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Report von der 3. Hildesheim Model
United Nations Simulation (HiMUN)
der Stiftung Universität Hildesheim in Kooperation mit den Gymnasien
Josephinum und Himmelsthür
Bericht von der 2. Hildesheimer Model United Nations (HiMUN) - 27.
und 28. Juni 2008
Wie bereits im
Wintersemester 2007/2008 veranstaltete das Institut für
Sozialwissenschaften der Universität Hildesheim mit Unterstützung
der Konrad-Adenauer-Stiftung als Auftaktveranstaltung zur HiMUN eine
Podiumsdiskussion im Gymnasium Josephinum. Das diesjährige Thema der
Diskussion fiel mit einer aktuellen wirtschaftspolitischen
Entwicklung zusammen, die über Wochen die Titelseiten der großen
deutschen Tages- und Wochenzeitungen bestimmte. Der Gaskonflikt
zwischen Russland und der Ukraine fand sich dann auch in der
Diskussion zum Thema "Globale Energiesicherheit und die Rolle der
Regionalmächte" wieder und wurde von den etwa 200 Gästen im Forum
des Josephinums gespannt verfolgt.
Die Pressestelle der Stiftung Universität Hildesheim veröffentlichte
am Freitag, den 30.1.2009 folgende Presseerklärung zur
Podiumsdiskussion (in Auszügen nach
http://www.uni-hildesheim.de/de/30352_36902.htm):

„Nach Grußworten
des Leiters des Bildungswerkes der Konrad-Adenauer-Stiftung
Hannover, Herrn Jörg Jäger und des Schulleiters des Josephinums
Herrn Benno Haunhorst diskutierten Dr. Godelieve Quisthoudt-Rowohl (Mitglied
des Europäischen Parlamentes); Diplom-Geologe Hilmar Rempel von der
Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe Hannover; Dr.
Peyman Javaher-Haghighi, Universität Hildesheim, Fachbereich
Sozialwissenschaften und Dr. Kirsten Westphal, Stiftung Wissenschaft
und Politik, Berlin. Es moderierte Prof. Dr. Claudia Derichs,
Direktorin des Instituts für Sozialwissenschaften der Stiftung
Universität Hildesheim. […] Für die konkrete Bildungsarbeit der
Universität Hildesheim bot diese Podiumsdiskussion einen prominenten
Auftakt des Veranstaltungsformates "Model United Nations", das seit
nunmehr drei Semestern erfolgreich mit den Gymnasien Josephinum und
Himmelsthür durchführt wird.“
Zu Beginn der Podiumsdiskussion hatte jede/r Diskussionsteilnehmer/in
Zeit, den eigenen Standpunkt zu erläutern und damit natürlich auch
den individuellen Hintergrund mit einzubringen. Hilmar Rempel gelang
es mit einigen Folien die Ressourcenverteilung von Öl und Gas für
die Gäste zu veranschaulichen und die Förderungsprobleme von Öl, Gas
und Kohle aus geowissenschaftlicher Sicht auch für den Laien
verständlich zu machen. Vor allem Ölvorkommen als natürliche
Ressourcen sind geographisch vorwiegend in der sogenannten
strategischen Ellipse zu finden, der Region also, die sich vom Nahen
Osten bis in die sibirischen Gebiete Russlands erstreckt (vgl.
Grafik).

©
Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe
Darüber hinaus wird erwartet, dass im
Jahre 2020 der sogenannte Peak Oil erreicht sein wird. Nach diesem
Punkt in der Erdölförderung wird die Fördermenge sich stetig
verringern, da kaum noch neue Ölfelder entdeckt werden und etliche
Ölquellen versiegen werden. Aus dieser Sicht lässt sich auch die
geostrategische Lage und Bedeutung der Arktis in einem neuen Licht
sehen, denn hier werden noch hohe Fördermengen an Öl vermutet. In
Bezug auf die Versorgung Europas mit Erdgas zeigte Herr Rempel
anhand des Pipeline-Netzwerkes in die Europäische Union die
Abhängigkeit von ausländischen Energieimporten auf und verwies auf
die in Planung bzw. im Bau befindlichen Projekte North Stream (Ostseepipeline)
des russischen Energiekonzerns Gazprom und des deutschen
Energiekonzerns Eon sowie auf das Nabucco-Projekt des
österreichischen Mineralölkonzerns OMV und des deutschen
Energieversorgers RWE.
Frau Quisthoudt-Rowohl verwies zu Beginn ihres Statements auf die
Bedeutung von wachsenden Regionalmächten wie China und Indien, deren
Wirtschaftswachstum zwangsläufig auch einen erhöhten Energiebedarf
nach sich zieht. Die Ressourcenverteilung wird sich in Zukunft also
immer schwieriger gestalten. Gleichzeitig können die
Energieeinsparungen zum Beispiel der Europäischen Union den
steigenden Verbrauch in anderen Ländern keineswegs ausgleichen
geschweige denn eindämmen. Die EU und gerade Deutschland sind für
ihren Energiebedarf auf Lieferungen aus der Russischen Föderation
angewiesen, gerade weil der Atomausstieg in Deutschland die
Energieabhängigkeit von außen, zum Beispiel im Gegensatz zu
Frankreich mit einer eigenen Energieerzeugung aus Nuklearenergie von
bis zu 30 Prozent, verstärkt. Die Mitgliedsstaaten der Europäischen
Union verfolgen darüber hinaus sehr unterschiedliche
Energiesicherungsstrategien, so dass man auch von einem
Flickenteppich in der europäischen Energielandschaft sprechen kann.
Frau Westphal nahm in ihrem Eingangsstatement die Beziehungen
zwischen energieimportierenden Ländern und Energielieferländern auf.
Neben der strategischen Ellipse der Ölvorkommen beobachtet sie die
Entstehung einer „Achse der öl- und gasreichen Länder“ wie etwa
Russland, Venezuela und Algerien. Energielieferverträge werden
gerade von russischer Seite aus immer häufiger im Rahmen sogenannter
„Paketlösungen“ abgeschlossen, die Energie, Handel und militärische
Kooperationen einschließen. Die Rolle internationaler Organisationen
auf den Energiemärkten ist kaum wahrnehmbar. Durch die Verknappung
von Rohstoffen zeigt sich aber gerade im Bereich der Energiepolitik
eine wahrnehmbare Politisierung, welche zukünftig in
zwischenstaatliche und regionale Konflikte übergehen kann.
Energiesicherheit ist dabei, ein integraler Bestandteil
internationaler Friedenspolitik und Konfliktprävention zu werden.
Nicht nur die Verletzung von Menschenrechten im Zuge der Ausbeutung
von natürlichen Ressourcen in etlichen Ländern, sondern auch das
Sicherheitsbedürfnis jedes Nationalstaates auch in Bezug auf
Energieversorgung darf nicht isoliert betrachtet werden, sondern
muss in einen internationalen Diskurs zur allgemeinen
Energiesicherheit übergehen.
Herr Javaher-Haghighi betonte, ähnlich wie Frau Westphal, die
immense Bedeutung der Energiesicherheit für die internationalen
Beziehungen. Außerdem sieht er für die Weltgemeinschaft massive
Probleme bei der Umstellung von ölgestützter Energie auf eine
erneuerbare Energieversorgung in der Ära nach dem Oil Peak.
Mangelndes Bewusstsein ist in dieser Hinsicht auch in der
Umweltpolitik zu beobachten, welche sich in einem umfassenden
Energiesicherheitsbegriff neben wirtschaftlichen, politischen und
sozialen Maximen wiederfinden muss. Globale Entwicklungsbemühungen
müssen demnach auch auf die Bekämpfung der Energiearmut ausgeweitet
werden. Die jeweilige Rolle der Regionalmächte im Politikfeld
Energie muss differenziert betrachtet werden und auch die jeweilige
Stellung als Energieproduzent, Energieimporteur oder Transferland.
Aus Sicht Herrn Javaher-Haghighis deklassiert sich der Iran als
verlässlicher Partner in der Energiepolitik durch eine ungemeine
Politisierung und Ideologisierung der Energiepolitik. Nicht nur
moralisch sei es dadurch für den Westen unvertretbar,
Wirtschaftsbeziehungen im Feld der Energieversorgung aufzunehmen,
sondern auch wirtschaftlich und politisch unvernünftig. Die
Verwendung von Energieressourcen als politische und wirtschaftliche
Waffe ist aber ein Verhalten, das sich laut Frau Westphal und Herrn
Rempel auch für Russland beobachten lässt. Während Frau Westphal die
Notwendigkeit sieht Russlands aggressiver Energiepolitik klare
Grenzen seitens der EU zu setzen, sieht Herr Rempel durchaus das
Recht Russlands die eigenen Ressourcen in die Politik mit
einzubringen. Die Frage stellt sich nur wie provozierend Russland
mit seinem Verhalten auf den Absatzmärkten bereit ist zu agieren,
denn ein gutes Verhältnis zu den Energieimporteuren ist gerade in
der aktuellen Finanzkrise für die russische Wirtschaft
lebensnotwendig, da bis zu 60 Prozent des russischen
Wirtschaftaufkommens sich aus Energieexporten speisen.
Eine umfassende Energiesicherheit lässt sich laut Herrn Rempel und
Frau Westphal nur anhand von vier Kriterien erreichen: erstens durch
eine Diversifizierung der Energieimporte, zweitens durch einen
Energiemix aus natürlichen und erneuerbaren Energieträgern, drittens
durch eine Erhöhung der Energieeffizienz und viertens durch
Energieeinsparungen. Ein Dialog zur Energiesicherheit darf nicht nur
auf regionaler Ebene stattfinden sondern muss zwingend auch in einen
internationalen Dialog z.B. im Rahmen zwischenstattlicher
Organisation eingebunden werden gerade im Hinblick auf den
verwandten Bereich der Klimaschutzpolitik. Frau Quisthoudt-Rowohl
verwies in diesem Zusammenhang auf das Beispiel der europäischen
Energiesicherheitsstrategie 20/20/20 bis 2020, die in ihrer jetzigen
ambitionierten Form aber kaum übertragbar auf die internationale
Ebene ist.
Zum Abschluss der Podiumsdiskussion bat Frau Prof. Derichs
schließlich die Hauptakteure der nächsten zwei Sitzungstage des
HiMUN Security Councils auf die Bühne: die Delegierten der Länder
Belgien, Burkina Faso, China, Kroatien, Frankreich, Indonesien,
Italien, Libyen, Panama, Russland, Südafrika, Vereinigte Königreich
von Großbritannien und Nordirland, Vereinigte Staaten von Amerika
und Vietnam. Als Sondergesandter wurde außerdem eine Vertreterin der
Bundesrepublik Deutschland zu den Sitzungen des höchsten Gremiums
der UN geladen (siehe Foto).

© Springer, Stiftung Universität Hildesheim
Sowohl von Seiten der Konrad-Adenauer-Stiftung, als auch der
Universität Hildesheim und des Schulleiters des Josephinums wurde
mit dieser zweiten Auftaktveranstaltung eine sich etablierende
Tradition bekräftigt, die mit der Hoffnung auf weitere informative
und spannende Eröffnungen der HiMUN jeweils im Wintersemester
verbunden ist.
Die Simulation des
Weltsicherheitsrates am 30. und 31. Januar 2009
Am ersten Tag der Simulation des HiMUN-Weltsicherheitsrates im
neuerworbenen Gebäude der Universität in der Lübecker Straße zeigte
sich unter den Delegationen eine Spaltung in zwei Lager in der
nationalen Haltung zum Thema “Energy security in the 21st century
and the nuclear program of Iran”. Die Ländergruppe um die USA und
die EU-Vertreter Frankreich, Italien, Belgien, Großbritannien und
Deutschland sprachen dem Iran zwar ein Recht auf friedliche Nutzung
der Nuklearenergie zu, wollten sich aber nicht auf ein eigenes
Uran-Anreicherungsprogramm für den Iran einlassen. Vielmehr wurde
eine Belieferung des Irans mit angereichertem Uran angedacht. Die
Ländergruppe um Südafrika, Panama, Indonesien und die Russische
Föderation dagegen argumentierte für ein eigenes iranisches
Uran-Anreicherungsprogramm unter der Aufsicht eines internationalen
Konsortiums. Denn – so die Verfechter – nur ein eigenes
Uran-Anreicherungsprogramm bietet die Energiesicherheit, die nicht
nur Länder wie die Vetomächte und Mitglieder der EU bereits genießen.
Auf Lieferungen aus dem Ausland angewiesen zu sein, würde den Iran
immer der Gutmütigkeit der internationalen Gemeinschaft ausliefern.
Die Rolle der Internationalen Atomenergiebehörde sowie die Vorgaben
des Nonproliferationsvertrages standen in den Diskussionen auf dem
Prüfstand. Nach einer Sitzungsunterbrechung gelang es den
Vorsitzenden der Simulation einen Vertreter der islamischen Republik
Irans zu den Beratungen einzuladen (gespielt vom Lehrbeauftragten
des Instituts für Sozialwissenschaften Daniel Fleschenberg dos Ramos
Pinéu), der sich für etwa 30 Minuten den Fragen der versammelten
Delegierten stellte, um den iranischen Standpunkt in der Diskussion
deutlich zu machen. Vor allem die schwierigen historischen
Beziehungen zu den USA kamen hierbei zum Vorschein. Doch ganz im
Sinne der Linie der neuen Administration in Washington zeigte sich
der US-amerikanische Delegierte in der direkten Konfrontation
kompromissbereit. Auch von iranischer Seite hoffte der
Sondergesandte auf eine beiderseitige Entspannung der Lage.
Am zweiten Tag der Simulation waren die Delegierten schwerpunktmäßig
mit der Vorbereitung von Entwürfen für Resolutionen beschäftigt.
Zwei Entwürfe konnten schließlich in der allgemeinen Debatte
besprochen werden und für beide sogenannte „draft resolutions“ gab
es dann auch mehrere Ergänzungen („amendments“), die in die
jeweiligen Entwürfe übernommen werden sollten. Die Geschäftsordnung
des Gremiums sieht hierfür einen langwierigen Debattier- und
Abstimmungsprozess vor, so dass nicht alle Abänderungen übernommen
werden konnten. Einige scheiterten bereits in der Abstimmung, andere
konnten nicht mehr rechtzeitig vor Ende der Sitzung eingebracht
werden. In der Endabstimmung zu den beiden „draft resolutions“
scheiterten beide Entwürfe am Veto eines der fünf ständigen
Mitglieder. Frankreich und die Russische Föderation lehnten die
jeweils entgegengesetzte Resolution als nicht akzeptabel aus der
jeweiligen nationalen Sichtweise auf das Thema ab.
Im Sommersemester 2009 plant das Faculty Team der HiMUN eine Gruppe
von SchülerInnen und Studierenden zu der international ausgelegten
Ruhr-MUN zu schicken. Hier werden die Delegierten mit Vertretern aus
Deutschland und muslimischen Ländern die Möglichkeit haben,
Weltpolitik zu diskutieren und zu simulieren sowie an einem
kulturellen Rahmenprogramm teilzunehmen. Die Vorbereitung auf die
Delegationstätigkeit in Duisburg im Juni 2009 wird deshalb
schwerpunktmäßig im April und Anfang Juni stattfinden, evtl. in
einer oder zwei Blocksitzung/en. Bereits im April 2009 wird eine
Gruppe von sechs Studierenden der Universität Hildesheim und zwei
Schülerinnen des Gymnasiums Himmelsthür nach New York zur
diesjährigen National Model United Nations-Veranstaltung reisen, um
dort gemeinsam mit TeilnehmerInnen der Partneruniversität Bowling
Green State University, Ohio die Länder Polen und Litauen in den
simulierten Gremien der Vereinten Nationen zu vertreten.
Zum Abschluss der HiMUN im Wintersemester 2008/2009 versammelten
sich die Delegierten zum obligatorischen Abschlussfoto:

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