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Dienstag, 06. März 2012   / 2 Jahre

Kulturelle Vielfalt als Chance: Weiterbildungsstudiengang öffnet Hochschultüren

Musiker, Lehrkräfte und Sozialarbeiter aus sieben Ländern nutzen das Potenzial der Musik für ihre Arbeit. Der Weiterbildungsstudiengang „Kulturelle Diversität in der musikalischen Bildung“ an der Stiftung Universität Hildesheim öffnet Hochschultüren. Viele der 24 Studierenden im Alter von 20 bis 60 Jahren haben Erfahrungen in der Integrationsarbeit. Am Wochenende setzten sich die Studierenden mit der Stimme im Kulturvergleich auseinander.

Seit 30 Jahren ist Yusuf Sengör Lehrer für herkunftssprachlichen Türkischunterricht. Im Januar hat sein Studium an der Stiftung Universität Hildesheim begonnen. „Um mein erstes Zupfinstrument, eine Saz, kaufen zu können, habe ich auf dem Baumwollacker in der Türkei gearbeitet. Endlich darf ich Musik studieren! Ich bin sehr glücklich“, erklärt der 54-Jährige. „Mit Musik kann man in der Integrationsarbeit mehr erreichen als manch einer glaubt. Musik verbindet Menschen gleich welcher Herkunft“, ist Sengör überzeugt. Er greift auf vielfältige Erfahrungen in der Integrationsarbeit zurück, arbeitet an niedersächsischen Schulen mit Kindern, von denen bis zu 60 Prozent eine Zuwanderungsgeschichte haben. 

Tinatin Tsereteli kam als Elfjährige aus Georgien nach Deutschland. „Ich überstand die Zeit der Sprachlosigkeit, Heimatlosigkeit und die Musikferne im Flüchtlingsheim.“ Nach ihrem Kulturwissenschaftsstudium an der Universität Hildesheim beginnt sie mit dem berufsbegleitenden Studium. Tsereteli sieht in der musikalischen Bildung die Möglichkeit, eine Brücke zu bauen zwischen Menschen unterschiedlicher sozialer und kultureller Herkunft.

Berufsbegleitende musikethnologische und -pädagogische Ausbildung

In den nächsten zwei Jahren erfahren 24 Studierende eine berufsbegleitende  musikethnologische und -pädagogische Ausbildung. Georgien, Marokko, Türkei, Kasachstan, Russland und Iran – 40 Prozent der Studierenden haben einen Migrationshintergrund. 

Zu den Lehrinhalten zählt die musikalische Praxis, neben den theoretischen Seminaren zu Musikethnologie, Interkulturalität, Musik und Soziale Arbeit, Musikpädagogik und Projektmanagement. Jeder Studierende erlernt ein Instrument einer anderen Kultur. Yusuf Sengör hat sich für die Gitarre entschieden. „Musikalischen Fremdsprachenerwerb" nennt Prof. Dr. Raimund Vogels, Direktor des Center for World Music, dieses Konzept. Im Rahmen der dritten Präsenzphase an diesem Wochenende stand das Thema „Stimme im Kulturvergleich" im Mittelpunkt der Betrachtungen. 

Weiterbildungsstudiengang öffnet Hochschultüren

Eine Besonderheit des Studiengangs ist, dass die Auswahl der Studierenden für das Zertifikatsstudium aufgrund der Motivation und der künstlerischen Kompetenzen des Einzelnen getroffen wurde – nicht aufgrund der vorherigen Ausbildung. Auch Berufstätige ohne Abitur oder deren Abschluss in Deutschland nicht anerkannt wird, haben die Möglichkeit, sich durch ein Studium weiter zu qualifizieren. „Die offene Hochschule zeigt neue Wege zum Studium auf. Berufliche Qualifikationen und Weiterbildungsmaßnahmen können als Studienvoraussetzung anerkannt werden. Dies ist ein wichtiger Schritt weg von der absoluten Vorgabe formaler Berechtigungen hin zur stärkeren Anerkennung individueller, fachlicher Kompetenzen. In Niedersachsen gilt diese Regelung seit Herbst 2010“, erklärt Dr. Margitta Rudolph, Leiterin des Weiterbildungszentrums der Universität Hildesheim.

„Der Weiterbildungsstudiengang nimmt die kulturelle Vielfalt, die Realität in unserem Land in den Blick. Wir wollen konsequent dazu beitragen, die Bildungschancen von Menschen aus Einwanderungsfamilien zu verbessern“, sagt Universitätspräsident Prof. Dr. Wolfgang-Uwe Friedrich und weist auf das Leitbild „Bildungsintegration“ der Stiftung Universität Hildesheim hin. „Gleichzeitig erkennen wir ihre vielfältigen Erfahrungen an, begreifen sie als Bereicherung und Chance.“  Der Universitätspräsident dankt Dr. Margitta Rudolph für die fantastische Aufbauarbeit und Weiterentwicklung des Weiterbildungszentrums und der Stiftung Niedersachsen für die finanzielle Unterstützung. 

Kooperationspartner

Das bundesweit einzigartige Pilotprojekt ist Teil des Leitziels Bildungsintegration der Stiftung Universität Hildesheim und des Programms musik.welt@niedersachsen der Stiftung Niedersachsen. Der Studiengang wurde gemeinsam mit dem Center for World Music der Stiftung Universität Hildesheim, der Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover, dem Musikland Niedersachsen und drei weiteren Hochschulen entwickelt.

Macht neugierig auf die Kulturen der Welt: Das Center for World Music

Das Center for World Music, die musikethnologische Forschungseinrichtung der Stiftung Universität Hildesheim, zählt über 6000 Musikinstrumente aus aller Welt, rund 50.000 Tonträger und mehr als 10.000 Bücher zur Musikethnologie. Es steht für musikethnologische Forschung und interkulturelle Musikvermittlung und leistet einen Beitrag zur Verständigung der Kulturen. Direktor ist Prof. Dr. Raimund Vogels, seit 2001 Professor für Musikethnologie an der Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover und Träger des Niedersächsisches Wissenschaftspreises 2008.

Bildungsintegration an der Stiftung Universität Hildesheim

Die Stiftung Universität Hildesheim hat das Leitziel „Bildungsintegration" formuliert und ein Maßnahmenbündel aus Projekten, Professuren, Studiengängen und Stipendienprogrammen initiiert. Im Leitbild heißt es: „Unser Land ist seit Jahrzehnten auch durch Immigration geprägt. Wir wollen konsequent dazu beitragen, die Bildungschancen von Menschen aus Einwanderungsfamilien weiter zu entwickeln, um ihre Integration zu fördern. Gleichzeitig erkennen wir ihre vielfältigen Erfahrungen an.“

Stiftung Niedersachsen fördert musik.welt – Mehr dazu im Uni-Journal Februar 2012

Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an die Pressestelle (presse[at]uni-hildesheim.de].

Von: Pressestelle, Isa Lange
 
 
 
Letzte Änderung: 12.06.2014