation mit der Wirtschaft die Wissenschaft einseitig determiniere und unverantwortlich abhängig mache. Selten entdeckte man in einer solchen Kooperation eine chancenreiche Lern-, Arbeits- und Problemlösegemeinschaft - nirgendwo deute man das gar als umfassendere Wertegemeinschaft, die die Grenzen von Innen und Außen zwar ein wenig verschwimmen lässt, aber die ein Bewusstsein dafür schaffen, dass Konvergenz in unterschiedlichsten Lebensbereichen normal ist und dass man die Zusammenarbeit reflektieren und beenden kann.

Die beschriebene Entwicklung berührt das neue dynamische Verhältnis zwischen Gesellschaft und Wissenschaft. Die immer enger werdende Interaktion zwischen diesen beiden Bereichen – so die Schlussfolgerung – ist Indikator für das Auftauchen einer neuen Art von Wissenschaft: einer kontextualisierten beziehungsweise kontext-sensitiven Wissenschaft.

Weiterbildung nach dem Prinzip „Involvieren (in laufende Prozesse)“ statt „Informieren“  findet statt in temporären, interaktiven und offenen Netzwerken, in der Akteure aus unterschiedlichsten sozialen Bereichen einbezogen sind und in denen heterogene Wissensformen und „verteilte“ Wissensbestände miteinander verknüpft werden. Vor diesem Hintergrund hat Werner Rammert (2003) die These formuliert, gegenwärtig bildeten sich eine neuartige „innovationsorientierte Wissenspolitik“, ein „Regime der heterogen verteilten Wissensproduktion“ sowie eine damit in Wahlverwandtschaft stehende Form der „fragmentalen Differenzierung“ jenseits einer säuberlichen funktionalen Differenzierung in spezialisierte Teilsysteme heraus.

Gibbons et al . diagnostizierten 1994 [1] eine neue Art der Wissensproduktion und nannten sie „Mode 2“.

  • Mit „Mode 1“ bezeichneten sie das Newtonschen Modell der Wissensproduktion – die Summe an kognitiven und sozialen Normen, welche die Produktion und Diffusion von Wissen determinieren. Mode 1 wird als akademisch, disziplinär, homogen, hierarchisch und konservativ charakterisiert und entspricht dem, was man im Allgemeinen unter Wissenschaft („Science“) versteht.
  • Mode 2 hingegen ist anwendungsorientiert, transdisziplinär, heterogen und antihierarchisch. Interdisziplinäre, kurzfristig zusammengestellte, Forschungsteams arbeiten mit PraktikerInnen gemeinsam an einem speziellen Problem. Die Wissensproduktion wird reflexiver und gegenüber der Gesellschaft rechenschaftspflichtig.

Die Debatte über neue Formen der Wissenschaft ist kontrovers. Auf der einen Seite wird darin ein Wandel der Wissenschaft gesehen. Auf der anderen Seite gibt es eine oft emotional gefärbte Ablehnung, die sich dagegen verwahrt, den in Jahrhunderten entwickelten wissenschaftlichen Leistungsstand leichtfertig aufs Spiel zu setzen. Häufig wird bezweifelt, dass die neuen Formen überhaupt noch Wissenschaft sind. Wir haben in den letzten 10 Jahren im Rahmen mehrerer Projekte versucht zu zeigen, dass heute ein Stand der Diskussion erreicht ist, der eine sachliche Auseinandersetzung über diese Fragen erlaubt.

In Ergänzung zu dieser Diskussion entsteht ein Paradigma, das man unter dem Rubrum "new production of knowledge" zusammenfassen kann. In visionären Konzepten, wie dem erwähnten "Mode 2" (Gibbons et al. 1994) [2], wird eine wissenschaftliche Denkrichtung beschrieben, mit der die als defizitär empfundenen disziplinären Merkmale der traditionellen Wissenschaft fruchtbar gewendet werden können: Das Originelle daran ist der durchgängige trans-disziplinäre Fokus. Beförderte der interdisziplinäre Blick schon die Einsicht, dass die quer zu den Disziplinen liegenden Probleme aus den Kompetenzbereichen der arbeitsteilig organisierten Wissenschaft herausfallen, wird die Aufmerksamkeit nun darauf gelenkt, dass es nicht nur um die Zusammenführung mehrerer Disziplinen geht, sondern vor allem um deren Erneuerung und Re-Kombination der disziplinären Errungenschaften im Lichte neuer Fragestellungen, die sich innerhalb einer problemrelevanten Praxis ergeben.

Transdisziplinarität charakterisiert wesentlich die "new production of knowledge". So unterscheidet sich die erwähnte Mode 2-Forschung von herkömmlicher Wissenschaft dadurch, dass sich Mode 2 flexibel organisiert im jeweiligen Problemkontext abspielt, dass dort auf vielfältige Wissensbestände zurückgegriffen, das Denken und Handeln in Netzwerken sowie die zeitlich befristete, gleichwohl konsequente Beteiligung von Problembetroffenen konstitutiv ist. Ob ein so tiefgehender Wandel der Wissenschaft erfolgt, dass die traditionelle Wissenschaft in Mode 2 aufgehen werde, soll hier nicht behauptet werden. Aber eine hierdurch geförderte Bezugnahme von Wissenschaft auf die Problemdiskussion in der Gesellschaft wird grundsätzlich bejaht. Zu fragen bleibt allerdings,  wie mit akademischen Qualitätsstandards umgegangen wird. Ideen hierzu sind die permanente Reflexion (Peer Reviewing) sowie die Interaktion mit Mode 1. 

Schließlich sehen wir uns dem Konzept einer „shared community“ [3] verbunden, einer eng gesponnenen Gemeinsamkeit des Diskurses, des Wissens, der Praxis und des Vertrauens. Natürlich ist uns allzu gut vertraut, dass diese  unbefangene Gemeinsamkeit zwischen Wissen und Wirtschaft, zwischen Hochschulen und Unternehmen in Deutschland immer noch außerordentlich schwer beäugt wird. Das liegt an beiden Seiten. In unserem Grundverständnis von Organization Studies sind die Wechselbeziehungen zwischen Hochschule und Wirtschaft am zutreffendsten gekennzeichnet durch das Bewusstsein einer „Ökologie des Wissens“, einer „knowledge ecology“, wie Brown und Duguid es einmal nennen. Zu dieser Ökologie gehört natürlich Wissen von hoher Qualität und beträchtlicher Breite und Vielfalt. Vor allem aber gehört dazu ein gegenseitiges Vertrauen, um ‚der anderen Seite’ mit Unbefangenheit, Respekt und Neugier zu begegnen. Dieses abschließend betonte Vertrauen zwischen Wissenschaft und Wirtschaft, zwischen Hochschulen und Unternehmen wollen wir mit unseren Projekten, die wir als Wissenschaftler (durch Verträge im expliziten Auftrag unserer Hochschule) durchführen, ein Stück voranbringen helfen.

[1] Gibbons M. et al. (1994): New Production of Knowledge: Dynamics of Science and Research in Contemporary Societies. London

[2] Wenigstens Erwähnung finden sollen auch Konzepte wie das "post-normal science" (Funtowicz, Ravetz 1993) und "endogene Wissenschaft" (Rössler 1992; Atmanspacher, Dalenoort 1994; Nowotny 1996),

 

[3] Brown und Duguid (2000, 20ff.).

 
 

Aktuelles

organization studies moderiert erneut Zukunftsprozess in Weißrussland (> News)

organization studies führt Präsenzphase zum "Internationales Bildungsmanagement" in Russland durch  (> News)

Master-Studiengang organization studies stark nachgefragt (> News)

organization studies fomuliert Positionsbestimmung zur beruflichen Bildung (> News)

organization studies qualifiziert Multiplikatoren für künftige Stellverteter-Qualifizierungen (> News)

Anmeldungen

Bewerbungsschluss für den Studiengang organization studies ist der 15.7. eines jeden Jahres. Eine Anmeldung zu Modulen ist jederzeit möglich. Die Formulare finden Sie hier.

organization studies

Logo organization Studies

Leitung:
Dr. Herbert Asselmeyer 

organization studies
Keßlerstr. 57, 31134 Hildesheim
Tel. +49 (0)5121 - 883-240
Fax +49 (0)5121 - 883-244

Das Profil von organization studies (PDF)

Öffnungszeiten
Mo - Fr 10:00 - 12:00 Uhr
Di, Do 15:00 - 18:00 Uhr 
infoorganization-studies.de