Diversity and Social Protection among Turkish Residents in Germany and Australia
Projektleitung: Prof. Dr. Claudia Derichs ProjektmitarbeiterInnen: Dr. Andrea Fleschenberg dos Ramos Pinéu, Yasemin Ciftci, Elisa Bader Assoziierte Mitglieder: Safiye Huy, Annette Hoppe Projektstatus: laufendes Forschungsprojekt (Förderung durch den DAAD) Fachliche Zuordnung: Politikwissenschaft, Soziologie
Projektbeschreibung:
Das Projekt richtet sich auf die Untersuchung der Konzepte zur sozialen Sicherung innerhalb der türkisch-muslimischen Migrantengemeinschaften in Australien und Deutschland. Das Hauptaugenmerk gilt der Frage, ob türkische Muslime in beiden Ländern auf die traditionellen islamischen Institutionen sozialer Sicherung zurückgreifen oder sich vollständig auf die vom Staat gewährten Sozialleistungen einlassen. Erwartet werden Ergebnisse, welche für den Umgang mit kultureller Diversität neue, für die Integrationspolitik und das Paradigma des Multikulturalismus verwertbare Erkenntnisse hervorbringen.
Das Projekt basiert auf einer Kooperation mit KollegInnen von der Monash University in Melbourne, Australien, unter Leitung von Dr. Wendy Smith. Gemeinsame Workshops und Feldforschungsunternehmungen, Konferenzvorträge sowie eine gemeinsame Buchpublikation bestimmen in den Jahren 2008 und 2009 die Arbeitskooperation.
Hinsichtlich der Projektziele orientieren sich beide Arbeitsgruppen auf substanzielle Erkenntnisse zum Empfinden von sozialer Sicherheit (formal und emotionale Dimension sozialer Sicherheit) in den Wohlfahrtgesellschaften Australiens und Deutschlands. Die untersuchten Bevölkerungsgruppen sind in beiden Fällen die türkisch-muslimischen Migrantengemeinschaften in den urbanen und industriellen Ballungsräumen (Melbourne und Sydney in Australien, das Ruhrgebiet und der Großraum Berlin in Deutschland). In beiden Ländern sind diese Gemeinschaften in besonderer Weise vom Rückgang der industriellen Güterproduktion betroffen worden. Ihre soziale Mobilität ist auch in der zweiten und dritten Generation im Vergleich zur Mehrheitsgesellschaft niedriger. Die staatlichen sozialen Sicherungssysteme in Australien und Deutschland erfassen die Migrantengemeinschaften, stellen jedoch unserer Vermutung nach nicht die einzigen Quellen dar, um Situationen sozialer Unsicherheit abzufedern. Inwieweit das emotionale Empfinden von Sicherheit und „Sicher-sein“ in einer säkular organisierten, mehrheitlich nicht-muslimischen Gesellschaft von der Integration in diese abhängt, ist ein Erkenntnisziel der Projektarbeit.
Laufende Qualifikationsarbeiten: Diplom-, MA-Arbeiten und Dissertationen:
Magisterarbeit Elisa Bader: Bildungschancen und Bildungsaspirationen türkischer MigrantInnen in Deutschland und Australien - Ein Stimmungsbarometer
Die Magisterarbeit entsteht im Rahmen des Forschungsprojektes in Kooperation zwischen den Fächern Internationales Informationsmanagement und Politikwissenschaft. Im Mittelpunkt der Arbeit stehen die Bildungschancen und Bildungsaspirationen türkischer MigrantInnen in Deutschland und Australien. Das Hauptaugenmerk der Arbeit liegt vor allem auf der Wahrnehmung und den Erwartungen der Eltern an das jeweilige Bildungssystem, auf der Feststellung ihrer familialen Ausgangssituation und der Angebotssituation von (kulturspezifischen) Informationsveranstaltungen, Förderunterricht, Nachhilfeangeboten, Religionsunterricht, Kinderbetreuung etc. durch Schulen, Familien selbst und anderen Akteuren (Gemeinden, private Anbieter, Vereine und Verbände etc.) sowie deren Inanspruchnahme. In diesem Rahmen führe ich qualitative problemzentrierte Interviews mit türkischen Eltern, die durch strukturierte Fragebögen ergänzt werden. Für eine ganzheitliche Betrachtungsweise der mit großer medialer Aufmerksamkeit geführten Diskussionen um Kinder aus Migrantenfamilien in Deutschland ist es für mich von besonderem Interesse, diese Thematik aus dem Blickwinkel der Eltern zu erfassen und dabei die Frage aufzuwerfen, welchen Unterschied es macht, nach Deutschland oder Australien ausgewandert zu sein.
Dissertation Annette Hoppe: Die Entwicklung und Ästhetik im „Kino der Kulturen“– Migration im Film. Analysiert an den Darstellungen der „allochthonen Frauenfiguren“
Seit Beginn der ersten bundesdeutschen Einwanderungswelle durch die so genannten „Gastarbeiter“ setzt sich das deutsche Kino und Fernsehen mit der Thematik auseinander. Mit den Gastarbeitern und dem Problemkreis der Fremdheit, Sehnsucht nach der alten Heimat, Ausländerfeindlichkeit bis hin zum Rassismus, der deutschen Bürokratie, dem Lagerleben, der Ghettoisierung und der Sprachbarrieren stehen diese Topoi in der öffentlichen Diskussion und sind Gegenstand der Forschung, Politik sowie der Kunst und Medien und finden ihren Ausdruck auch in der Darstellung im Film.
Die Forschung zum „Kino der Kulturen“ steht noch am Anfang. Seit den 1990er Jahren gibt es eine punktuelle Auseinandersetzung mit dem Thema. Die am deutlichsten dabei hervortreten, sind Knut Hickethier in „Getürkte Bilder“ (1996) und Georg Seeßlen in verschiedenen Aufsätzen (ab 2000). Am Beispiel der Frauendarstellungen ist es das Ziel dieser Arbeit, die Entwicklung und Ästhetik des „Kino der Kulturen“ zu bestimmen und eine Typologisierung vorzunehmen.