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Rede des Dekans des Fachbereichs Zwei, Prof. Dr. Wolfgang Schneider


Kommilitoninnen und Kommilitonen,
meine Damen und Herren,
Herr Vizepräsident,
lieber Kollege Nolte,
sehr verehrter Herr Prof. Dr. Werner Hofmann!

Der Rat des Fachbereiches Kulturwissenschaften und Ästhetische Kommunikation der Universität Hildesheim hat in seiner Sitzung vom 15.11.2000 den einstimmigen Beschluss gefasst, Herrn Prof. Dr. Werner Hofmann mit der Ehrendoktorwürde auszuzeichnen.
Herr Prof. Dr. Werner Hofmann hat sich durch seine Kunstforschungen zum 18. und 20. Jahrhundert sowie durch seine thematischen Ausstellungen zur Spätaufklärung und Romantik in gleicher Weise hervorgetan. Er deckt in seiner Person und in seinen Publikationen in geradezu idealtypischer Weise das von unseren Studiengängen angestrebte Profil des operational – im weitesten Sinn auch kulturpädagogisch – ausgerichteten Kulturwissenschaftlers ab und hat vielen unserer Studierenden persönliche und berufliche Ermutigungen in seiner zeit als Direktor der Hamburger Kunsthalle gewährt. Zudem ist Werner Hofmann durch seine instruktiven Bücher, vor allem durch seine vielfach aufgelegte „Grundlagen der modernen Kunst – Eine Einführung in ihre symbolischen Formen“ seit langem so etwas wie ein stiller Beteiligter an unserer Lehre und damit auf dem Campus überaus präsent. Bei Literaturhinweisen zu den mündlichen Prüfungen finden sich im Fach Kunst regelmäßig auch die Standardwerke: Das irdische Paradies. Motive und Ideen des 19. Jahrhunderts und: Das entzweite Jahrhundert. Kunst zwischen 1750 und 1830.

Anzunehmen ist ferner, dass angesichts der auch international herausragenden Stellung, die Werner Hofmann in der Kunstwissenschaft und in der Museumswelt innehat sich unser Fachbereich durch diese Vergabe der Ehrendoktorwürde in nicht geringem Maße selber ehrt. Zudem möchten wir durch diesen Vorgang bekunden, dass es uns eine Verpflichtung zur Weiterentwicklung ist und dass diese Entwicklung auf einen Lehr- und Forschungsbereich Ausstellungswesen sowie Kunstpublizistik gelenkt werden kann. „Es gibt keine Kunst, sondern nur Künste“. Das behauptet unser Ehrendoktor in dem Suhrkampbändchen „Gegenstimmen“, das neunzehn Aufsätze versammelt, denen gemeinsam ist, das in ihnen gegen den Strich von kunsthistorischen Klischees und Lehrmeinungen argumentiert wird. Ich zitiere aus dem Vorwort: “Es geht um das 20. Jahrhundert, aber nicht um die Befestigung des Wunschinhalts „moderne Kunst“, sondern um eine Vielzahl aus grenzüberschreitenden Kunstwirklichkeiten, die sich im dialektischen Gegeneinander von aufsprengenden und konsolidierenden Kräften ereignen: auf die anarchische Eruption folgt deren Musealisierung, darauf wieder der Ausbruch in das politische Engagement, der wieder von der Kommerzialisierung eingeholt wird.“

Hofmann befragt seine Themen nach den Gegenstimmen, heißt es in einer Buchbesprechung, die in ihnen stecken, er zeigt produktive Widersprüche, aber auch unvermutete Übereinstimmungen auf. Die Wiener Jahrhundertwende und der Jugendstil überhaupt verlieren so ihre einstimmige Fassung und zerfallen in Dissonanzen; die Surrealisten, professionelle Umstürzler, bekommen Stammbäume, die sie als Fortsetzer der Tradition ausweisen; Trotzkis Kunsttheorie zeigt sich als Summe einer langen Überlieferung; unter dem Gesichtspunkt der „Verwandlung“ treten Schönberg, Kandinsky und Mondrian auf eine gemeinsame strukturelle Plattform. Das passt zu uns, und ich behaupte ebenso salopp: Der passt zu uns.

Ein Kunsthistoriker, der sich der Fragwürdigkeit der Kunst nähert, der zudem spielerisch damit umzugehen weiß, der die gesellschaftsverändernde Kraft des Museums ausprobierte und die Kunstgeschichte als Lebenskunst propagiert. Ja, er äußert sich sogar kulturpolitisch! Aber wieso eigentlich sogar? Bei dieser Biographie ist das selbstverständlich. Und das passt nun wahrscheinlich zu den Hildesheimer Kulturwissenschaften. Ich erlaube mir in diesem Zusammenhang eine Passage zu zitieren, die aus der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom 09.02.2000 stammt, in der Werner Hofmann angesichts einer blau-schwarzen Koalition in Österreich Künstler und Intellektuelle, Forscher und Publizisten aufruft, in die Öffentlichkeit zu gehen, von den Kulturpolitikern (und denen, die sich dafür halten) klare Stellungnahmen über ihr Kunstverständnis zu verlangen und den dortigen Kultursenat ermahnt, Initiative zu ergreifen und vom Staat eine kulturpolitische Bürgschaft einzufordern. Hofmann fragt: „Wie halten es die Amtsträger mit den Künsten und ihren elementaren Freiheiten? Welchen Stellenwert billigen sie dem Experiment, der Provokation zu? Sind sie bereit, unpopuläre Projekte mitzutragen? Oder wollen sie nur volle Häuser und Ausstellungen, die Massen anziehen? Erst wenn die Antworten auf diese und andere Fragen ausweichend (in der österreichischen Amtssprache: dilatorisch) ausfallen, wird man wissen, woran man ist.“

Herr Hofmann, mit so einer Haltung dürfen Sie gern auch einmal als Vortragender bei mir im Fach Kulturpolitik zu Gast sein. Rund 30 Studierende hatten vor zwei Wochen auch die Möglichkeit in ’ihre’ Hamburger Kunsthalle auf Exkursion zu gehen und konnten sich davon überzeugen, dass ihre Museumsarbeit auch die Museumspolitik nachhaltig bereichert. Da passen Sie nicht nur gut zu uns, sondern sie passen auch gut mit dem letzten Ehrendoktor unseres Fachbereichs zusammen. Hilmar Hoffmann lässt Sie alle und insbesondere Sie, Herr Hofmann, grüßen. Er muss heute an einem parlamentarischen Arbeitskreis der UNESCO in Berlin teilnehmen, wird uns aber morgen die Ehre erweisen, mit einem Festvortrag bei der feierlichen Verleihung der Diplomurkunden hier in Hildesheim zugegen zu sein. Von Hoffmann zu Hofmann heißt allerdings nicht, dass der Fachbereich nur noch solche Namensvetter, ob mit einem oder zwei F, mit Ehrenpromotionen auszeichnet. Es gibt noch ganz andere Namen zu nennen: Die Dichter Christa Wolf und Martin Walser, die Lokalmatadoren Hermann Rappe und Lore Auerbach, oder etwa auch Rita Süssmuth. In dieser Gesellschaft sind Sie, sehr verehrter Herr Hofmann, nun Mitglied geworden. Ein feiner Kreis, mit bewundernswerten Lebensleistungen für Kunst und Kultur, versammelt an der Universität Hildesheim, um unsere Studien auch durch kluge Köpfe, durch große Namen, durch herausragende Biographien identifizieren zu können und durch ihre Nähe zu unseren Gegenständen und Methoden hervorzuheben aus einem allzu weiten Felde.

Im Namen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, im Namen der Lehrenden und etwa 1.000 Studierender, seien Sie uns, sehr verehrter Herr Hofmann, herzlich willkommen – als Ehrendoktor der Kulturwissenschaften in Hildesheim. Und bleiben Sie uns mit Rat und Tat verbunden.

Meinen ganz persönlichen Glückwunsch!

Prof. Dr. Wolfgang Schneider



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